Unter dem Begriff Joint Venture * (deutsch Gemeinschaftsunternehmen) versteht man Kooperationen von Gesellschaften, bei denen es zur Gründung einer neuen, rechtlich selbstständigen Geschäftseinheit kommt, an der beide Gründungsgesellschaften mit ihrem Kapital beteiligt sind. Neben dem Kapital bringen die Gründungsgesellschaften meist einen wesentlichen Ressourcenanteil an Technologie, Schutzrechten, technischem bzw. Marketing-Know-how und/oder Betriebsanlagen ein. Ein Joint Venture ist durch zwei Aspekte gekennzeichnet, nämlich Kooperation und Autonomie.
Gründungsmotive
Bei den Motiven für die Gründung von Joint Ventures wird zwischen internen, wettbewerbsbezogenen und strategischen Zielsetzungen unterschieden.
Motive aus interner Sicht
Dies sind:
- die Streuung der Risiken und Kosten
- die Sicherung von vorhandenen Ressourcen,
- die Nutzung von Skalenerträgen,
- der Zugang zu neuen Technologien und Märkten und
- die Förderung von Mitarbeitern durch die Übernahme von Verantwortung in einem Joint Venture (anderen wird Verantwortung entzogen)
- und die Förderung von anderen kleineren Firmen
Motive aus wettbewerbsbezogener Sicht
Aus wettbewerbsbezogener Sicht sind Joint Ventures vor allem deshalb wichtig, weil man
Branchenentwicklungen steuern kann und vor allem Geschwindigkeitsvorteile gegenüber Konkurrenten erzielen kann. Außerdem kann auf die zunehmende
Globalisierung schneller reagiert werden.
Strategische Ziele
Als strategische Ziele werden die Schaffung und Nutzung von
Synergien, der Technologietransfer und die erweiterte Möglichkeit der
Diversifikation gesehen. Ein weiteres Motiv ein Joint Venture zu gründen, kann die rechtliche Lage in einem Land sein. Einige Länder wie die
Volksrepublik China erlauben die Gründung von reinen (100%igen)
Tochtergesellschaften ausländischer Firmen in bestimmten Branchen gar nicht, in anderen nur unter der Auflage behördlicher Genehmigungen. Hier sind Joint-Ventures mit einheimischen Firmen oft die einzige Möglichkeit für ausländische Firmen auf dem jeweiligen
Markt Fuß zu fassen.
Stärken von Joint Ventures
Kooperation und
Autonomie sind auch die wesentlichen Stärken von Joint Ventures. Kooperation entsteht dadurch, dass zwei oder mehrere Unternehmen ein Joint Venture gründen und führen, während diese Einheit rechtlich und organisatorisch klar losgelöst von den jeweiligen Partnerunternehmen handelt und zu behandeln ist, sprich autonom ist. Ein Beispiel ist die Kooperation von
Fujitsu und
Siemens AG, die ihre Computersparten zusammengelegt haben.
Gefahrenpotential von Joint Ventures
Die Gründung von Joint Ventures birgt natürlich auch Gefahren in sich. Dies kann man leicht erkennen, wenn man das Joint Venture-System genauer betrachtet: Im Joint Venture-System unterscheidet man Ebenen. Auf der ersten Ebene befinden sich die Partner und auf der zweiten Ebene befindet sich die Einheit selbst. Konflikte können sich auf der Partnerebene dann ergeben, wenn man zum Beispiel die Zielsetzung nicht klar definiert oder die Joint Venture Einheit eine unterschiedliche Position und Wichtigkeit in der
Wertschöpfungskette der einzelnen Partner hat. Aber auch in der Beziehung der Joint Venture-Einheit zu den Gründungsgesellschaften kann es zu Problemen kommen, denn aus der
Autonomie der Joint Venture-Einheit erwächst eine hohe Anforderung an Kontroll- und Integrationsmechanismen. Eine wesentliche Gefahr von Joint Ventures liegt darin, dass Firmeninterna indirekt über die gemeinsame Tochter auch dem Joint Venture-Partner offen liegen, der auf anderen Märkten oder in der Zukunft ein potentieller Konkurrent ist.
Joint Venture ≠ Joint-Venture-System
Um Irrtümer zu vermeiden und Joint Ventures verstehen zu können, ist es meist notwendig, den Blick nicht nur auf die neu gegründete Gesellschaft zu richten, sondern auch das dahinterstehende Beziehungsgeflecht zu beleuchten. Daher unterscheidet man zwischen den Begriffen
„Joint Venture“, das die neue Einheit bezeichnet, und dem Begriff
„Joint-Venture-System“, welches das gesamte Umfeld der Joint-Venture-Einheit und der Gründungsunternehmen meint.
Literatur
- Schaumburg, Harald: Internationale Joint Ventures: Management, Besteuerung, Vertragsgestaltung, 1999
- Harrigan, Kathryn Rudie: Managing for Joint Venture Success, 1986 ISBN 0-669-11617-3
- G. J. B. Probst/ CC Rüling: Joint Ventures und Joint Venture-Management, 2001
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