Johann Georg Elser (* 4. Januar 1903 in Hermaringen, Württemberg; † 9. April 1945 im KZ Dachau) war ein deutscher Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Er verübte am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller ein Bomben-Attentat auf Adolf Hitler. Hitler überlebte, da er seine Rede unerwarteterweise um eine halbe Stunde vorgezogen hatte und sich zum Zeitpunkt der Detonation nicht mehr im Raum befand.
Elser wurde zufälligerweise bereits gegen 20.45 Uhr bei dem Versuch, in die Schweiz zu fliehen, noch auf deutscher Seite vom Zollgrenzschutz in Konstanz festgenommen und in München und Berlin von der Gestapo verhört. Das [http://www.georg-elser-arbeitskreis.de/texts/protokoll.htm Gestapo-Protokoll wurde Ende der 60er Jahre entdeckt. Diese 203 Seiten bilden die wichtigste historische Quelle zu Georg Elser. Elser wurde im KZ Sachsenhausen und im KZ Dachau gefangengehalten.
„Folgende Weisung ist ergangen: Bei einem der nächsten Terrorangriffe auf München bezw. auf die Umgebung von Dachau ist angeblich "Eller" tötlich verunglückt. Ich bitte, zu diesem Zweck "Eller" in absolut unauffälliger Weise nach Eintritt einer solchen Situation zu liquidieren. Ich bitte besorgt zu sein, dass darüber nur ganz wenige Personen, die ganz besonders zu verpflichten sind, Kenntnis erhalten. Die Vollzugsanzeige hierüber würde dann etwa an mich lauten: "Am .... anlässlich des Terrorangriffs auf .... wurde u.a. der Schutzhäftling "Eller" tötlich [sic verletzt.“
Georg Elser wurde am 9. April 1945, wenige Wochen vor Kriegsende, in Dachau durch Erschießen ermordet. Er war ein Einzelgänger, der frühzeitig aus politisch-moralischen Motiven zum Widerstandskämpfer und Hitler-Attentäter wurde.
Joseph Goebbels sah in der Tat eine Aktion des britischen Geheimdienstes in Zusammenarbeit mit dem damals in der Schweiz lebenden Otto Strasser, was nicht nur Propaganda, sondern wahrscheinlich auch seine wirkliche Überzeugung war.
Regimegegner im In- und Ausland hingegen waren der Überzeugung, die Nationalsozialisten selbst hätten das Attentat organisiert, um den Glauben an den von der Vorsehung beschützten Führer zu stärken. Nach dem Krieg kolportierten der Widerstandskämpfer Martin Niemöller und später auch der KZ-Aufseher Walter Usslepp das Gerücht, Elser sei SS-Mitglied gewesen. Der britische SIS-Agent Sigismund Payne Best gab vor, von Elser selbst erfahren zu haben, dieser sei vor dem Attentat im KZ Dachau eingesessen und dort für die Tat angeworben worden. Historiker weigerten sich lange Zeit beharrlich, sich mit Elser als Widerständler zu beschäftigen, weil sich das Gerücht hielt, er sei eine Marionette der Nationalsozialisten gewesen. Seine Familie wurde geschmäht und erhielt keine Haftentschädigung.
1959 stellte der Journalist und Historiker Günter Peis sich mit seiner 8-teiligen Reportage Zieh′ dich aus, Georg Elser! gegen die damals herrschende Meinung der Geschichtsforschung. Mit systematischen Zeitzeugenbefragungen (oral history) kam er zum Ergebnis, dass Elser ein Einzeltäter war.
1964 entdeckte der Historiker Lothar Gruchmann Elsers Verhörprotokolle. Auf dieser Grundlage konnten die Historiker Lothar Gruchmann und Anton Hoch die Alleintäterschaft Elsers endgültig nachweisen.
Sämtliche Gerüchte über Elsers angebliche Drahtzieher – seien es der britische SIS, Otto Strasser, die Nationalsozialisten selbst, der Schweizer Karl Kuch, eine kommunistische Troika oder der polnische Untergrund in Kooperation mit der Londoner Exil-SPD – sind inzwischen sorgfältig dokumentiert und widerlegt.
Die Geschichte des Georg Elser wurde 1989 unter dem Titel Georg Elser – Einer aus Deutschland verfilmt. Regie führte Klaus Maria Brandauer, der auch die Titelrolle übernahm. Der Film wurde der Realität bezüglich des exakten Ablaufs am 8. November 1939 nicht ganz gerecht. Brandauer entschied sich aus dramaturgischen Gründen dafür, einen fiktiven Gegenspieler auftreten zu lassen.
Im Gegensatz zu den Verschwörern des 20. Juli 1944, die größtenteils den alten Eliten Deutschlands angehörten und lange Zeit dem Nazi-System dienten, wird Georg Elser in der offiziellen Gedenkkultur der BRD eher wenig Beachtung geschenkt (obwohl seine Tat das einzige ernstzunehmende Attentat auf Hitler für lange Zeit blieb). Auch vom linken Spektrum wurden Georg Elser und einige andere Widerstandskämpfer wie die Edelweißpiraten erst in der jüngeren Zeit anerkannt, weil eben kein Kollektiv, keine politische Organisation hinter ihnen stand. Erst langsam erhält er die Würdigung, die er verdient. Lange Zeit jedoch stand er im Schatten vor allem der Verschwörer des 20. Juli 1944.
Seit 1988 beschäftigt sich der Georg-Elser-Arbeitskreis in Heidenheim an der Brenz mit der Lebensgeschichte und dem Andenken Elsers. In Königsbronn wurde Anfang der 90er-Jahre eine Erinnerungs- und Forschungsstätte eingerichtet. Außerdem wurde in München ein Veranstaltungshallenkomplex nach Elser benannt, die Georg-Elser-Hallen. Seit 2001 wird alle zwei Jahre der Georg-Elser-Preis für Zivilcourage verliehen. Anlässlich seines 100. Geburtstages gab die Deutsche Post 2003 eine Sonderbriefmarke heraus.
Hitler-Attentäter | NS-Opfer | Mann | Deutscher | Geboren 1903 | Gestorben 1945
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