Die
Stadt Geldern liegt am unteren
Niederrhein im Nordwesten des Bundeslandes
Nordrhein-Westfalen und ist eine
Mittlere kreisangehörige Stadt des
Kreises Kleve im
Regierungsbezirk Düsseldorf.
Geografie
Räumliche Lage
Die Stadt Geldern liegt linksrheinisch im niederrheinischen Tiefland. Geldern liegt im Durchschnitt 27 m über NN. Es wird durchflossen von der
Niers, einem Zufluss der
Maas. Die
Gelderner Fleuth mündet in Geldern in die Niers.
Stadtgebiet
Räumlich ist das Stadtgebiet in folgende acht
Stadtteile gegliedert
Nachbargemeinden/-städte
Die Stadt Geldern grenzt im Norden an die Stadt
Kevelaer und die Gemeinde
Sonsbeck (
Kreis Wesel), im Osten an die Gemeinde
Issum, im Süden an die Gemeinde
Kerken und die Stadt
Straelen sowie im Westen an die Gemeinden
Arcen en Velden und
Bergen (beide Provinz
Limburg,
NL).
Wappen
Das erste Wappen der Stadt Geldern war ein Schild mit drei Mispeln, die sich eventuell auf die Geschehnisse beziehen, die in der Drachentötersage erzählt werden. Schon im Mittelalter wird dann der auch auf dem heutigen Wappen erkennbare Geldrische Löwe verwendet: In Blau ein schreitender goldener Löwe, unten begleitet von drei silbernen Rosen.
Geschichte
Drachensage
Es wird erzählt, dass um
878 die Herren Wichard und Lupold von
Pont gegen einen feuerspeienden
Drachen kämpften. Sie fanden ihn unter einem
Mispelbaum und einer der beiden durchbohrte den Drachen mit seinem Speer. Während der Drachen verendete röchelte er noch zwei- oder dreimal
Gelre! Gelre!. Die Stadt Geldern wurde daraufhin von Herren von Pont als Erinnerung an diese Heldentat am Zusammenfluss von Fleuth und Niers gegründet.
Geldrische Geschichte
Eine erste urkundliche Erwähnung der Stadt Geldern datiert aus dem Jahre
812. Der Name der Stadt tritt in verschiedenen Varianten auf:
Gelre, Gielra, Gellero, Gelera und ähnliche.
Mittelalter
Ein Gerhard Flamens, der um
1020 von Kaiser
Heinrich II. Wassenberg verliehen bekam, war wohl Stammvater der Grafen von Geldern. Ab etwa 1096 nannte er sich auch Graf Gerhard von Geldern (der Grafentitel stammte von anderen Besitztümern, wahrscheinlich im
Teisterbant, ab), ab 1125 setzte sich die Bezeichnung
von Geldern endgültig durch. Wassenberg ging bereits Anfang des 1107 als Heiratsgut seiner Tochter an die Herzöge von
Limburg, später dann an
Jülich. Spätestens mit dem Verzicht auf Wassenberg (vor 1120) verlagerten die Grafen dann ihr Herrschaftszentrum nach der Burg Geldern, die wohl um diese Zeit an einem Niersübergang errichtet wurde. Die Burg mit zugehöriger mittelalterlicher Siedlung war Ausgangspunkt für die heutige Stadt und auch Namensgeberin für die später entstehende
Grafschaft und das
Herzogtum Geldern.
Die Ansiedlung wurde im 13. Jahrhundert zur Festung mit Wällen, Gräben und Mauern ausgebaut. Die Wälle waren nach den vier Himmelsrichtungen benannt und hatten drei Tore, deren Bezeichnungen noch heute verwendet werden. 1229 erhielt Geldern die Stadtrechte. Bis 1343 war Geldern der Sitz der Grafen und Herzöge von Geldern, bis 1347 die Hauptstadt des Oberquartiers.
Erwähnenswert ist 1306 (evtl. 1315) die Gründung eines Karmeliterklosters in Geldern, eines von mehreren später in der Stadt vorhandenen Klostern. 1400 bis 1418 wurde die spätgotische Pfarrkirche Maria Magdalena erbaut.
