Eine Genmutation ist eine erbliche Veränderung (Chromosomenaberration oder Mutation) eines Gens, die nur das jeweilige Gen selbst betrifft. Sind von der Veränderung mehrere Gene betroffen, handelt es sich um eine strukturelle Chromosomenaberration.
Beschreibung
Eine Genmutation liegt vor, wenn in der
DNA nur eine
Base verändert (
Punktmutation), entfernt oder hinzugefügt (mögliche
Rastermutation) wird. Sie ist die häufigste, wichtigste Art der
Mutationen und tritt zufällig auf. Sie wird entweder durch eine fehlerhafte
Replikation der DNA ausgelöst, oder ein
Mutagen verursacht einen Basenaustausch im
Erbgut. Meist entstehen Mutationen mit
rezessiver Wirkung. Die Genmutation kann ohne Auswirkungen für den Träger, nachteilig, manchmal tödlich (letal) oder auch vorteilhaft sein.
Genmutationsarten
Nach Auftreten unterscheidet man zwei Genmutationsarten:
Außerdem unterscheidet man folgende Genmutationstypen:
Substitution
Bei der
Substitution findet ein Austausch einer einzelnen
Base statt. Die Substitution bezeichnet also den Veränderungsvorgang der Punktmutation als einer Variante der Genmutation.
Man unterscheidet hier zwei Typen der Substitution:
- Transition: Substitution einer Purin- gegen eine Purinbase bzw. einer Pyrimidin- gegen eine Pyrimidinbase.
- Transversion: Substitution einer Purin- gegen eine Pyrimidinbase oder umgekehrt.
Es kann sich dabei entweder um eine „missense“-Mutation (sinnverändernde Mutation), also den Austausch einer Aminosäure bei der Translation handeln, oder um eine „nonsense“-Mutation (sinnentstellende Mutation), bei der ein Stop-Codon entsteht. Außerdem können „nonsense“-Mutationen in Introns Fehler beim Spleißen bewirken. Als dritte Möglichkeit kann es sich auch um eine stille (stumme) Mutationen oder neutrale Mutationen handeln, bei der eine DNA-Base verändert wurde, aber weiterhin die gleiche Aminosäure kodiert wird. Das ist durchaus möglich, da es für manche Aminosäuren mehrere Kodierungsmöglichkeiten gibt. Siehe auch unter Mutation.
Deletion
Unter
Deletion versteht man bei der Genmutation den Verlust eines oder mehrerer Basenpaare. Eine Deletion führt zur Verschiebung des Leserasters (
frameshift).
Man kann zwei Typen der Deletion unterscheiden:
- „out of frame“-Deletion: Es entsteht kein funktionsfähiges Protein.
- „in frame“-Deletion: Hierbei entsteht ein Protein mit Restfunktion, da das Leseraster erhalten bleibt.
Das Leseraster kann beibehalten werden, wenn die Deletion von Basenpaaren eine Anzahl enthält, die durch drei teilbar ist. Werden zum Beispiel sechs Basenpaare in Folge deletiert, so fehlen dann auch zwei Aminosäuren im Protein (was ein defektes Protein zur Folge haben kann, nicht muss), jedoch ist das Leseraster erhalten geblieben.
Insertion bzw. Addition
Hierunter versteht man bei der Genmutation den Einbau von Sequenzen in die
DNA. Auch dies führt zu einer Leserasterverschiebung (
Frameshift), soweit nicht
Triplett-Codons eingebaut werden.
Duplikation
Duplikationen entstehen bei der Genmutation zum Beispiel durch ungleiches
crossing over entweder zwischen
homologen Chromosomen oder zwischen Schwester
chromatiden. Sie werden auch
Genduplikationen genannt.
Man unterscheidet zwei Genduplikationsarten:
- partielle Genduplikationen
- vollständige Genduplikationen
Rastermutation
Bei der Rastermutation als eine Variante der Genmutation findet eine Verschiebung der Nukleotidsequenz der
Nukleotidkette statt, indem zusätzliche Moleküle in sie eingebaut werden. Diese
addierten Moleküle haben eine den Nukleinsäurebasen ähnliche Größe und Struktur. Dadurch kommt es zur Synthese eines veränderten Genprodukts (Protein).
Beispiele
Ein bekanntes Beispiel für eine Genmutation ist die
Sichelzellanämie. Die Betroffenen bilden ein abnormes
Hämoglobin und die veränderten roten Blutkörperchen werden von
Leukozyten aufgelöst, was zu Blutarmut führt. Es gibt zwei Varianten:
- Homozygot (reinerbig): Schwere Blutarmut
- Heterozygot (mischerbig): Malariaresistent, nur in großer Höhe werden rote Blutkörperchen angegriffen
Andere Beispiele sind:
Genetik
Mutation (génétique)