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Georg Ernst Stahl.gif Georg Ernst Stahl (* 21. Oktober 1660 in Ansbach; † 24. Mai 1734 in Berlin) war Chemiker und Mediziner.

Er studierte in Jena, wurde 1687 Hofarzt des Herzogs von Weimar, 1694 Professor der Medizin in Halle, 1716 Leibarzt des Königs von Preußen, Friedrich Wilhelm I.. Stahl war neben Johann Joachim Becher Hauptbegründer der Phlogiston-Theorie, die erst durch Antoine Lavoisier widerlegt wurde. Auch entdeckte er viele Eigenschaften der Alkalimetalle, Metalloxide und Säuren. Seine Hauptwerke sind: "Experimenta et observationes chemicae" (Berlin 1731) und "Theoria medica vera" (Halle 1707 3 Bände). Als Mediziner vertrat er die Lehre vom psychischen Einfluss (Animismus) und wandte sich damit scharf gegen den Materialismus von Herman Boerhaave und Friedrich Hoffmann.

Stahl kann als wichtiger Vorläufer der Psychosomatik gelten. Wie heute viele Psychologen warnte er vor der Überbewertung rein anatomischer, physikalischer und chemischer Prozesse bei der Krankheitserforschung und -behandlung. Sigmund Freud vorgreifend nahm er ein Unbewusstes an, das stark auf die Bewusstheit und vor allem den Körper einwirke. Die Seele baue den Körper fort, lehrte er. Da alle Bewegungen und Veränderungen ihren Sitz in der Seele haben, so folgerte Stahl, müssten auch alle Krankheiten letztendlich seelischen Ursprungs sein. In seiner Krankheitslehre näherte er sich Theorien der Psychoanalytikerin Karen Horney, indem er annahm, Krankheiten entstünden aus widersprechenden Willenstendenzen der Seele, die sich nicht auflösen können und demnach in ein Symptom umschlagen müssen. Er erkannte die Nützlichkeit des Fiebers als folgerichtige Abwehr-Reaktion des Körpers auf Infektionen. Er glaubte, durch Herbeiführung künstlicher Widersprüche Konflikte kathartisch lösen zu können. Die Wahl seiner Mittel erscheint aus heutiger Sicht mitunter grotesk. Dennoch vertrat Stahl für seine Zeit erstaunlich moderne Theorien.

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