Die Gegenwart ist das, was jetzt in diesem Moment geschieht.
- Dabei gibt es verschiedene Auffassungen in Abhängigkeit vom Sachgebiet, was genau zutreffen muss, um von Gegenwart zu sprechen: „jetzt“ und „in diesem Moment“ sind nur alltagssprachliche Umschreibungen.
Das
Jetzt beinhaltet neben der zeitlichen Gegenwart in der Regel auch ein räumliches
Hier.
Der
Moment (
lateinisch mōmentum (auch
mŏvimentum,
mōmen) „Bewegung, Grund, Einfluss“ von
mŏvĕo „bewegen, entstehen“) ist eine kurze Spanne gegenwärtiger Zeit.
Der
Augenblick beschreibt das
subjektive Empfinden von Gegenwart. Für die meisten Menschen dauert der Augenblick etwa zwei bis drei
Sekunden, selten etwas länger, eben bis zum nächsten
Wimpernschlag - daher der Begriff „Augenblick“.
Heute ist ein zeitlich bestimmender Begriff, der die Gegenwart beschreibt. Der Begriff wird verwendet, um die Gegenwart von der
Vergangenheit („Gestern“) und der
Zukunft („Morgen“) abzugrenzen.
- Im übertragenen und euphemistischen Sinne werden die Begriffe auch für eine durchaus fühlbare, aber als kurz betrachtete Zeitspanne verwendet (zum Beispiel in der Redewendung „Warten Sie einen Augenblick.“, „Jetzt geht es mir gut.“).
- Mitunter werden auch größere Zeiträume betrachtet. Den Begriffen wird dann durch den entsprechenden Kontext eine bestimmte Zeitspanne zugeordnet: „Die Literatur der Gegenwart“, „Im Moment herrscht Friede.“
- Die Gegenwart eines vergangenen Zeitpunkts bezeichnet das Wort zeitgenössisch.
Die Bestimmung und das Erkennen von Gegenwart sind in vielen Wissenschaften ein ungelöstes Grundproblem.
Da Gegenwart nicht messbar ist und jede Beschreibung von Gegenwart immer sofort Vergangenheit beschreibt, bleibt Gegenwart einer der unmöglichsten, gerade deshalb aber auch faszinierende Gegenstand menschlicher Erkenntnis.
Grammatik
Gegenwart in sprachwissenschaftlichem Kontext bezeichnet:
- der sprachliche Umsetzung – dem Tempus – von Gegenwärtigem
- die grammatische Gegenwartsform
Die
deutsche Grammatik kennt nur eine
Zeitform der Gegenwart für ein
Verb:
Siehe auch: Present Tense (englische Gegenwartform)
Physik
Minkowski-Diagramm - Kausalität.png
Die Frage der Gegenwart eines
Beobachter ist in der
Physik eng verbunden mit der Frage der
Gleichzeitigkeit von
Ereignissen.
- Siehe auch: Zeitpunkt
Klassische Physik
Der
Zeitpfeil bestimmt die Richtung der
Zeit von der
Vergangenheit in die
Zukunft. Die Vergangenheit besteht dabei aus der
Menge aller
Ereignisse, die
kausal mit dem als Gegenwart bezeichneten Ereignis verbunden sind, diese also beeinflussen konnten. Dieses Konzept von Gleichzeitigkeit nennt man
Synchronismus.
In der Physik ist die Gegenwart der
Raum in dem alle
Prozesse ablaufen.
- Siehe auch: Zeitskala
Quantenmechanik
Die
Heisenberg'sche Unschärferelation, besagt das
Zeit und
Ort eines
Elementarteilchens nicht gleichzeitig beliebig genau bestimmt sind, also exakte Gegenwart der
Beobachtung nicht zugänglich sind: Das Jetzt ist ein
Skalenabhängiger Hilfsbegriff.
Relativitätstheorie
In Zusammenhang mit der Veränderung der Vorstellung des Begriffs der
Zeit seit Einführung der
speziellen Relativitätstheorie von
Albert Einstein haben auch die Begriffe Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eine Umdeutung erfahren. Da zwei Ereignisse, die für einen Beobachter gleichzeitig stattfinden, für einen relativ dazu bewegten Beobachter unter nicht mehr gleichzeitig stattfinden (
Relativität der Gleichzeitigkeit), ersetzt der Begriff der „Raumartigkeit“ die „Gleichzeitigkeit“.
