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Gemeinsinn (vgl lat. sensus communis, engl. common sense) ist ein (metaphorisch konstruiertes) gemeinschaftliche Sinnesorgan, das viele Individuen miteinander verbindet, ihren Eigensinn überwindet und sie zu besseren gemeinsamen Erkenntnissen befähigt. Das Erkenntnisinteresse des Gemeinsinns richtet sich meistens auf den öffentlichen Bereich. Gemeinsinn ist somit vor allem das Sinnesorgan der Ethik, mit dem man seine Pflichten gegenüber der Gemeinschaft erkennt. Verwandte Begriffe sind Gewissen, gesunder Menschenverstand, Solidarität.

Genauere Forschungen zum Begriff des Gemeinsinns finden sich bei T. Wanninger (1999). In seiner Arbeit "Bildung und Gemeinsinn" wird auf die Bildbarkeit des Gemeinsinns Bezug genommen. Zudem findet sich ein historischer Überblick, der die verschiedenen Bedeutungsformen und Urteilsfelder des Gemeinsinns, des "sensus communis", beleuchtet.

Philosophisch - etwa bei ins Deutsche übertragenen Texten von René Descartes - ist der Gemeinsinn dasjenige, was im Geist die Sinneseindrücke bewusst werden lässt bzw. was sie zu einem Gesamtsinneseindruck zusammenfasst. Nach Descartes sitzt der Gemeinsinn in der Zirbeldrüse, die über die sogenannten Lebensgeister (esprits animaux) sowohl Sinneseindrücke in geistig Bewusstes übersetzen als auch zum Beispiel Willensäußerungen als Akte des Geistes in Muskelbewegung umsetzen kann. Diese Einschätzung Descartes muss jedoch als unvollständig bezeichnet werden. Er geht hier, noch ganz der Scholastik verbunden, von einem Sinn aus, der Sinneseindrücke zu einem Ganzen bündelt.

So hat schon Aristoteles KOINE DYNAMIS gekennzeichnet. Dem "sensus communis" geht es aber nicht zuerst um Bündelung, sondern um Beurteilung im Bereich von Gerechtigkeit und Schicklichkeit. Er ist somit eine allgemeine Urteilskraft, die auch der Bildung zugänglich ist und nicht etwa ein Instinkt, den man hat oder nicht (vgl. englische Schule, Thomas Reid u.a.). Immanuel Kant muss als der Theoretiker des Gemeinsinns ím eben beschriebenen umfassenden Sinne gelten. (Kant: Kritik der Urteilskraft §40). (T. Wanninger, 1999 S. 70ff).

Praktiziert wird Gemeinsinn unter anderem in der Beteiligung an gemeinnützigen Aktionen wie Nachbarschaftsinitiativen oder der Mitarbeit in gemeinnützigen Vereinen, die sich sozialen und pädagogischen Zwecken widmen (Ehrenamt). Auf individueller Ebene orientiert sich Gemeinsinn häufig an Leitsprüchen (wie "Jeden Tag eine gute Tat") oder an Gemeinsinns-Initiativen wie Du bist Deutschland oder der aus Großbritannien stammenden Initiative We are what we do, die aktuell durch ihr Buch "Change the world for a fiver" (Deutsche Ausgabe:"Einfach die Welt verändern" in den Medien präsent ist.

Wertvorstellung

 

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