Die Geflügelpest wird auch als Aviäre Influenza, als Vogelgrippe und seit 1981 überwiegend als Hochpathogene Influenza-Virus-Infektion (HPAI, Highly Pathogenic Avian Influenza) bezeichnet. Sie ist eine durch Viren hervorgerufene anzeigepflichtige Tierseuche, von der Hühner, Puten, Gänse, Enten, wildlebende Wasservögel und andere Vögel betroffen sein können. Bei einer Infektion mit den aggressiveren Virusstämmen führt sie meist zum Tod der infizierten Vögel, sofern sie nicht zu den Reservoirwirten gehören. Einige Varianten der Geflügelpest-Viren, insbesondere die Variante A/H5N1, sind in Einzelfällen auf Menschen, Zootiere wie Leoparden sowie auf Hauskatzen übertragen worden.
Die Geflügelpest wurde erstmals 1878 in Italien beobachtet. Nach wiederholten Ausbrüchen in den 1930er Jahren in Europa, Amerika und Asien tauchte das Virus erst 1983 erneut auf; in Irland und den USA wurden damals Millionen Vögel getötet. Je einen weiteren Ausbruch gab es 1992 in Mexiko und 1997 in Hongkong.
Der Begriff Vogelgrippe wurde bis vor kurzem völlig gleichbedeutend mit dem Begriff Geflügelpest verwendet. Als Folge der aktuellen Vogelgrippe-Ausbrüche wird er inzwischen aber immer stärker eingeengt auf den Seuchenzug des Influenza-Subtyps A/H5N1 bezogen.
Influenza_A_-_late_passage.jpg
Der Erreger der Klassischen Geflügelpest (KP) ist ein als hoch pathogenes Aviäres Influenzavirus (HPAIV) bezeichnetes Influenza-Virus (also Grippevirus) und damit ein behülltes Einzel(-)-Strang-RNA-Virus * aus der Familie der Orthomyxoviren. Bei diesen Influenzaviren gibt es vier Gattungen: Influenza-A, Influenza-B, Influenza-C und das Thogotovirus. Vögel werden nur von Influenza-A-Viren und deren Varianten bzw. Subtypen befallen. Die korrekte Bezeichnung eines Influenza-Virus würde wie folgt lauten: A/goose/Guangdong/1/96 (H5N1): "A" für den Influenza-Subtyp (A, B oder C); "goose" für die englische Bezeichnung des Wirts, aus welchem das Virus erstmals isoliert wurde; "Guangdong" für die Ortsbezeichnung des ersten Auftretens, die erste Zahl steht für die Nummer der Probe und die zweite Zahl bezeichnet das Jahr. Nur das hoch variable Influenza A erhält eine Hämagglutinin-/Neuraminidase-Bezeichnung. Bei einem menschlichen Wirt wird die Wirtsbezeichnung weggelassen.
Durch Mutationen können sich aber sowohl die Wirtsarten als auch die krankmachenden Eigenschaften erheblich verändern. Hierbei spielt das Hämagglutinin eine wichtige Rolle, das vor dem Einbau in neu entstehende Viren durch Enzyme des Wirtes in zwei Untereinheiten gespalten werden muss, damit diese Viren neue Zellen infizieren können. Für Geflügel nur gering pathogene Virus-Stämme (sie werden auch als minder pathogen bezeichnet bzw. auf Englisch abgekürzt als LPAI) erzeugen ein Hämagglutinin, das nur von Enzymen der oberen Atemwege gespalten werden kann, so dass eine Virusinfektion lokal begrenzt bleibt. Bestimmte Genveränderungen können jedoch dazu führen, dass die Spaltung in einer Vielzahl von Geweben möglich wird; dies hat zur Folge, dass die Viren im Prinzip alle inneren Organe des Wirts befallen und zerstören können (hoch pathogene aviäre Influenza, HPAI). Hoch pathogene Varianten sind bisher nur von den HA-Subtypen H5 und H7 bekannt. Forschungsreport 1/2006 des Senats der Bundesforschungsanstalten, S. 5
Bei Wasservögeln wie Enten und Gänsen wurden sämtliche möglichen Kombinationen von H und N nachgewiesen, auch minder pathogene Varianten von H5N1. Da bisher kein natürliches Reservoir für hoch pathogene Varianten der Geflügelpest-Viren nachweisbar war, gehen die Virologen derzeit davon aus, dass der Übergang von einem minder pathogenen in einen hoch pathogenen Zustand die Folge einer Mutation war, die es zugleich erlaubt, die Artengrenze von Entenvögeln (Anatidae) zu Hühnervögeln (Galliformes) zu überwinden. Laut Science "Sciene" Band 310, S. 426 fanden solche Übergänge seit 1959 mindestens 19 mal statt und hatten jeweils eine Epidemie unter Zuchtgeflügel zur Folge. In einigen dieser Fälle konnte sogar der Weg von minder pathogenem Zustand bei Wasservögeln über minder pathogenen Zustand bei Hühnervögeln zu hoch pathogenem Zustand bei Hühnervögeln nachvollzogen werden.