Die Stadt Geldern lag in seiner Geschichte oft im Spannungsfeld territorialer Streitigkeiten. Sie unterstand 1543 bis 1578 spanischer Herrschaft, unterbrochen durch eine Besatzung durch die Niederländer von 1578 bis 1587. Durch einen Verrat ging Geldern 1587 wieder an Spanien, dessen Herrschaft bis in das Jahr 1703 andauerte. In diese Zeit, genauer von 1662 bis 1664 fiel auch der Neubau der Hauptburg von Schloss Haag, einem Anwesen, welches als Hof Haag schon 1337 in Urkunden Erwähnung fand, und von dem seit dem Zweiten Weltkrieg nur die äußere Burg noch steht.
Renaissance
Von
1701 bis
1713/
14 fand der
Spanische Erbfolgekrieg statt. In dessen Verlauf geriet die Stadt im Februar 1703 unter Belagerung der Preußen, die jedoch erst am 21. Dezember des Jahres in die Stadt einziehen konnten. Nach dem Ende des Erfolgekriegs wurde im
Frieden von Utrecht 1713 das bis dahin bei Spanien verbliebene geldrische Oberquartier an vier Mächte (Österreich, die Generalstaaten, Preußen und das Herzogtum Jülich) verteilt. Geldern fiel dabei mit dem größten Teil des ehemaligen Oberquartiers den
Preußen zu und wurde Verwaltungssitz des neu gebildeten
Herzogtums Geldern preußischen Anteils (
Preußisch Geldern). Im August
1740 besuchte
König Friedrich II. von Preußen Geldern.
1764 ließ er die Festungsanlagen der Stadt schleifen.
Neuzeit
1794 bis
1814 war Geldern durch die
Franzosen besetzt. Diese setzten sich über die gewachsenen Strukturen weitgehend hinweg und schufen neue und modernere räumliche Ordnungen für eine straffere Verwaltung. Der Kanton Geldern lag im Arrondissement Kleve und gehörte in dieser Zeit zum Departement de la Roer (
Roerdepartement).
1802 mit der Säkularisation kommt es zur Aufhebung des 1306 gegründeten Karmeliterklosters.
Im Zuge der Preußischen Verwaltungsorganisation wurde der Kreis Geldern am 23. April 1816 als einer von über 40 Landkreisen der Provinz Jülich-Kleve-Berg, der späteren Rheinprovinz neugebildet.
1863 wird die Eisenbahnstrecke Köln - Krefeld - Geldern - Kleve (Linksniederrheinische Strecke) eröffnet und 1902 die Geldernsche Kreisbahn, die aber bereits am 1. April 1932 wieder eingestellt wird.
Im Zweiten Weltkrieg kommt es durch Bombardierungen Ende 1944 und am 14. Februar 1945 zu starken Zerstörungen des Stadtkerns. Nur wenige Häuser bleiben erhalten, ca. 82 % sind zerstört. Unter anderem wird auch die Pfarrkirche in der Stadtmitte schwer geschädigt. Auch das Haupthaus des Schloss Haag wird völlig zerstört.
1952 wird die Pfarrkirche Maria Magdalena wiederaufgebaut. 2003/2004 wird sie vollständig renoviert und und der Innenraum neu gestaltet.
Religionen
Die
Bevölkerung der Stadt Geldern ist größtenteils
katholisch. Mehrere katholische
Kirchen sind vorhanden, geschichtlich bedeutend ist die Pfarrkirche Maria-Magdalena am
Marktplatz. Es existieren zwei
evangelische Kirchen: Eine in der Nähe des Marktplatzes, die Heilig-Geist-Kirche sowie eine im Ortsteil
Walbeck.
Bis zum 2. Weltkrieg existierte eine jüdische Gemeinde in Geldern. Die 1875 erbaute Synagoge wurde im Novemberpogrom 1938 in Brand gesetzt.
Gebietsreform
Die Stadt Geldern entstand in der heutigen Form am
1. Juli 1969 beim
1. kommunalen Neugliederungsprogramm in
Nordrhein-Westfalen. Die Gemeinden Kapellen und Vernum sowie die Gemeinden Pont, Veert und Walbeck des
Amtes Walbeck wurden mit der Stadt Geldern zusammengeschlossen.