Gegenwart und Hier lassen sich als Koordinatenursprung der Raum- und Zeitkoordinaten definieren.
- Nähere Informationen hierzu siehe Minkowski-Diagramm,
Gehirnforschung
Die
Gegenwartsdauer: Neue
neurologische und
psychologische Studien lassen vermuten, dass das
Gehirn die Gegenwart in Einheiten zu etwa 2,7
Sekunden verarbeitet.
Es ist erstaunlich, dass der
alltagssprachliche Begriff „Augenblick“ genau diesen Sachverhalt darstellt. Zudem legen Untersuchungen nahe, dass 3-Sekunden-Einheiten auch in der Lyrik (wenn es etwa um die Erkennung von Reim und Rhythmus geht) und der Musik von Bedeutung sind.
- Siehe auch: Zeitwahrnehmung
Psychologie und Soziologie
Der Gegenwart stehen die Vorstellungen gegenüber, die man sich von der Vergangenheit (z. B.
Erinnerung,
Geschichte,
Herkunft,
Ursache) und der Zukunft (z. B.
Hoffnung,
Angst,
Vision),
Entwicklung macht.
In der Psychologie erklärt die sogenannte Doppelbindungstheorie, dass wir durch gleichzeitig widerstreitende Gefühle und Gedanken in Verwirrung und Handlungsunfähigkeit geraten.
- Siehe auch: Zeitsoziologie, Zeitgefühl
Philosophische Sichtweise
Im Rahmen der Philosophie sind zwei Aspekte der Gegenwart von Bedeutung:
Zum einen ist es der Widerspruch von bewusst wahrgenommenem Jetzt und der Unmöglichkeit, das Jetzt sinnlich zu erfassen. Das ist die Frage nach dem Wesen der Zeit an sich.
Zum anderen die Bedeutung des Hier und Heute angesichts der Sterblichkeit des Menschen. Zwei prinzipiell konträre Weltanschauungen sind hier möglich:
- Den Moment als das einzig Wirkliche anzusehen. Ausgedrückt wird die „Nichtigkeit menschlicher Werke“ – die Vanitas – durch Sprüche wie carpe diem oder memento mori.
- Den Augenblick geringzuschätzen und den nötigen Aufwand einer Aufgabe unterzuordnen, in der Ansicht, der Mensch lebe in seinen Werken weiter. Diese Einstellung gehört etwa zum zentralen Wesen der Wissenschaften.
In der Kunsttheorie spiegelt sich dieser Gegensatz etwa in der klassischen Einteilung in - momentorientierte - Darstellende Kunst und - werkbezogene - Bildende Kunst wieder.
Religion
In vielen
Religionen, etwa im
Zen-Buddhismus, besteht ein Ideal darin, sich selbst der Gegenwart zu öffnen. In den deshalb so genannten
Offenbarungsreligionen Christentum,
Islam und
Judentum erfährt der Gläubige die Gegenwart Gottes durch dessen Offenbarung.
In den östlichen Religionen wie Buddhismus oder Hinduismus wird als Ort des ewigen Lebens anders als in den abrahamitischen Religionen nicht ein in der Zukunft nach dem Tode folgender Himmel, sondern der gegenwärtige Augenblick angesehen.
Literatur
- E.M. Cioran: Vom Nachteil, geboren zu sein, Frankfurt 1979.
- Heinz Gumin - Heinrich Meier (Hgg.): Zeit. Dauer und Augenblick. München/Zürich 1989.
- Stephen Hawking: Eine kurze Geschichte der Zeit, Reinbek 1998.
- Martin Heidegger: Sein und Zeit, Tübingen 1993.
- Peter Sloterdijk: Sphären I-III, Frankfurt 2004.
- Katrin Stepath: Gegenwartskonzepte. Eine philosophisch-literaturwissenschaftliche Analyse temporaler Strukturen, Würzburg 2006.
Siehe auch
Weblinks
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