article

Der Generalstab ist die höchste militärische Kommandobehörde vieler Streitkräfte. Ihr Leiter ist der Generalstabschef. Der Generalstab ist heute in den meisten Ländern dem Verteidigungsministerium untergeordnet.

Aufgaben


Der Generalstab setzt die Aufträge der politischen Führung in militärische Maßnahmen um. Zu den Aufgaben eines Generalstabs können gehören:

  • Streitkräfteplanung
  • Mobilmachungs- und Aufmarschplanung
  • Einsatzplanung
  • Einsatzführung
  • Logistik
  • Ausbildung
  • Personalplanung

Entstehung und Bedeutung des Generalstabs


Preußen

Zu den preußischen Reformen, die nach der Niederlage bei Jena und Auerstedt 1806 eingeleitet wurden, gehörte auch die Schaffung eines Generalstabs. Dieser Stab unterstützte die oberste Heeresführung bei der Planung, Vorbereitung und Durchführung militärischer Operationen. Als geistiger Vater des Generalstabs gilt General August Graf Neidhardt von Gneisenau.

Der preußische Generalstab hat sich in den Befreiungskriegen gegen Frankreich und in den Einigungskriegen hervorragend bewährt. Seine militärischen Planungen standen auf einer militärwissenschaftlichen Grundlage. Der Ausdruck "generalstabsmäßig" ist bis heute ein in der Umgangssprache verbreiteter Begriff für eine gründliche Planung, die nichts dem Zufall überlässt.

Generalstabschefs

seit der Einführung der dienstlichen Bezeichnung

Deutsches Reich

Deutsches Kaiserreich

Schon in Preußen hatte der Generalstab seit Moltke eine besondere, auch politische Bedeutung. Spätestens seit der Reichsgründung 1871 nannte sich der gesamtdeutsche Generalstab Großer Generalstab. Sein jeweiliger Chef war äußerst einflussreich, da er seit 1871 Immediatrecht beim Kaiser hatte (Recht zum jederzeitigen Vortrag), und damit faktisch die Möglichkeit, zusammen mit dem Oberbefehlshaber militärische Entscheidungen vorbei an Kanzler und Reichstag zu treffen. Das gilt als eine der Keimzellen der Katastrophe des Ersten Weltkriegs, da die militärische Planung damit nicht zwangsläufig einer politischen Kontrolle unterworfen war (Primat der Politik). So konnte sich z.B. der Schlieffenplan zum einzigen Kriegsplan und geradezu zum Dogma entwickeln, ohne dass maßgebliche Politiker des Reiches auch nur eingeweiht waren. Auch die Führung der Kaiserlichen Marine kannte diese Heeresplanung nicht.

=Generalstabschefs
=
Weimarer Republik

Die Reichswehr durfte nach den Bestimmungen des Vertrags von Versailles keinen Generalstab besitzen. Artikel 160 des Vertrags bestimmte: „Der deutsche Generalstab und alle ähnlichen Formationen werden aufgelöst und dürfen unter keiner Gestalt neu gebildet werden.“ Die Rolle des Generalstabs übernahm das so genannte Truppenamt (eine Tarnbezeichnung). Außerdem gab es eine Heeresleitung und die Marineleitung der Reichsmarine.

=Generalstabschefs
=
Zeit des Nationalsozialismus

Im Jahre 1935 wurde der Generalstab in der Wehrmacht offiziell wieder eingeführt. Chef des Generalstabes des Heeres wurde am 1. Juli 1935 Generalleutnant Ludwig Beck, der schon seit dem 1. Oktober 1933 das Truppenamt im Reichswehrministerium leitete.

Chef des Generalstabes der Luftwaffe wird am 1. März 1935 Generalmajor Walther Wever, der ebenfalls schon vorher, seit dem 1. September 1933, Chef des Luftwaffen-Kommando-Amts im Reichsluftfahrtministerium und damit Chef des getarnten Generalstabs der Luftwaffe war.

Zur gleichen Zeit wurde die Marineleitung in Oberkommando der Marine umbenannt, der bisherige Chef der Marineleitung, Admiral Erich Raeder, wurde Oberbefehlshaber der Marine (Ob.d.M.), die fortan als Kriegsmarine bezeichnet wurde.

Im Zuge der Blomberg-Fritsch-Krise im Februar 1938 erlangte Hitler den unmittelbaren Oberbefehl über die Wehrmacht, und schuf sich zugleich einen eigenen militärischen Stab - das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) mit General Wilhelm Keitel als Chef des Oberkommandos der Wehrmacht an der Spitze.

