Gentleman-Gainsborough.jpg, 1782]] Der Begriff Gentleman bezeichnet einen aufgrund seiner Geburt, seines Charakters oder anderer Umstände in irgendeiner Form sozial herausgehobenen Mann. Der Begriff wurde in England geprägt und galt stets als besonderer Ausdruck britischen Nationalcharakters.
Teilweise wurde auch vertreten, bei den Gentlemen handele es sich um eine eigene Klasse, die sich spätestens im 15. Jahrhundert zwischen dem eigentlichen Adel und dem gemeinen Volk herausgebildet habe. Ein Grundbesitzerregister von 1431 führt etwa neben Rittern, Esquires, Yeomen und Husbandmen (also Haushaltsvorständen) auch die Klasse der Gentlemen auf.
Große Bedeutung kam insofern auch der Berechtigung zu, ein Wappen zu führen. Manchmal wurde diese sogar als allein ausschlaggebendes Merkmal betrachtet. Aufschlussreich erscheint insofern eine Szene aus Shakespeares Der Widerspenstigen Zähmung (Akt II,1):
Übersetzung von Schlegel/Tieck:
Gerade dieses Kriterium wurde von den tatsächlich tonangebenden und einflussreichen Kreisen Englands faktisch oft nicht geteilt. Gelehrsamkeit, Sprachkenntnisse, Rechtsstudien galten als "eines Gentleman nicht würdig" und wurden allenfalls als Beschäftigung für nachgeborene Adelssöhne angesehen, die keinen Anspruch auf das väterliche Erbe hatten und sich daher anderweitig in der Welt zurechtfinden mussten. Eine ähnliche Auffassung findet sich auch bei dem amerikanischen Schriftsteller Lewis Mumford, der von einem Gentleman zwar "humanistische Erziehung" verlangt, vertiefte Detailkenntnisse aber als eher schädlich betrachtet; der ideale Gentleman sei eher der Amateur, der Dilettant, der von allem etwas wisse, aber von nichts zuviel.
Mitunter wurde auch weniger auf Umfang und Art des Wissens abgestellt, als vielmehr auf den Ort seines Erwerbs: Als Gentleman solle schlichtweg gelten, wer auf den berühmten Public Schools von Eton, Rugby, Winchester etc. erzogen worden sei.
Chaucer etwa schreibt im Meliboeus (ca. 1386), dass niemand ein „gentil man“ genannt werden solle, der nicht Sorgfalt und Umsicht darauf verwende, seinen guten Namen zu verteidigen. Im The Wife of Bath's Tale stellt er indes auf Tugendhaftigkeit („vertuous“), Zurückgezogenheit („prive“) und das Bestreben ab, Gutes zu tun. John Rastel legt 1525 in einem Dialog einem Bauern die Auffassung in den Mund, einen Gentleman zeichne „Demut, Geduld, Nächstenliebe, Freigebigkeit, Enthaltsamkeit, Ehrlichkeit und Keuschheit“ aus – weshalb er selbst der wahre Gentleman sei, und nicht seine standeshöheren Gesprächspartner. Auch nach Steele (Tatler, 1714) hängt die Berufung zum Gentleman keineswegs von den Lebensumständen des Betreffenden ab, sondern vielmehr von dem Verhalten, dass er angesichts derselben zeige. Ähnlich äußerte sich auch Defoe, der insofern das von ihm vertretene aristokratisch-blutsmäßige Prinzip wieder relativiert. Auch William Harrison nennt als Kriterien neben der o.g. Bildung, dass die Betreffenden Würde und Haltung eines Gentleman zeigten.
In diesem Zusammenhang sei auch die Anekdote aus den Tagen König Jakobs II. erwähnt, wonach der Monarch auf die Bitte einer Dame, ihren Sohn zum „Gentleman“ zu machen, geantwortet haben soll, er sei allenfalls dazu in der Lage, ihn zum „Nobleman“ zu machen. Die Schaffung eines Gentleman sei indes dem Allmächtigen vorbehalten.
Nach Auffassung Lewis Mumfords zeichnet einen Gentleman „Verkörperte Männlichkeit“ aus, „ein Beispiel vollkommenen Betragens, entschieden in allen Handlungen, stoisch im Leiden, selbstbeherrscht, rücksichtsvoll, physisch auf der Höhe und mit einer humanistischen Erziehung“. Von Kardinal Newman stammt die Definition, ein Gentleman, sei ein Mann, der „niemandem Schmerz zufügt, (…) und der kein Aufhebens von den Gefälligkeiten macht, die er anderen erweist“. Henry James sieht jenen als Gentleman an, der „sich auch in unbedeutenden Momenten gut benimmt“. Noch in dem Film Eve und der letzte Gentleman wird der Gentleman als ein Mann charakterisiert, "der allzeit versucht, den Menschen um sich herum ein Höchstmaß an Wohlwollen zu erteilen."
Die moderatere Auffassung lässt es genügen, dass die Person keine körperliche Arbeit verrichtet (so etwa Harrison und Mulcaster). In jedem Fall erlaubt diese Auslegung die Einbeziehung von akademischen Berufen wie Ärzten, Juristen oder Theologen – was zu einer Überschneidung mit dem o.g. Kriterium „Bildung“ führt. Strittig war jedoch häufig, inwieweit Angehörige desKaufmannsstands („tradesmen“) einzubeziehen seien. Während im 15. Jahrhundert den Kaufleuten im allgemeinen noch große Wertschätzung entgegengebracht wurde und sich selbst Angehörige des Königshauses im Handel und Geldverleih engagierten, geriet diese Berufsgruppe spätestens mit Regierungsantritt der Stuarts 1603 in Misskredit, da reines Erwerbsstreben zunehmend als eines Gentleman nicht würdig betrachtet wurde.
Harrison stuft überdies bestimmte Tätigkeit im Umfeld von Politik und Militär als „gentlemanlike“ ein, etwa die Ableistung von Kriegsdienst im Führungsstab oder die Beratung von Regierungsbehörden zu Friedenszeiten. Auch nach Robert von Ranke-Graves machen ein Offizierspatent, ein Diplom von Oxford oder Cambridge sowie eine geistliche Pfründe der Church of England ihre Inhaber automatisch zu Gentlemen.
Etwa ab dem 19. Jahrhundert war ein allgemeiner Niedergang des Begriffs zu verzeichnen. Bestenfalls stellt er noch eine Bezeichnung für einen - insbesondere zu Damen - besonders freundlichen oder höflichen Herrn dar. Häufig wird er aber einfach als Synonym für "Mann" gebraucht, wie dies etwa in der Anrede "Dear ladies and gentlemen" zum Ausdruck kommt. Bezeichnend erscheint insofern auch die Beschriftung britischer Toilettentüren mit dem Wort Gents oder die Verwendung des Wortes in Zusammensetzungen wie Gentlemen’s Club, was häufig genug eine euphemistische Bezeichnung für Bordelle, Stundenhotels oder ähnliches darstellt. In seiner ursprünglichen Bedeutung lebt es freilich weiter in Zusammensetzungen wie Gentlemen's agreement oder gentlemanlike.
Gentleman | Herrasmies | Gentilhomme | 紳士 | Джентльмен | Gentleman | Gentleman | 绅士
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