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Gefängnis-Jargon bezeichnet den in Gefängnissen gebräuchlichen Jargon, der aus subkulturellen Umdeutungen und Neuschöpfungen entsteht, wobei in der Regel die Grammatik unverändert bleibt. Gefangene und gelegentlich Personal verwenden gleichermaßen diese Knastsprache, so dass eine identitätsstiftende Wirkung auch in Wechselwirkung für alle Beteiligten zu beobachten ist. In verschiedenen Regionen sind erhebliche Unterschiede zwischen den Anstalten, landesweit aber auch Entlehnungen aus oder Übertragungen zu anderen Jargons der Subkultur wahrscheinlich.

Eine ähnliche Rolle spielen auch Gesten, Zeichen und Tätowierungen, wobei letztere besonders bei russischstämmigen Gefangenen die Bedeutung von Abzeichen in der organisierten subkulturellen Hierarchie haben.

Beispiele aus deutschen Gefängnissen:

  • Koffer: Päckchen Tabak, wird auch als Währung verwendet.
  • Bombe: Großes Glas löslichen Kaffees oder 100-200g Dose Tabak, wird ebenfalls als Geldersatz verwendet.
  • Drehung: geschnorrte selbst gedrehte Zigarette
  • Shore: Heroin, allgemein auch für (gestohlenes) "Zeug", "Sachen"
  • Angesetzter, Aufgesetzter: Selbst angesetzter Alkohol
  • Bunker: Besonders gesicherter Haftraum, in dem Gefangene zum Schutz vor Selbst- oder Fremdgefährdung vorübergehend untergebracht werden können.
  • Pop Shop haben/kriegen: Entzug der Genehmigung der Teilnahme an Freizeitveranstaltungen, auch mit TV-Entzug, ("Ich hab' 3 Wochen Pop-Shop gekriegt!"), bzw. Ende von Freizeitmaßnahmen, Einschluss ("Jetzt ist Popshop!")
  • Boiler, Bello: Klo(schüssel)
  • Moped, Mofa, Turbo: (selbst gebauter) Tauchsieder/Tätowiermaschine
  • Reißer: Vergewaltiger
  • Sittich, Kifi, Fifi: Kindesmissbrauchstäter
  • Dachdecker: Vollzugspsychologen
  • Spannmann: Der Mitinsasse in einer Zweierzelle.
  • Schub: Verlegung ein ein anderes JVA
  • auf Schub: im Prozess der Verlegung befindend, kann bis zu einer Woche Dauern, da nicht von einem JVA in ein beliebiges anderes JVA verlegt wird; es bestehen ganz bestimmte Transportverbindungen zwischen JVAs für die Verlegung von Gefangenen, somit sind Übernachtungen von Gefangenen auf "Durchreise" in JVAs die auf dem Weg liegen dabei die Regel
  • Schubbus: besonders gesicherter Bus für den Gefangenentransport
  • Sixpack: Bulli der Polizei
  • Hütte: Zelle
  • Knochen: Schlüssel
  • Den langen Schuh machen: Flüchten, ursprünglich wahrscheinlich aus dem Hooligan-Jargon stammend
  • Zinken: jemanden verraten
  • Sich grade machen: sich schlagen, um nicht zu kneifen oder nichts auf sich sitzen zu lassen ("da musste ich mich grade machen"), auch im Sinne von: die Verantwortung übernehmen
  • Pendeln Mit einem Seil Sachen von einem Zellenfenster zu anderen pendeln.
  • In den Harz fahren: Dahin gehen, wo der Pfeffer wächst: "Fahr im Harz, Du Spacken!"
  • Kamine machen: Angeben, so tun als ob, etwas vorgeben: "Krank? Mach keine Kamine!" "Kamine-Freier": Betrüger, Angeber
  • Sputnik: Konstruktion aus einer Büroklammer und einem Papierstreifen, welche verschluckt wurde und sich im Magen verkeilen sollte, um einen Aufenthalt im Krankenhaus zu erzwingen.
  • Die Hütte kommen lassen: Auf dem Haftraum randalieren und dessen Mobiliar beschädigen.

Siehe auch


Strafvollzug, Gefängnis, Justizvollzugsanstalt, Gefangener, Strafgefangener, Rotwelsch, Zinken (Schrift), Subkultur

Spezialsprache | Gefängnis

 

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