Die eigentliche Stabsarbeit wurde dabei vom Wehrmachtführungsamt (WFA) im Oberkommando der Wehrmacht mit seinen verschiedenen Abteilungen geleistet. Das WFA (1940 umbenannt in Wehrmachtführungsstab (WFSt)) wurde, mit kurzer Unterbrechung 1939, bis zum Kriegsende von Alfred Jodl als Chef des Wehrmachtführungsstabes im Oberkommando der Wehrmacht geführt.

Das OKW bzw. der Wehrmachtführungsstab war aber entgegen dem, was der Name suggerierte, nicht der oberste militärische Stab für die gesamte Wehrmacht. Die Führung des Krieges gegen die Sowjetunion lag in den Händen des Oberkommandos des Heeres, lediglich die übrigen Kriegsschauplätze lagen in der Zuständigkeit des Wehrmachtführungsstabes.

=Generalstabschefs
=
  • General der Artillerie Ludwig Beck 1.Oktober 1933- 31. Oktober 1938
  • Generaloberst Franz Halder 31. Oktober 1938- 24. September 1942
  • Generaloberst Kurt Zeitzler 24. September 1942- 20. Juli 1944
  • Generaloberst Heinz Guderian 21. Juli 1944- 28. März 1945; beauftragt
  • General der Infanterie Hans Krebs 29. März 1945- 30. April 1945; mit der Führung beauftragt

Bundesrepublik Deutschland

Nach 1945 war durch das Potsdamer Abkommen eine eigenständige deutsche Armee und der Generalstab verboten. Bei der Wiederbewaffnung am 5.Mai 1955 wurde der Begriff Generalstab in der Bundeswehr nicht mehr verwendet. Gleichwohl existieren die oben genannten Aufgaben eines Generalstabs auch in der Bundeswehr. Ihre oberste Führungsbehörde ist der Führungsstab der Streitkräfte (FüS) im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg). An der Spitze des FüS steht der Generalinspekteur der Bundeswehr als höchster Soldat der Bundeswehr.

In der Zeit bis 1990 hatte Deutschland die operative Führung seiner Kräfte im Kriegsfall komplett der NATO übertragen, wobei dieser zum Teil rein deutsche Hauptquartiere unterstanden wie z. B. das Flottenkommando oder die deutschen Heereskorps (I., II., III.). Heutige Auslandseinsätze, die nicht unter der Führung der NATO oder einer anderen internationalen Organisation stehen, werden durch das BMVg und das Einsatzführungskommando oder in Ausnahmefällen das Führungskommando einer Teilstreitkraft geführt. Auch in diesen Dienststellen waren und sind Generalstabsaufgaben zu erledigen. Die übrigen, nicht operativen Aufgaben eines Generalstabs wurden und werden im FüS und in den Führungsstäben der Teilstreitkräfte im BMVg wahrgenommen.

Die Bezeichnung G1, G2, usw. ist aber auch heutzutage noch in den Divisionsstäben der Bundeswehr zu finden. Sie identifiziert den zuständigen Generalsstab und dessen Verantwortungsbereich. G1 steht z. B. für die Generalstabsabteilung verantwortlich für Personalführung. Leiter dieser Abteilung ist meistens im Range eines Oberst i.G. oder Oberstleutnant i.G. Alle untergeordneten Dienstgrade in einer G Abteilung sind demzufolge S Offiziere, S Feldwebel, S Unteroffiziere oder S Soldaten. Der S1 DVVerbOffz wäre demnach der S1 DV-Verbindungsoffizier in der G1 Abteilung, verantwortlich für die elektronische Verwaltung der Personaldaten innerhalb der Division. In untergeordneten Batallionen und Regimentern ist der Posten des Personalleiters durch einen S1 Offizier (Stabsoffizier für Personalführung) vertreten. Ein S1-Offizier ist meistens im Range eines Oberleutnant oder Hauptmann/Stabshauptmann.

DDR

Nach 1945 war durch das Potsdamer Abkommen eine eigenständige deutsche Armee und der Generalstab verboten. Die Gründung der NVA erfolgte am 1.März 1956. Die Funktionen eines Generalstabes wurden in der NVA vom Hauptstab ausgeführt. Die Bezeichnung Generalstab wurde auf Druck der Sowjetunion nicht verwendet.

