Gentoo Linux * ist eine quellbasierte Linux-Meta-Distribution für fortgeschrittene Benutzer, die ihr System komplett individuell einrichten wollen. Jeder Benutzer hat die Möglichkeit, das System stark an seine Bedürfnisse anzupassen, dazu sollte man fundiertes Wissen über seine Hardware und über GNU/Linux mitbringen oder zumindest entsprechend Zeit, um die ausführliche Dokumentation zu lesen. Gentoo ist ein Warenzeichen der Gentoo Foundation, Inc., einer Non Profit-Organisation.
Gentoo Linux eignet sich hervorragend für Personen, die möglichst viel Kontrolle über ihr System erhalten möchten. Durch die Nutzung einer Stage-1-Installation erhält man als Benutzer ein System, das perfekt an die eigene Hardware und Bedürfnisse angepasst ist. Allerdings wird im Installationshandbuch nur noch auf eine Installation mittels Stage 3 verwiesen. Bei Stage-1- oder Stage-2-Installationen geschah es immer häufiger, dass Benutzer durch unsachgemäße Anpassungen oder zu starker Optimierung ihr System unbrauchbar installiert haben. Eine Installation von Stage 3 schließt nahezu aus, dass sich Fehler im Basissystem befinden. Erfahrene Benutzer können jedoch weiterhin eine Installation von Stage 1 oder Stage 2 vornehmen, worauf im Installationshandbuch verwiesen wird.
Die Philosophie hinter Gentoo, dem Benutzer alle Freiheiten zu lassen, wird schon bei der Wahl der Installationsmethode klar. Unabhängig von der Verwendung der Stages (wie bereits beschrieben) kann der Benutzer auch hier von Anfang an entscheiden, auf welches Installationsmedium er zugreifen will, bzw. wie die Installation bewerkstelligt werden soll.
Die älteste Methode ist es, von einer der Gentoo Installations-CDs zu booten, die benötigten Stages und den Portage-Snapshot herunterzuladen und durch die Eingabe der im Handbuch beschriebenden Befehle in einer Unix-Shell das Gentoo-System selbst zu bauen. Da es sich bei den Gentoo-Installations-CDs um LiveCDs, die alle Werkzeuge zur Installation und Konfiguration enthalten, handelt, kann man diese Methode mit jedem aktuellen Live-System wie z. B. Knoppix durchführen. Ebenso ist es möglich, Gentoo auf diese Weise aus einem bestehenden Linux-System zu installieren. Hierbei wird die Installation direkt über das Internet durchgeführt. Dies hat den Vorteil, dass die Pakete sehr aktuell sind.
Sollte man während der Installation nicht über eine Internetverbindung verfügen, hat man die Möglichkeit, mit einer der Universal-Install-CD und einer Package-CD die Stage-Archive, den Portage-Snapshot und die Programme von CD aus zu installieren. Allerdings sind die meist nach kurzer Zeit nicht mehr aktuell und man hat nur die Möglichkeit, die Programme zu installieren, die sich auch wirklich auf den CDs befinden. Sollte man sich für eine dieser Methoden entscheiden, empfiehlt es sich, in eines der älteren Handbücher zu schauen, da diese Art der Installation in den aktuellen Handbüchern nicht mehr beschrieben wird.
Mit Gentoo 2006.0 wird eine weitere Installationsmethode offiziell unterstützt. Hierbei handelt es sich um den erstmals bei Gentoo 2005.1 für x86 verwendeten Gentoo-Linux-Installer (GLI). Dies ist ein in Python geschriebener Installer der in zwei Versionen vorhanden ist. Zum einen gibt es den komplett grafischen Installer der GTK+ verwendet, zusätzlich gibt es noch einen Textbasierten, der kein Xorg benötigt. Allerdings ist die Bedienung sehr verschieden.
Der Installer soll die Installation vereinfachen. Auch hier hat man – wie bei der altbekannten Methode – die Möglichkeit, komplett auszuwählen, welche Stages etc. verwendet werden sollen. Die aktuellen Handbücher wurden bereits komplett an diese neuen Installationsmethoden angepasst. Zur Zeit wird allerdings nur x86 offiziell unterstützt. Zwar gibt es schon eine Version für AMD64-Benutzer, doch befindet diese sich zur Zeit noch in der Testphase.
Will man den Installer verwenden, so sollte man sich die Gentoo 200x.x LiveCD herunterladen. Hierbei handelt es sich um eine etwas über 700MB große LiveCD die einen kompletten GNOME-Desktop mitbringt. Alternativ existiert die Möglichkeit, den Installer auf einem vorhandenden Gentoo-System zu installieren, oder eine Live-Distribution wie RR4/RR64 zu nutzen, die den Installer ebenso mitbringt.