Am 1. Januar 1975 wurde im Zuge des 2. Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen der Altkreis Kleve mit dem ehemaligen Kreis Geldern und Teilgebieten der Kreise Moers und Rees zum neuen niederrheinischen Großkreis Kleve zusammengefügt.
Einwohnerentwicklung
Städtepartnerschaften
Es gibt eine
Städtepartnerschaft mit
Fürstenberg/Havel im
Land Brandenburg und mit der
belgischen Stadt
Bree
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke
Die
Fossa Eugeniana ist in Geldern und Umgebung touristisch durch einen ca. 60 km langen Radwanderweg erschlossen. Dieser verläuft grenzübergreifend von
Rheinberg am
Rhein bis in die Niederlande an die
Maas. Das Gelände um das ehemalige Schloss Haag kann erwandert werden, insbesondere ist die ehemalige innere Vorburg (entstanden in den
1680er Jahren) erhalten geblieben (beherbergt heute unter anderem einen
Golfclub). Des Weiteren ist ein Mühlenturm zu besichtigen und das Refektorium (Speisesaal) des ehemaligen Augustinerinnenklosters aus dem
16. Jahrhundert. In der näheren Umgebung findet man noch einige
Windmühlen.
Regelmäßige Veranstaltungen
In Geldern findet jedes Jahr im Sommer (letztes Wochenende der Schulsommerferien) ein Straßenmalerwettbewerb statt, zu dem internationale Künstler anreisen. Weiterhin gibt es jährlich die größte Pfingstkirmes am Niederrhein und eine Straßenparty im Sommer.
Jedes Jahr wird ein Nikolausmarkt veranstaltet.
Nicht zu vergessen sollten alle Veranstaltungen des "Gelderner Sommers" sein.
Verkehr
Flugverkehr
Die nächstgelegenen Flughäfen sind der
Flughafen Niederrhein und der
Flughafen Düsseldorf International.
Schienen- und Busverkehr
Der
Bahnhof Geldern liegt an der
Linksniederrheinischen Strecke (
DB-Kursbuchstrecke 495), auf der täglich alle 60 Minuten und zusätzlich stündlich von montags bis freitags im
Schienenpersonennahverkehr der „Niers-Express“
(RE 10) von Kleve über
Krefeld nach
Düsseldorf verkehrt.
Durchgeführt wird der Schienenpersonennahverkehr von der DB Regio NRW, die Dieseltriebwagen „Talent“ der Firma Bombardier Transportation (DB-Baureihe 643) einsetzt.
Im kommunalen Personennahverkehr verkehren eine Reihe von Buslinien zur Erschließung der Region und des Stadtgebiets. Es gilt der Tarif der Verkehrsgemeinschaft Niederrhein (VGN) und tarifraumüberschreitend der NRW-Tarif.
Straßen
Geldern ist über die
Bundesstraßen
B 9 und
B 58 an die
Bundesautobahnen
40 (
E 34) und
57 (
E 31) angebunden.
Söhne und Töchter der Stadt
Literatur
- Geldrischer Heimatkalender, Historischer Verein für Geldern und Umgegend (Herausgeber), erscheint jährlich
- Irmgard Hantsche, Geldern Atlas - Karten und Texte zur Geschichte eines Territoriums, Geldern 2003, ISBN 3-921760-39-9
- Johannes Stinner und Karl-Heinz Tekath, Gelre -- Geldern -- Gelderland - Geschichte und Kultur des Herzogtums Geldern, Geldern 2001, Verlag des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend, ISBN 3-921760-31-3
- Heinz Bosch, Illustrierte Geschichte der Stadt Geldern 1848-1969, Band I: Von den revolutionären Ereignissen 1848 bis zum Ausbruch des ersten Weltkriegs 1914, Geldern 1994
- Gregor Hövelmann, Geschichte des Kreises Geldern. Eine Skizze. Erster Teil: 1816-1866, Geldern 1974
Weblinks
Ort in Nordrhein-Westfalen | Rheinland | Niederrhein
Geldern | Geldern | Geldern