Das Johanneum, genauer die Gelehrtenschule des Johanneums, wurde 1529 von Johannes Bugenhagen gegründet und ist das älteste Hamburger Gymnasium.
Geschichte
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Das Johanneum wurde von
Johannes Bugenhagen, dem geistlichen Gesandten des Reformators
Martin Luther, gegründet. 1528 kam er nach Hamburg, um der „Erbarn Stadt Hamborch Christlike Ordeninge“ zu geben. Am 24. Mai 1529 öffnete das Johanneum zunächst im Gebäude des
säkularisierten alten St. Johannis-Klosters, woher es seinen Namen hat, auf dem Gelände des heutigen
Rathausmarktes als „Latinsche Schole“ seine Pforten. Anfangs war das Johanneum eine
Gelehrtenschule. Später widmete es sich in einem zweiten Zweig, der
Bürgerschule, auch der Ausbildung von Söhnen der Kaufleute und Gewerbetreibenden.
Von 1838 bis 1840 entstand dann der Neubau der Schule auf dem Gelände des heutigen Domplatzes, wo einst die Keimzelle Hamburgs lag, die so genannte Hammaburg. Der imposante klassizistische Bau nach Entwürfen von Carl Ludwig Wimmel (* 1786 - † 1845) und Franz Gustav Forsmann (* 1795 - † 1878), von Süden her durch den Haupteingang zu betreten, verfügte über zwei Flügelbauten, die zur heutigen Domstraße hin durch Arkaden miteinander verbunden waren. Dem Bau lagen konkurrierende Entwürfe von Alexis de Chateauneuf (* 1799 - † 1853) und Carl Ludwig Wimmel zugrunde. Der Auftrag erging bereits 1826, wurde aber wegen Geldmangels viele Jahre nicht umgesetzt.
Das Johanneum wurde bald zur bevorzugten Schule der Hamburger Patrizierfamilien, der Sievekings, Amsincks, Goberts. Erstaunlicherweise überstand das Johanneum den Großen Brand von 1842, der zahlreiche Gebäude ringsum in den Flammen versinken ließ. Was der Brand nicht vermochte, schafften fast genau 100 Jahre später die Bomber der Royal Air Force: 1943 wurde der Bau auf dem Domplatz zerstört.[Text der ersten beiden Absätze von Insa Gall für die Zeitung Welt vom Freitag, 8. Juli 2005 http://www.johanneum-hamburg.de/news.php?nid=196]
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1914 zog das Johanneum in den heutigen, von Fritz Schumacher entworfenen Gebäudekomplex in der Maria-Louisen-Straße, der den Luftkrieg überstand.
Bild:Hh-johanneum-tor.jpg|Eingangstor
Bild:Hh-bugenhagen.jpg|Denkmal Johannes Bugenhagen
Bild:Hh-johanneum-hof.jpg|Innenhof
Im Johanneum wurde das Patriziat der Stadtrepublik Hamburg humanistisch erzogen, bedeutende Gelehrte und Autoren der Frühaufklärung wirkten hier (Hermann Samuel Reimarus, Barthold Heinrich Brockes, Michael Richey, Johann Albert Fabricius und andere), Georg Philipp Telemann und Philipp Emanuel Bach waren hier Kantoren, und dies stiftete eine anhaltende Tradition und Reputation.
1948, drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, besuchte eine Schülergruppe des Johanneums London. Frederick Wilkinson, der Schulleiter der Latymer Upper School, war der Überzeugung, dass nur gegenseitiges Kennenlernen junger Menschen Verständigung, Versöhnung und damit einen dauerhaften Frieden in Europa herbeiführen könne. In diesem Geiste initiierte er den Schüleraustausch, der seitdem jedes Jahr stattfindet. Später kam Godolphin and Latymer School dazu. Es gibt auch einen Orchesteraustausch mit den beiden Londoner Partnerschulen. Seit 1982 besteht außerdem ein Hockey-Austausch mit dem Magdalen College in Oxford.
1989 hat das Johanneum als eine der ersten Schulen in Hamburg einen Schulaustausch mit Polen aufgebaut.
Stets wohl dotiert, beherbergt es heute noch eine bedeutende historische Bibliothek (siehe unten), die der Forschung auch zugänglich ist. In anfeuernder Konkurrenz mit dem erst 250-jährigen Christianeum Hamburg, das 1937 mit Altona zu Hamburg kam, hielt es hohe Maßstäbe aufrecht, und nach wie vor kann man hier sein Abitur in den alten Sprachen Latein oder Altgriechisch ablegen.
