Gebenstorf ist eine politische Gemeinde im Bezirk Baden im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt in der Mitte zwischen Baden und Brugg. Bis 1884 gehörte auch Turgi zu Gebenstorf, bevor es eine eigene Gemeinde wurde.
Limmat und Aare bilden eine 900 Meter lange und 300 Meter breite Halbinsel; auf dieser befindet sich die Ortschaft Vogelsang. Die Spitze der Halbinsel wird durch einen künstlich angelegten Kanal durchschnitten, der als Energiequelle für eine ehemalige Baumwollspinnerei diente. Im Mündungsbereich von Aare und Limmat liegen ausserdem drei aus Sedimenten entstandene Inseln.
Das Gemeindegebiet ist 564 Hektaren gross, davon sind 234 Hektaren bewaldet und 138 Hektaren überbaut. Die höchste Stelle liegt auf dem Chörnlisberg (561 m), einem Teil des Gebenstorfer Horns, die tiefste Stelle nördlich von Vogelsang am Zusammenfluss von Aare und Limmat (328 m).
Nachbargemeinden sind Untersiggenthal im Norden, Turgi im Nordosten, Baden im Osten, Birmenstorf im Süden, Windisch im Westen sowie Brugg im Nordwesten.
Ein Dorf entstand allerdings erst im 8. Jahrhundert, als alemannische Siedler sich hier niederliessen. Die Ortsteile Reuss und Vogelsang sowie die beiden "Berghöfe" Schwabenberg und Petersberg auf dem Gebenstorfer Horn entstanden zwischen 1000 und 1200. Im Jahr 1247 erfolgte die erste Erwähnung als "Gobistorf", als die Habsburger die Kirche des Dorfes erwarben. Die schweizerdeutsche Ortsbezeichnung tönt heute noch sehr ähnlich; sie lautet "Gäbistorf".
Gebenstorf.jpg | Gebenstorf02.JPG Die Habsburger übertrugen 1330 ihren Besitz und ihre Rechte in Gebenstorf an das Kloster Königsfelden in Windisch, mit Ausnahme der hohen Gerichtsbarkeit. Im Jahr 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau und Gebenstorf bildete fortan ein eigenes Amt in der Grafschaft Baden, einer gemeinen Herrschaft.
Während der Reformation von 1529 trat etwa die Hälfte der Bevölkerung zum neuen Glauben über. Nach dem Zweiten Kappelerkrieg von 1531 wurde die Reformation in der Grafschaft Baden wieder weitgehend rückgängig gemacht. Doch Gebenstorf blieb als eine der wenigen Ausnahmen konfessionell gemischt. Die Kirche wurde für Jahrhunderte von beiden Konfessionen gemeinsam genutzt. Im September 1769 heiratete Johann Heinrich Pestalozzi dort Anna Schulthess. Im Juni1889 musste die Margaretenkirche wegen Baufälligkeit abgerissen werden und die beiden Konfessionen bauten jeweils eigene Gotteshäuser. Die katholische Pfarrkirche wurde 1889 eingeweiht, die reformierte Kirche am 29. November 1891.
Im März 1798 eroberten die Franzosen die Schweiz und riefen die Helvetische Republik aus. Gebenstorf wurde eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden; seit 1803 gehört sie zum Kanton Aargau. 1826 hielt die Industrialisierung Einzug, als auf freiem Feld in Turgi, weitab vom Dorf, eine erste Fabrik errichtet wurde. Aus dem Nichts entstand dort eine proletarisch geprägte Industriearbeitersiedlung, deren Bewohner aus allen Teilen der Schweiz und aus dem nahen Ausland stammten. Am 29. September 1856 wurde dort ein Bahnhof an der Strecke Baden - Brugg eröffnet.
Der Gegensatz zwischen den alteingesessenen Gebenstorfern und den bunt gemischten Turgemern wurde immer grösser. Obwohl Turgi mittlerweile mehr Einwohner zählte, wurden dessen Bewohner bei den Gemeindeversammlungen regelmässig überstimmt, da die Bevölkerung des neuen Dorfes einen hohen Anteil von nicht stimmberechtigten Jugendlichen und Ausländern aufwies. Die Situation entspannte sich erst, als Turgi am 1. Januar 1884 von Gebenstorf getrennt wurde und eine selbständige Gemeinde bildete. Doch auch in Gebenstorf hatte sich mittlerweile zahlreiche Industriebetriebe angesiedelt, vor allem in Vogelsang.
Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde die so genannte Limmatstellung errichtet. Die zahlreichen Bunker und Panzersperren, die zum Teil heute noch bestehen, hatten die Aufgabe, in der Engstelle zwischen Bruggerberg und Gebenstorfer Horn einen allfälligen Angriff der deutschen Wehrmacht aufzuhalten. Von 1940 bis 1943 lebten rund 300 polnische Soldaten in einem Internierungslager bei Gebenstorf.
Wegen seiner ausgezeichneten Verkehrslage zwischen Brugg und Baden entwickelte sich Gebenstorf ab 1950 zu einem bevorzugten Wohnort. Die Gemeinde erlebte einen Wachstumsschub wie schon im 19. Jahrhundert und wandelte sich allmählich von einem Industriedorf zu einer Schlafgemeinde für Pendler. Innerhalb von fünfzig Jahren verdoppelte sich die Einwohnerzahl.
| Bevölkerungsentwicklung bis 1880 inkl. Turgi | |
|---|---|
| Jahr | Einwohner |
| 1844 | 1517 |
| 1880 | 2435 |
| 1900 | 1574 |
| 1930 | 1955 |
| 1950 | 2110 |
| 1960 | 2728 |
| 1970 | 3539 |
| 1980 | 3610 |
| 1990 | 4079 |
| 2000 | 4182 |
Die fünf Gemeinderäte der Amtsperiode 2006-2009 sind:
Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Baden zuständig. Gebenstorf gehört zum Friedensrichterkreis Mellingen.
Gebenstorf ist Endstation von zwei Buslinien der RVBW, die über Baden nach Wettingen bzw. Spreitenbach führen. Hier beginnt auch die Postautolinie über Turgi und Untersiggenthal nach Würenlingen. Eine Postautolinie verkehrt von Brugg über Gebenstorf zum Bahnhof Mellingen-Heitersberg (Anschluss an die Linie S3 der Zürcher S-Bahn). Der nächstgelegene Bahnhof ist Turgi.
Ort in der Schweiz | Ort im Kanton Aargau | Schweizer Gemeinde
Gebenstorf | Gebenstorf | Gebenstorf | Gebenstorf (kommun, CH-AG)
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Gebenstorf".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world