Als Gehörschutz werden alle Arten von Schutzeinrichtungen bzw. Schutzausrüstung bezeichnet, die das Gehör vor Schaden, hauptsächlich vor zu lauten Geräuschen, schützen.
Weitere Einsatzgebiete: Auf Reisen in lauten Verkehrsmitteln (Bahn, Bus, Auto, Flugzeug, Motorrad) / bei schnarchenden (Bett-)Nachbarn oder anderen schlafstörenden Umweltgeräuschen / Silvesterböller / Carneval / Schießsport / Motorsportveranstaltungen / etc....
Um das Gehör bei der Arbeit oder im Privatbereich unauffällig, weniger störend und trotzdem effektiver als mit einem großen Kapselgehörschutz zu schützen, gibt es die Möglichkeit, den Gehörgang zu verschließen. Dadurch wird das Ohr an staubigen Arbeitsplätzen zum einen vor in den Gehörgang eindringenden Staub, zum anderen vor Lärm geschützt, da dieser nicht mehr ungehindert auf das Trommelfell treffen und dieses in Schwingung versetzen kann.
Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Es gibt Ausführungen aus wachsartigen Kugeln, aus Schaumstoff oder aus Kunststoff (weiche Lamellen-Bauform). Die Wachskugeln werden durch Kneten weich gemacht, grob vorgeformt und dann direkt in den Gehörgang gesteckt. Sie verformen sich jedoch leicht beim Einsetzen und Herausnehmen - sind also nicht formstabil. Die Reinigung gestaltet sich als recht schwierig. Schaumstoffstöpsel werden zunächst zusammengerollt und dann in den Gehörgang eingeführt, um sich auszudehnen. Die Kunststoffstöpsel sind fertig geformt und müssen nur in den Gehörgang eingeführt werden. Je nach Größe und Form des Gehörganges können Kunststoffstöpsel jedoch audiologisch ungeeignet und unbequem sein. Die Stöpsel können mit einem Trageband oder einem Kunststoffbügel verbunden werden (Bügelstöpsel), dadurch entsteht kein Druckgefühl im Gehörgang, die Schalldämmung ist jedoch auch sehr gering.
Diese Ausführungen sind vergleichsweise kostengünstig und deshalb für den unregelmäßigen Gebrauch gut geeignet. Sie sind jedoch nicht sehr langlebig; speziell die Ausführungen aus Schaumstoff und Wachs sind rasch mit Ohrenschmalz verunreinigt und können und sollten somit nicht lange benutzt werden. Des weiteren verliert der Schaumstoff seine Fähigkeit, sich nach dem Zusammenrollen wieder ausreichend auszudehnen, um den Gehörgang abzudichten.
Wenn eine maximale Schalldämmung erwünscht ist, kann es, aus audiologischer Sicht, bei der Benutzung eines solchen Gehörschutzes zu einer "Fehlbedienung" kommen, da die Tiefe, in der der Gehörschutz sich im Gehörgang befindet, beim Einsetzen selbst bestimmt werden kann. Die Tiefe, in der der Gehörschutz im Ohr sitzt, bestimmt nämlich darüber, wie groß das verbleibende Luft-Restvolumen im äußeren Gehörgang zwischen Gehörschutz und Trommelfell ist - je kleiner dieses Volumen ist, um so höher ist die mögliche Schalldämmung.
Als Materialien für Otoplastiken können verwendet werden:
Die Sitztiefe des Gehörschutzes im Ohr und das daraus resultierende Restvolumen zwischen Gehörschutz und Trommelfell ist bei der Verwendung eines individuell gefertigten Gehörschutzes bei jedem Einsetzen gleich - somit ist eine Fehlbedienung auszuschließen.
Ein individuell gefertigter Gehörschutz kann sehr unauffällig hergestellt werden oder, wenn gewünscht, auch bunt, mit Schmucksteinen oder ähnlichem geschmückt als Ohrschmuck getragen werden. Der Hörgeräteakustiker steht hierbei beratend zur Seite.
Mit einem Griff versehen lässt sich eine Gehörschutz-Otoplastik noch leichter in das Ohr einsetzen und herausnehmen. Speziell bei Kindern (siehe Abschnitt "Schwimmschutz" unten) oder Menschen mit eingeschränkter Motorik kann dies eine große Hilfe sein.