Chefs des Hauptstabes
  • Generalleutnant Vincenz Müller 1. März 1956- 1. März 1958
  • Generaloberst Heinz Hoffmann 1. März 1958- 1. Oktober 1960
  • Generalleutnant Siegfried Riedel 1. Oktober 1960- 15. März 1967
  • Generaloberst Heinz Keßler 15. März 1967- 10. Januar 1979
  • Generaloberst Fritz Streletz 10. Januar 1979- 21. Dezember 1989
  • Generalleutnant Manfred Grätz 1. Januar 1990- 15.September 1990

Generalstabsoffiziere


Für den Dienst im Generalstab wurden von Beginn an besonders qualifizierte Offiziere benötigt. Diese Generalstabsoffiziere bedurften einer über den Bereich ihrer Truppengattung (anfangs Infanterie, Kavallerie, Artillerie) hinausgehenden Ausbildung, um die Streitkräfte in ihrer Gesamtheit zu verstehen. Zur Generalstabsausbildung wurden deshalb stets die besten Offiziere eines Jahrgangs ausgewählt und sie ist grundsätzlich die Voraussetzung zur Beförderung zum General. Es gibt nur wenige Ausnahmen davon, wie z.B. die Inspizienten der jeweiligen Waffengattungen.

Die Generalstabsausbildung in Deutschland war immer langwierig und aufwändig. In der Vergangenheit bestand sie zum Teil aus mehreren Phasen an der Generalstabsakademie, wissenschaftlichen Studien und zwischenzeitlichem Dienst in der Truppe. In der Bundeswehr werden die Generalstabsoffiziere des Heeres und der Luftwaffe und die Admiralstabsoffiziere der Marine seit 1957 in einem zweijährigen Lehrgang (Nationaler Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst, LGAN) an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) in Hamburg ausgebildet. Es hat sich gezeigt, dass die neuen Aufgaben der Bundeswehr im Rahmen ihrer Auslandseinsätze in immer größerem Umfang gemeinsame Einsätze aller Teilstreitkräfte (Joint) mit sich bringen. Deshalb genügt die traditionelle Ausbildung mit teilstreitkraftbezogenen Lehrgängen und gemeinsamen (joint) Ausbildungsanteilen nicht mehr den Erfordernissen. Seit 1. Oktober 2004 werden deshalb die Offiziere von Heer, Luftwaffe und Marine in einem gemeinsamen Lehrgang ausgebildet.

Bestimmte Dienstposten werden als Generalstabsdienstposten bezeichnet. In höheren militärischen Stäben – im Heer von der Brigadeebene an aufwärts - unterstützen Generalstabsoffiziere den Truppenführer als so genannte Führergehilfen. Sie dienen außerdem in vielen anderen leitenden Positionen des BMVg, an Akademien und Schulen oder als Militärattachés. Offiziere des Heeres und der Luftwaffe, die auf Generalstabsdienstposten dienen, führen bei ihrem Dienstgrad den Zusatz "i. G." mit der Bedeutung "im Generalstabsdienst" (bis 1945 bedeutete i. G. "im Generalstab") und sind durch äußerliche Zeichen an der Uniform (karmesinroter Kragenspiegel, karmesinrote Unterlegung der Schulterklappe) kenntlich. Die meisten von ihnen - aber nicht alle - haben an der Generalstabsausbildung teilgenommen. Die Marine kennt weder Dienstgradzusätze noch Kennzeichnungen von Admiralstabsoffizieren.

Österreich & Schweiz


Im Österreichischen Bundesheer führen die Offiziere mit Generalstabsausbildung den Zusatz d.G. (des Generalstabsdienstes), bei der Schweizer Armee lautet der entsprechende Zusatz i Gst (im Generalstab).

Andere Staaten


Die USA kennen einen Chef des Vereinigten Generalstabs, Chairman of the Joint Chiefs of Staff, CJCS. Zur Zeit ist dies der USMC General Peter Pace. Darüber hinaus hat jede der vier Teilstreitkräfte einen Generalstab.

Die israelischen Streitkräfte (Tzahal) haben einen Generalstab, der vom dienstgradhöchsten Offizier geführt wird, zur Zeit ist dies Rav-Aluf Dan Halutz.

Japan hatte von 1878 bis 1945 einen unabhängigen Generalstab nach preußischem Vorbild, siehe Generalstab (Japan).

Zwischen 1908 und 1964 war der Chef des Imperialen Generalstabes der Chef des Generalstabes der britischen Landstreitkräfte. Da es nach 1904 keinen Oberbefehlshaber der britischen Armee mehr gab, war der Chef des Imperialen Generalstabes der militärische Kopf der Armee des British Empire. Nach 1964 wurde die Funktion als Chief of the General Staff bezeichnet.

Weblinks


Militär (Deutschland) | Bundeswehr | Militär (Österreich) | Bundesheer | Militär (Schweiz) | NVA | Kriegs- und Gefechtsführung

General Staff | Estado Mayor | מטכ"ל | 参謀本部 | Generale Staf | Generalstab | Estado-Maior | Генеральный штаб | Generalštab | Generalstab

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Generalstab".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld