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Als Geleitträger wird eine Klasse kleiner Hilfs-Flugzeugträger bezeichnet, die vornehmlich während des Zweiten Weltkrieges im Einsatz waren. Die weitaus größte Zahl an Geleitträgern bauten die USA und Großbritannien, gefolgt von Japan. In der US-Marine wurden sie zunächst mit der Klassifizierung AVG bzw. ACV (“auxiliary carriers“)‚ später mit CVE (“escort carrier“) versehen. Im Marinejargon wurden sie auch „baby flat-tops“ genannt. USS Barnes (CVE-20).jpg, März 1943, Bogue-Klasse]]

Entwicklung der Geleitträger


Insbesondere durch die kritische Lage während der frühen Phase der Atlantikschlacht suchte die Royal Navy nach Möglichkeiten, im Rahmen der Konvoisicherung die eigene Aufklärung und U-Boot-Abwehr zu verbessern sowie die feindliche Luftaufklärung effektiv bekämpfen zu können. Da große Flottenträger für den Konvoidienst zu wertvoll waren, wurde auf das Konzept des Umbaus von Handelsschiffen zu kostengünstigeren Hilfsflugzeugträgern zurückgegriffen. Dies war kein völlig neuer Weg: schon der erste japanische Flugzeugträger „Hosho“ (fertiggestellt 1922) wurde ursprünglich als Tanker auf Kiel gelegt, aber schon während des Baus zum leichten Träger umkonstruiert.

Geleitträger im Zweiten Weltkrieg


Erste Umbauten

HMS Audacity.jpg Der erste Geleitträger der Welt war die HMS Audacity, die aus dem erbeuteten deutschen Frachter MS Hannover umgebaut und im Juni 1941 fertiggestellt wurde. Das Schiff erhielt eine leichte Flak-Bewaffnung und sechs Martlet-Jagdflugzeuge.

Etwa gleichzeitig wurden in den USA zwei Handelsschiffe zu Geleitträgern umgebaut. Das erste wurde als USS Long Island im Juni 1941 in den Dienst der US-Marine gestellt; das Schwesterschiff im Rahmen des Lend-Lease-Acts Grossbritannien überlassen, wo es ab November 1941 als HMS Archer Dienst tat. Diese Schiffe waren deutlich leistungsfähiger als Audacity: Bei einer höheren Geschwindigkeit von 17,5 kn besaßen sie eine stärkere Fla-Waffe und konnten 16 Flugzeuge mitführen.

Unmittelbar darauf folgten vier weitere Einheiten, die aus im Bau befindlichen Handelsschiffen umkonstruiert worden sind. Diese vier Geleitträger wurden als Avenger-Klasse ebenfalls an die Royal Navy geliefert, einer jedoch an die USA zurückgegeben und dort als Trainingsschiff verwendet (USS Charger). Diese Schiffe waren der Long Island sehr ähnlich, da sie auf demselben Handelsschiffrumpf basierten.

USS Long Island 1943.jpg als Flugzeugtransporter 1943]] Zu Kriegsbeginn im Pazifik leitete die US-Marine, um den zeitweisen Mangel an großen Trägern einigermaßen abschwächen zu können, den Umbau von vier Flottentankern der USS Sangamon-Klasse zu Geleitträgern ein. Diese Schiffe konnten aufgrund ihrer Größe mehr Flugzeuge aufnehmen (die diesbezüglichen Angaben reichen bis hin zu 36 Maschinen).

Die Kaiserliche Japanische Marine begann 1941 mit dem Umbau dreier Passagierdampfer zu Geleitträgern. Diese Taiyo-Klasse fiel größer und (mit 21 kn) schneller aus als ihre angelsächsischen Pendants und konnte 27 Flugzeuge aufnehmen. Weitere Einzelprojekte ähnlicher Größe folgten, darunter der Umbau des deutschen Passagier-Liners Scharnhorst zum Träger Shinyo. Die japanische Armee befasste sich in den späten Kriegsjahren mit dem Umbau von Transportschiffen zu einfachsten Geleitträgern, aber keines dieser Schiffe kam in den aktiven Dienst.

In den Jahren 1942 und 1943 stellte auch die deutsche Kriegsmarine Überlegungen zum Umbau von zwei Fahrgastschiffen zu Geleitträgern an. Dieses Vorhaben ist jedoch schon in den Anfängen steckengeblieben und wurde aufgrund des Kriegsverlaufes nicht mehr ernsthaft weiterverfolgt.

Geleitträger im Serienbau

Den weitaus größten Teil des nunmehr anlaufenden Bauprogramms übernahmen US-Werften. Anfang 1942 wurde eine Serie von 21 Geleitträgern begonnen, ebenfalls auf der Basis bereits in Bau befindlicher Handelsschiffe. Da diese allerdings noch nicht allzu weit fortgeschritten waren, konnten noch einige Verbesserungen gegenüber der „Long Island“-Klasse berücksichtigt werden. 11 von diesen Schiffen gingen als „HMS Attacker“-Klasse nach Großbritannien, die restlichen als „Bogue“-Klasse in den Dienst der US-Marine. Die Geschwindigkeit und die Zahl der Flugzeuge konnte noch einmal gesteigert werden (auf 24 bzw. 20 bei den britischen Einheiten). Diesen Schiffen folgte eine zweite Serie verbesserter „Bogue“-Einheiten, die im Unterschied zu ihren Vorläufern von der Kiellegung an als Geleitträger konzipiert, im Endeffekt aber nahezu identisch waren. Von den bis Anfang 1944 fertiggestellten 24 Einheiten dieser Serie gingen alle bis auf ein Schiff an die Royal Navy, wo sie als „HMS Ameer“-Klasse Dienst taten.

In Großbritannien entstanden bis 1943 noch fünf eigene Umbauten von zivilen Schiffen zu Flugzeugträgern, deren Leistungsfähigkeit etwa der der „Bogue“-Klasse entsprach. In den USA setzte man dagegen zum „großen Wurf“ an: Der Großindustrielle und Werfteigner Henry J. Kaiser versprach der US-Regierung Lieferung von nicht weniger als 50 Geleitträgern innerhalb eines Jahres. Die ungewöhnlich kurze Bauzeit der Schiffe – bei einigen Einheiten von der Kiellegung bis zur Indienststellung nur etwas mehr als drei Monate – erreichte er durch konsequente Anwendung von Massenproduktionsmethoden, ähnlich wie bei den serienmäßig gebauten Liberty-Frachtern. Das erste Schiff dieser Serie, die USS Casablanca (CVE-55), wurde am 8. Juli 1943 in Dienst gestellt; das 50. und letzte USS Munda (CVE-104) auf den Tag genau ein Jahr später. Der Casablanca-Klasse folgten die 23 Schiffe der Commencement Bay-Klasse, die ab November 1944 in Dienst kamen. Das 19. Schiff dieser Klasse war die USS Tinian (CVE-123), die als letzter Geleitträger 1946 von der Navy übernommen wurde. Der Bau der restlichen vier Einheiten wurde nach der japanischen Kapitulation Mitte August 1945 gestoppt und die Rümpfe abgebrochen. Eine weitere Serie von 12 verbesserten Schiffen wurde gleichzeitig storniert.

Durchschnittliche technische Daten

Obgleich es signifikante Unterschiede zwischen einzelnen Klassen gab, lassen sich für den weitaus größten Teil der Träger, insbesondere die serienmäßig gebauten, allgemeine Durchschnittswerte angeben:

  • Länge: etwa 150 m
  • Breite: etwa 20 m
  • Verdrängung: 7.000 t bis 10.000 t
  • Flugzeuge: 15 bis 30
  • Geschwindigkeit: 18 bis 19 kn
  • Besatzung: 800 bis 900