Grundsätzlich läuft eine Softwareinstallation mit Portage wie folgt ab:
Der Benutzer muss als root auf der Kommandozeile emerge paketname (z. B. emerge apache) eintippen. Portage sucht daraufhin das entsprechende ebuild im Portage-Tree und überprüft, ob die Software andere Pakete benötigt, um zu funktionieren. Sollte eine solche Abhängigkeit bestehen, wird sie aufgelöst, indem die benötigten Pakete installiert werden. Ist das erledigt, lädt Portage den Quelltext des Programms als komprimierte Datei vom Server und stellt mithilfe einer MD5-Prüfsumme sicher, dass die Datei nicht beschädigt oder verfälscht ist. Anschließend wird sie temporär entpackt und das Makefile erstellt, das zur Kompilierung notwendig ist. Der Quelltext wird nun in einer Sandbox kompiliert. Der Compiler ist dabei in der Lage, das Paket auf die benutzte Hardware zu optimieren. War die Kompilierung erfolgreich, werden Dokumentation (Manpages etc.), Konfigurationsdateien und natürlich die entstandenen Binärdateien in die entsprechenden Verzeichnisse auf dem System kopiert. Die Software ist nun installiert.
Mit Hilfe des Befehls emerge --unmerge paketname lässt sich unerwünschte Software auch wieder problemlos aus dem System entfernen. Nur die zu der Software gehörenden und vom Benutzer geänderten Konfigurationsdateien bleiben erhalten. Bei einer erneuten Installation kann der Administrator explizit auswählen, welche Teile der Originalkonfigurationsdateien bzw. der eigenen benutzt werden sollen.
Leider werden beim Löschen keine von dem Paket abhängige Pakete mit gelöscht, dies geht zum Beispiel mit: emerge --pretend --unmerge PAKETNAME `equery depends PAKETNAME | grep --invert-match Searching` Mit dem Befehl emerge --pretend --depclean erhält man eine Liste von Paketen, die von keinem anderen Paket mehr abhängen und nicht explizit installiert wurden. Durch die vielen Faktoren, die in diese Berechnung eingehen, ist die Warnung beim Start durchaus ernstzunehmen!
Es gibt auch Projekte, bei welchen der Linux-Kernel durch einen FreeBSD- bzw. OpenBSD-Kernel ersetzt wurde. Zudem kann man unter Apples Mac OS X mittels Portage auf fast den gesamten Pool der eBuilds zugreifen, ohne das native Betriebssystem ersetzen zu müssen.
Um sich eine eigene Distribution auf einer Live-CD zu bauen, benötigt man aber nicht zwingend Catalyst. Es gibt noch eine schnellere Methode mit der man sich ein lauffähiges Linux von der CD selber bauen kann, welche ebenfalls mehr Kontrolle als die oben genannte Methode bietet. Allerdings sind dafür ein wenig Einarbeitung und die Bereitschaft, hin und wieder etwas zu experimentieren, notwendig. Genaueres unter http://de.gentoo-wiki.com/Eigene_LiveCD_bauen_ohne_catalyst und http://forums.gentoo.org/viewtopic-t-244837.html.
- | Version | Datum |
|---|---|
| 1.0 | 31. März 2002 |
| 1.1a | 4. April 2002 |
| 1.2 | 5. Juni 2002 |
| 1.4 | 5. August 2003 |
| 2004.0 | 31. März 2004 |
| 2004.1 | 28. April 2004 |
| 2004.2 | 26. Juli 2004 |
| 2004.3 | 15. November 2004 |
| 2005.0 | 28. März 2005 |
| 2005.1 | 8. August 2005 |
| 2005.1-r1 | 21. November 2005 |
| 2006.0 | 27. Februar 2006 |
Bei Gentoo Linux handelt es sich nicht um Versionen im eigentlichen Sinne, sondern um Snapshots eines Entwicklungsstandes, auf dessen Basis zum Beispiel die stage-Archive und Live-CDs erstellt werden. Die einzelnen Versionen gehen bei einem regelmäßigen Update des Portage-Trees (emerge --sync) ohne größere Umstellungen ineinander über.
Die Tatsache, dass die Arbeitsweise des Gentoo-Projekts nicht versionsorientiert ist, führt zu einem kontinuierlichen Aktualisieren des Systems im Gegensatz zu einer stufenartigen Aktualisierung wie dies bei den meisten klassischen Distributionen der Fall ist. Auf diesem Weg ergeben sich Migrationsprobleme immer nur für einzelne Programmpakete, nicht aber für eine ganze Distributionsversion. Auch kann der Nutzer so über jede verwendete Version eines Programms selbst entscheiden.
Hinzu kommt, dass mit vergleichsweise einfachen Mitteln eigene Distributionen auf der Basis von Gentoo erstellt und distributiert werden können, um zum Beispiel für Spezialanwendungen wie Cluster oder Rechnerpools zu genügen. Als Beispiel für die Flexibilität von Gentoo sei erwähnt, dass Gentoo benutzt wurde, um Linux auf Macintosh-Rechnern mit Intel CPU zu migrieren. *
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