Das Johanneum bekommt durch die Millionenspende eines Mäzens einen großen Neubau. Es wird sich um ein dreigeschossiges Gebäude mit einer Gesamtfläche von 2.200 Quadratmetern handeln, das Kunst- und Musikräume, eine Cafeteria, einen Theater-Probenraum und eine Sporthalle enthalten wird. Voraussichtlich Ende 2005 sollen die Bauarbeiten beginnen und 2006 abgeschlossen sein. [Hamburger Abendblatt vom 22. November 2004 http://johanneum-hamburg.de/news.php?nid=141]
Bibliothek
Die Hauptbibliothek der Schule umfasst mehr als 55.000 Bände. Das älteste Buch ist eine lateinische
Bibel aus dem Jahre 1491. Die Bibliothek gliedert sich in drei Bereiche:
- Eine wissenschaftliche Bibliothek. Die Basis wurde durch Stiftungen und Schenkungen namhafter Hamburger Privatgelehrter mit einer Fülle von erstklassigen Ausgaben und Kommentaren griechischer und lateinischer Autoren gelegt. Manche Autoren sind von den Wiegendrucken des Humanismus bis in die Gegenwart in lückenloser Reihe vertreten.
Forum Johanneum
In Anlehnung an die
Foren im
Römischen Reich ist
Forum Johanneum der Name einer kontinuierlichen Vortragsreihe am Johanneum, in deren Rahmen auch viele bekannte Personen als Redner aufgetreten sind, unter anderem:
Bekannte ehemalige Lehrer
Bekannte ehemalige Schüler
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| - Friedrich Ahlers-Hestermann
- Wilhelm Amsinck, Hamburger Kaufmann, Senator und Bürgermeister
- Eduard Arning, Lepraforscher
- Amon Barth, Schriftsteller
- Heinrich Barth, Afrikaforscher
- Johann Bernhard Basedow, Pädagoge und Gründer des Philanthropinums in Dessau
- "Büdi" Christian Blunck, Hockey-Olympiasieger & -Europameister
- Peter van Bohlen, Orientalist
- Justus Brinckmann, Gründer des Museums für Kunst und Gewerbe
- Barthold Heinrich Brockes, Dichter
- Johannes Classen, Althistoriker, später Direktor
- Hans Diller, Altertumsforscher/Archäologe (?)
- Hans Driesch, Philosoph
- Geoffrey G. Eichholz, Physiker
- Georg Fabricius, Schriftsteller
- Barthold Feind, Schriftsteller und Opernlibrettist
- Gottfried Forck, evangelischer Bischof
- Ralph Giordano, Schriftsteller
- Martin Haller, Architekt
- Gerdt Hardorff, Maler
- Johannes Hasebroeck, Altertumsforscher/Archäologe (?)
- Paul Hauenschildt, nach dem das HSV-Sportzentrum benannt ist
- Friedrich Hebbel, Dichter
- Gerrit Heesemann, Sänger (Lotto King Karl)
- Heinrich Hertz, weltberühmter Physiker
- Gustav Ludwig Hertz, Physiker und Nobelpreisträger
- Gerhard Herzberg (1904-1999), Chemiker und Physiker
- Johann Michael Hudtwalcker, Kaufmann
- Hans Jauch, Oberst und Freikorpsführer
- Walter Jens, Schriftsteller
- Harry Graf Kessler, Schriftsteller
- Volker Lechtenbrink, Sänger & Schauspieler
- Eduard Lohse, einstiger EKD-Präsident, Landesbischof und Theologe
- Eduard Meyer, Universalhistoriker
- Kuno Meyer, Keltologe
- Johann Georg Mönckeberg, Hamburger Bürgermeister
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- Max Nonne, Neurologe
- Hans Erich Nossack, Schriftsteller
- Adolf Overweg, Afrikaforscher
- Enrique Paschen, Entdecker der Blatternerreger
- Wolfgang Petersen, Filmregisseur
- Robert Pohl, Physiker
- Wolfgang Ratich, Pädagoge
- Hermann Samuel Reimarus, Schriftsteller
- Johann Rist, Dichter und Schriftsteller
- Erwin Rohde, Altphilologe
- Heinz Roosen-Runge, Kunsthistoriker
- Albrecht Roscher, Afrikaforscher
- Philipp Otto Runge, Maler der Romantik
- Hjalmar Schacht, ehemaliger Reichsbankpräsident
- Friedemann Schulz von Thun, Psychologe
- Gottfried Semper, Architekt
- Heinrich Sengelmann, Gründer der Alsterdorfer Anstalten
- Kurt Sieveking, Hamburger Bürgermeister und Bundesratspräsident
- Wilhelm Sievers, Geograph
- Georg Michael Telemann, Kirchenmusiker und Komponist
- Paul Gerson Unna, Dermatologe
- Werner von Melle, Begründer der Hamburger Universität
- Aby Warburg, Kunsthistoriker
- Friedrich Wasmann
- Wilhelm Heinrich Westphal, Physiker
- Johann Hinrich Wichern, Gründer: der „Inneren Mission“; des Rauhen Hauses; und seiner Schule
- Adolph Woermann, Kaufmann und Reeder
- Carl Woermann, Kunsthistoriker
- Wolfgang Zeidler, ehemaliger Präsident des Bundesgerichtshofes
- Axel Zwingenberger, Jazzpianist
Weblinks
Quellen
Gymnasium | Kulturdenkmal (Hamburg) | Hamburger Geschichte | Schule (Hamburg)
Johanneum