Einsatz der Geleitträger

Die Einsatzmöglichkeiten dieser Schiffe waren äußerst vielfältig und hingen von der jeweiligen Marine und der Region ab. Die britische Marine setzte ihre Geleitträger hauptsächlich im Konvoidienst ein. Dort sollten sie mit Jagdflugzeugen für Luftdeckung sorgen und feindliche Aufklärer oder Bomber bekämpfen, was besonders bei den Eismeerkonvois für die UdSSR eine wichtige Rolle spielte. Eine bedeutende Rolle spielten sie bei der U-Boot-Bekämpfung: Aufklärende Flugzeuge der Geleitträger konnten einzelne U-Boote oder auch ganze U-Boot-Rudel frühzeitig melden, um dem Konvoi ein Ausweichen zu ermöglichen, oder die Boote effektiv abdrängen oder bekämpfen. So gelang der „USS Guadalcanal“ im Juni 1944 die Inbesitznahme des deutschen U-Bootes "U-505". Die immer zahlreicher auftretenden Geleitträger spielten eine zentrale Rolle für den Sieg der Alliierten in der Atlantikschlacht. Im Pazifik nahmen die wenigen japanischen Geleitträger keine operative Rolle wahr; sie wurden ausschließlich zur Pilotenausbildung und zum Flugzeugtransport eingesetzt. Die US-Träger wurden hingegen für alle möglichen Aufgaben eingesetzt: zur Luftdeckung von Konvois, Transport von Flugzeugen zu entfernten Basen, U-Boot-Abwehr, Luftunterstützung bei Landungsoperationen usw. Die ersten US-Flugzeuge, die während des Kampfes um die Salomonen-Insel Guadalcanal auf dem berühmt gewordenen Henderson Airfield landeten, stammten vom Geleitträger „Long Island“. Eine geradezu legendäre Rolle spielte der Schiffstyp in der See- und Luftschlacht im Golf von Leyte, als 18 „baby flat-tops“ über zwei Stunden lang den Angriff des Gros der japanischen Schlachtflotte abwehren konnten und dabei nur ein Schiff durch japanisches Geschützfeuer verloren.

Schicksal der Geleitträger


Verluste im Krieg

Japanese plane shot down.jpg]] Der erste Geleitträger, die HMS Audacity, hatte wenig Glück und fiel ein halbes Jahr nach Indienststellung dem Torpedoangriff eines deutschen U-Bootes zum Opfer. Die britische Admiralität erließ daraufhin geänderte Richtlinien für den Einsatz der Träger beim Konvoidienst. Danach verlor die britische Marine nur noch die HMS Avenger, ebenfalls durch U-Boot-Angriff, während der „Operation Torch“ 1942; sowie die HMS Dasher, die 1943 durch einen Unfall verloren ging (Explosion von Flugzeugbenzin). Die USA verloren im Krieg fünf Geleitträger durch Kampfhandlungen: zwei sanken vor dem Golf von Leyte, einer wurde durch U-Boot-Angriff versenkt und zwei weitere durch Kamikaze-Angriffe zu Beginn 1945. Sämtliche japanischen Einheiten fielen U-Boot- oder Luftangriffen zum Opfer. USS Badoeng Strait 1954.jpg

Nachkriegszeit

Die im Rahmen des Lend-Lease-Acts an Großbritannien gelieferten Schiffe wurden 1946 an die USA zurückgegeben, wo sie in den meisten Fällen in die Privatwirtschaft verkauft und als Handelsschiffe weiterverwendet wurden. Ähnlich erging es den britischen Schiffen, die als Handelsschiffe noch bis zu 25 Jahre lang genutzt wurden. Die meisten amerikanischen Geleitträger wurden zum Teil gleich nach Kriegsende aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen und abgewrackt, zum anderen Teil noch einige Jahre in der Reserve behalten, bevor sie um 1960 ebenfalls auf Abbruch verkauft wurden (die Abbrucharbeiten wurden dabei sehr häufig von japanischen Firmen übernommen). Einige Einheiten der Casablanca-Klasse und Commencement Bay-Klasse wurden als Transportschiffe, Hubschrauberträger oder nach Umbau als Nachrichtenverbindungsschiffe von der US-Marine weiter genutzt und kamen noch in diesen Rollen im Korea-Krieg zum Einsatz. Einzelne Schiffe erlebten aktiv den Vietnam-Krieg. Sie wurden erst in den 70er Jahren außer Dienst gestellt und abgewrackt. Heute existiert kein Geleitträger mehr.

Weblinks


Militärschiffstyp | Flugzeugträger

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