Die Geodynamik befasst sich mit den natürlichen Bewegungsvorgängen im Erdinnern bzw. auf der Erdoberfläche. Zugleich erforscht sie die Antriebsmechanismen und Kräfte, mit denen die Verschiebungen in Zusammenhang stehen.
Der Begriff wird oft fälschlich für rein kinematische Aspekte verschiedener Deformationen verwendet, also ohne Berücksichtigung ihrer Dynamik und Ursachen.
Geodynamische Erscheinungen reichen über eine breite Skala. Beispiele dafür sind
Ein Beispiel aus Baden-Württemberg zeigt eine Hangbewegung, die sich möglicherweise zu einem größeren Bergrutsch auswachsen könnte. Die Umgebung wird dauernd geodätisch-elektronisch überwacht, um bei allfälliger Beschleunigung der Rutschung einen Alarm auslösen zu können.
Auf feuchten Hängen kriecht oft die oberste Bodenschicht talwärts, was am "Säbelwuchs" kleiner Bäume zu erkennen ist: sie trachten senkrecht zu wachsen - und müssen sich deshalb einige Jahre lang dauernd hangaufwärts krümmen. Auf Grashängen im Gebirge sieht man manchmal kahle Stellen (Plaiken), wo deshalb die Grasnarbe abreißt und wie ein gewellter Teppich nach unten rutscht.
Solche Bewegungen beschleunigen sich oft nach heftigen Regenfällen; die Durchfeuchtung bzw. Erosion kann dann sogar zum Abgang von Muren führen. Forstwirtschaftler und erfahrene Einheimische wissen, wo auf kritischen Hängen auf keinen Fall Bäume gefällt werden dürfen.
Für Erdbeben, aber auch andere geophysikalische Themen sind wichtige Informationsstellen:
Die Geodynamik erforscht die Prozesse, die in diesem System ablaufen. Bildhaft kann man die Erde als Wärmekraftmaschine sehen, welche die Wärme des Erdinnern in Bewegung umsetzt. Die dabei auftretenden Konvektionswirbel (dem "Brodeln" von heißem Wasser oder der obersten Sonnenschicht vergleichbar) sind der "Motor" der großräumigen geodynamischen Phänomene. Ihr bekanntestes ist die Plattentektonik, die vor genau 80 Jahren Alfred Wegener als "Kontinentverschiebung" angenommen, aber damals von fast niemandem geglaubt wurde.
Was man früher nur aus Küstenformen (Wegener: Afrika/ Südamerika), Geologie und Biologie vermutete (verwandte Gesteine und Pflanzen an den Kontinenträndern), kann man seit den 1980ern direkt und cm-genau messen: mit Laser- und Satellitengeodäsie, mit verfeinerter globaler Satellitennavigation und mit Radiowellen fernster Quasare, deren Laufzeit-Unterschiede an weltweit verteilten großen Radioteleskopen gemessen werden (VLBI).
Inzwischen kann man die Driftraten jeder Kontinental- und Meeresplatte (2-20 cm pro Jahr) auf millimetergenau angeben und geodynamisch modellieren. Die Übereinstimmung zwischen Messung und Theorie liegt bei den neuesten "NIMA-Modellen" (Bild vom vorletzten Modells folgt) bereits im cm-Bereich.
Ohne "Computational Physics" - ausgeklügelte Modelltheorien und EDV-Programme - stünden die Wissenschafter jedoch auf verlorenem Posten. In langwierigen Simulationen ändert man z.B. die Gesteins- und Schichtparameter so lange, bis plausible geodynamische Bewegungen resultieren. Dabei werden immer neue numerische Verfahren erdacht, ganze Cluster von Rechnern kombiniert und ihre Algorithmen optimiert.
Warum die Erde derart vielfältig "atmet", aber Mars oder Venus nicht (mehr), ist noch weitgehend unklar.
Etwa 90 % des irdischen Magnetfeldes werden im tiefen Erdinnern erzeugt. Ob die Erdrotation im Mantel und im flüssigen Erdkern etwas unterschiedlich ist, wird in der Art eines "Dynamoprozesses" erforscht. Er soll eines Tages erklären, wie mechanische in magnetische Energie umgesetzt wird und wieso sich das Magnetfeld seit Jahrtausenden abschwächt - oder gar umpolt, wie es am Ozeanboden der letzten Jahrmillionen nachgewiesen wurde.
Aber nicht nur im Hochgebirge werden Gesteinsschichten durch langanhaltenden Druck in Falten gelegt. Bei weicherem Gestein sieht man derartiges oft auch im Mittelgebirge und sogar im Hügelland (==> Bsp. Schwarzwald).
Wenn riesige Gesteinsschichten viele Kilometer weit verschoben werden, leuchtet ein, dass die Erdkruste verschiedene "Risse" bekommt. Solche geologische Störungen finden sich allerorts in Mitteleuropa. Manche von ihnen sind nicht mehr aktiv, an anderen jedoch zeigen sich rezente Krustenbewegungen bis zu einigen cm/Jahr. Absinkenden Bewegungen in tektonischen Beckenlagen wie Pannonien, Wiener Becken, Rheingraben usw. stehen oft Hebungen in Gebirgsketten gegenüber.
In Sedimentbecken kommt es häufig vor, dass ein Nivellement mehrere solcher Störungslinien quert. Wird diese genaue Höhenmessung (wie meist üblich) alle 30-50 Jahre wiederholt, zeigen die Höhendifferenzen aufeinanderfolgender Punkte einen zeitabhängigen Verlauf. So lässt sich ohne komplizierte Modelle feststellen, welche dieser oft Dutzende km langen Störungslinien noch aktiv sind.
Gründliche geodynamische Erforschung dieser Erscheinungen und Kräfte haben zur Entwicklung der NÖT (Neue österr. Tunnelbauweise) geführt, wo sich das Gestein durch gute Wahl des Querschnitts selber stützt.
Ein anderes Problem ist der unerwartete Wassereinbruch im Tunnel. Er tritt häufig bei diskordanter Schichtung auf.
In den Bereich der Geodynamik zählt auch die Bergschadenkunde. Sie untersucht allerdings keine natürlichen Effekte, sondern durch den Bergbau verursachte Bodenbewegungen. In erster Linie sind es Senkungen, die sich langsam von verfallenden Stollen zur Erdoberfläche fortsetzen, doch auch die Mechanik von Halden und andere Erscheinungen zählen hierzu.
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Geodynamik".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world