Säugetiere sind weniger empfänglich für das Virus, werden aber - wie zum Beispiel Hausschweine - gelegentlich infiziert. Aus Thailand wurde berichtet, dass in zwei Zoos Tiger und Leoparden nach dem Verzehr von infiziertem Geflügel an A/H5N1 starben.
Grundsätzlich beobachtet man die gleichen Infektionswege wie bei anderen Influenzaviren. Die Viren verbreiten sich durch Tröpfcheninfektion über die eingeatmete Luft oder über Kotpartikel an der Kleidung und Geräten. Außerhalb ihrer Wirte sind die Erreger der Vogelgrippe meistens nur wenige Tage, unter günstigsten Bedingungen viele Monate lang funktionsfähig. Aviäre Influenzaviren bleiben im allgemeinen 105 Tage in Flüssigmist, 30 bis 35 Tage in Kot und Geflügelfleisch oder Eiern bei 4 °C und sieben Tage lang bei 20 °C intakt. Nach bisherigen Erkenntnissen ist eine Übertragung über durchgegarte Geflügel- und andere Fleischprodukte ausgeschlossen.
Bei chronischem Verlauf sinkt die Legeleistung, die Eier sind dünnwandig oder schalenlos.
Die Mortalität ist abhängig vom Alter der Tiere und der Virulenz des Erregers. Bei hochvirulenten Erregern endet die Krankheit bei nahezu allen Tieren tödlich. Mehr als 15 % einer Geflügelherde kann sterben, bevor Symptome auftreten (perakuter Verlauf).
Grundsätzlich können die Tiere auch durch eine vorbeugende Impfung wirksam gegen Geflügelpest geschützt werden. Ein Lebendimpfstoff auf Basis gering pathogener Erreger scheidet jedoch nach heutigem Stand des Wissens wegen des Mutationsrisikos aus. Eine Immunisierung mit abgetöteten Influenzaviren ist unter den Fachleuten aber ebenfalls umstritten, da kein bisher verfügbarer Impfstoff eine spätere Infektion, die nachfolgende Virusvermehrung und das Ausscheiden pathogener Viren verhindert; verhindert wird vielmehr nur die klinische Erkrankung der geimpften Tiere. So können geimpfte Tiere zu Virusträgern werden und pathogene Viren weiterverbreiten.
Als Ausweg aus diesem Dilemma wurden in Mittelamerika und Ostasien daher bereits Impfstoffe entwickelt und - speziell gegen H5N1 - bereits eingesetzt, die aus abgeschwächten Geflügelpocken-Viren bestehen, denen das Hämagglutinin H5 eingefügt wurde. Eine deutsche Forschergruppe des Friedrich-Loeffler-Instituts versucht u.a., einen gebräuchlichen Impfstamm gegen die Newcastle-Krankheit gentechnisch so zu verändern, dass er zur Impfung gegen H5 bzw. H7 verfügbar wird. Bei derart geimpften Tieren könnte später durch geeignete Antikörper-Nachweistests unterschieden werden, ob sie nur eine Immunantwort gegen den Impfstoff zeigen oder - im Falle einer Virusinfektion - gegen die pathogenen Viren. Forschungsreport 1/2006 des Senats der Bundesforschungsanstalten, S. 7
In Deutschland erfolgt die Bekämpfung der Geflügelpest auf Rechtsgrundlage des Tierseuchengesetzes, der Geflügelpest-Verordnung, der Geflügelpestschutzverordnung und bezüglich des Virus A/H5N1 zusätzlich der Wildvogel-Geflügelpestschutzverordnung und der Verordnung zur Aufstallung des Geflügels zum Schutz vor der Klassischen Geflügelpest.
Wegen der bei vielen Vögeln vorhandenen Übertragungsmöglichkeiten des Krankheitserregers (Vektoreigenschaften) muss der Handel oder die Zucht von beispielsweise Papageien und Sittichen behördlich genehmigt werden. Diese nichtheimischen Vogelspezies neigen trotz Käfighaltung zu gelegentlichem Entweichen und können daher auch zu einer unkontrollierten Ausbreitung der Geflügelpest beitragen, wie zuletzt 2004/2005 in Köln geschehen.
Vogelkrankheit | Anzeigepflichtige Tierseuche
إنفلونزا الطيور | Птичи грип | Grip aviària | Ptačí chřipka | Ffliw adar | Fugleinfluenza | Influenzavirus A | Birda gripo | Gripe aviaria | آنفلوآنزای مرغی | Lintuinfluenssa | Grippe aviaire | Gripe aviaria | שפעת העופות | Ptičja gripa | Flu burung | Influenza aviaria | トリインフルエンザ | 조류 독감 | Grippe ya ndeke | Selsema burung | Vogelpest | Fugleinfluensa | Fugleinfluensa | Ptasia grypa | Gripe aviária | Gripă aviară | Птичий грипп | Vtáčia chrípka | Ptičja gripa | Птичји грип | Fågelinfluensa | ไข้หวัดนก | Avian influenza | Kuş gribi | Грип пташиний | Cúm gia cầm | Pesse des poyes | 禽流感 | Khîm-liû-kám
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Geflügelpest".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world