Beim Tragen eines Gehörschutzes werden, je nach Modell und Material, die unterschiedlichen Frequenzen / Töne unterschiedlich stark gedämmt und somit unterschiedlich laut wahrgenommen. Das Klangbild erscheint somit nicht mehr linear. Dieser Effekt kommt vorzugsweise bei Musikern und Musikliebhabern (Konzerte etc.) negativ zum Tragen, weil hier ein lineares Klangbild erhalten bleiben sollte. Um speziell das wertvolle und stark gefährdete Gehör eines Musikers/Musikliebhabers zu schützen, kann der Hörgeräteakustiker in eine maßgefertigte Otoplastik einen speziellen akustischen Filter einsetzen. Dieser Filter ist so konstruiert, dass ein lineares Klangbild erhalten bleibt, aber gleichzeitig eine ausreichende Schalldämmung vorliegt.
Das Musizieren ohne Gehörschutz kann eine bleibende Gehörschädigung hinterlassen. Beispielsweise hören Menschen, die seit vielen Jahren regelmäßig Geige spielen, meist auf dem linken Ohr bedeutend schlechter als auf dem rechten. Ähnliches ist bei langjährigen Berufskraftfahrern zu beobachten, die gerne mit offenem (linken) Seitenfenster fahren!
Ein individueller ist zwar teurer als ein vorgefertigter Gehörschutz, er bietet jedoch folgende Vorteile:
Die mit 15 Euro (pro Ohr) hierbei wahrscheinlich preisgünstigste Möglichkeit ist die Herstellung eines Gehörschutzes aus additionsvernetzendem Silikon, welcher nach Abformung der Ohren, die etwa 15 Minuten dauert, innerhalb von rund 30 Minuten vom Hörgeräteakustiker direkt im Fachgeschäft fertiggestellt werden kann. Bei allen anderen Materialien muss vor der eigentlichen Herstellung der Otoplastik eine Negativform der Ohrabformung hergestellt werden. Da dies mehr Zeit beansprucht und die Materialien teurer sind, ist auch der Preis eines solchen Gehörschutzes höher. Hinzu kommen natürlich die akustischen Filter bei hochwertigen Gehörschutzsystemen. Der Paarpreis eines high-tech Gehörschutzsystems beträgt rund 130-180 Euro incl. einem Satz Filter.
Die schalldämmende Wirkung mit individuell gefertigten Maßohrstücken ist meist besser als mit einem Kapselgehörschutz oder Ohrenstöpsel zu verwirklichen. Auch sind die Maßohrstücke und Stöpsel kaum sichtbar (sofern erwünscht) und sie stören bei der Arbeit nicht auf dem Kopf. Besonders in warmer Umgebung oder unter körperlicher Anstrengung schwitzt man sehr schnell unter einem Kapselgehörschutz.
Nach den Vorschriften der Berufsgenossenschaft gelten bei der Auswahl des Gehörschutzes Stöpsel und Kapseln als gleichwertig. Ab 80 dB(A) wird das Tragen eines Gehörschutzes am Arbeitsplatz empfohlen, ab 85 dB(A) ist er vorgeschrieben.
Die Dämmung eines Gehörschutzes durch die oben erwähnten Methoden liegt maximal bei grob 25-40 dB (diese Angabe ist stark frequenz-, material- und anatomieabhängig! Um höhere Dämmwerte zu erreichen, kann ein im Ohr getragenes Gehörschutzsystem (Otoplastik oder Stöpsel) mit einem Kapselgehörschutz kombiniert werden. )
Bei Trommelfellperforationen oder wenn bei Mittelohrentzündung zur Belüftung der Paukenhöhle ein Paukenröhrchen in das Trommelfell eingesetzt wurde (häufig bei Kindern), kann ein individueller Gehörschutz aus Silikon benutzt werden, um zu verhindern, dass beim Duschen und Baden Wasser in das Ohr fließt. Hierbei muss jedoch darauf geachtet werden, dass mit einem Gehörschutz und intaktem Trommelfell nicht getaucht werden sollte, da durch die Flächentransformation zwischen Außenseite und Innenseite des Maßohrstückes und die starke Abdichtung des Gehörganges bei zunehmendem Umgebungsdruck unter Wasser kein Druckausgleich des Luft-Restvolumens zwischen Maßohrstück und intaktem Trommelfell erfolgen kann und dieses bei zu großem Druck reißt. Solch einen Schwimmschutz gibt es auch mit einem Griff versehen, um das Einsetzen und herausnehmen zu erleichtern. Falls erwünscht ist es möglich, die beiden Otoplastiken mit einer Kordel zu verbinden, um - speziell bei Kindern während des Tobens im Freibad - die Wahrscheinlichkeit des Verlustes der Maßohrstücke zu senken.
Ohr | Arbeitsmedizin | Schall
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