Gazprom (russisch Газпром, wiss. Transliteration und engl. Transkription Gazprom, deutsche Transkription Gasprom) ist das weltweit größte Erdgas
Im Zuge der Auflösung der Sowjetunion wurde im Jahr 1989 der Geschäftsbereich für Gasförder- und Gastransportindustrie des Ministeriums für Erdöl- und Gaswirtschaft der UdSSR in den russischen Staatskonzern Gazprom umgewandelt. Der bisherige Minister für Erdöl- und Gaswirtschaft, Wiktor Tschernomyrdin, wurde zum ersten geschäftsführenden Vorstandsvorsitzenden gewählt. Als Tschernomyrdin 1992 Ministerpräsident wurde, folgte ihm sein Stellvertreter Rem Wjachirew als Gazprom-Vorstandsvorsitzender.
Seit Mai 2001 ist Alexei Miller Vorstandsvorsitzender. Aufsichtsratsvorsitzender ist Dmitri Medwedew, der Erste Stellvertretende Ministerpräsident der Russischen Föderation. Beide sind enge Vertraute Präsident Putins, die der Präsident bereits aus seiner Tätigkeit in der Stadtverwaltung in Sankt Petersburg kennt.
Gazprom kontrolliert die Gaswirtschaft der Russischen Föderation weitgehend. Es gibt nur wenige andere Förder- und Handelsgesellschaften im Erdgasbereich. Auf Gazprom entfallen rund 85 % der russischen Erdgasförderung, rund ein Fünftel der weltweiten Förderung. Für den Erdgasexport aus Russland hat Gazprom ein Monopol. Russland – und damit Gazprom – ist mit Abstand weltweit größter Gasexporteur.
Im Jahre 2005 erfolgte eine Vereinbarung zwischen der deutschen Bundesregierung und Gazprom, eine Erdgasleitung durch die Ostsee zu verlegen. Nach der Wahlniederlage von Bundeskanzler Gerhard Schröder nahm dieser ein Angebot von Gazprom zur Mitarbeit im Aufsichtsrat der NEGP an.
Gazprom ist aber nicht nur im Erdgasbereich tätig. Weitere Geschäftsbereiche sind in Russland – abgesehen vom Erdölbereich – insbesondere die Stromwirtschaft, der Medienbereich und das Bankwesen. Kritiker der Unternehmenspolitik fordern von der Gazprom-Führung hingegen eine Konzentration auf die Energiewirtschaft. Sie sehen eine Verzettelung, die das Unternehmen unüberschaubar macht. Gazprom wird in Presseberichten auch immer wieder eine besonders ausgeprägte Anfälligkeit für Korruption vorgeworfen, obwohl die Gazprom-Mitarbeiter im innerrussischen Vergleich als privilegiert gelten.
Erklärtes Ziel der Gazprom-Führung ist, das Unternehmen zum weltweit führenden Energiekonzern auszubauen. In den letzten Jahren hat sie bedeutende Beteiligungen im Ölbereich (Sibneft) und Strombereich erworben. Dabei will sich Gazprom nicht auf Russland und den Export von Energie aus Russland beschränken, sondern über ihre Exportgesellschaft OOO Gazpromexport auch ihre Aktivitäten im Ausland, einschließlich des Vertriebs von Energie an Endverbraucher, verstärken.
Gazprom hat 61 100%-ige Tochtergesellschaften und hält bei 45 Firmen die Aktienmehrheit. Beteiligt ist Gazprom an 69 Unternehmen, darunter auch bekannte wie die Horizon Investment Company und eine 50% Minderheitsbeteiligung an der deutschen WINGAS.
Unter den juristischen Personen aus der Russischen Föderation sind diverse Gazprom-Tochtergesellschaften, an denen der Staat wiederum Anteile hält. Indem der Staat im Juni 2005 von vier Gazprom-Töchtern 10,74 Prozent der Gazprom-Anteile erwarb, sicherte sich der Staat einen Kapitalanteil von knapp über 50 %.
Die Begrenzung des Aktienanteils von Ausländern auf höchstens 20 % wurde Ende 2005 aufgehoben. Nach Einschätzung von Analysten besaßen Ausländer aber schon vor dieser Liberalisierung des Aktienhandels über Strohmänner bereits gut ein Viertel der Gazprom-Aktien.
Im Inland fordert Gazprom Gaspreise, die deutlich niedriger sind als die Preise für Lieferungen ins Ausland. So erklärt sich, dass Gazprom zwar mengenmäßig knapp zwei Drittel seines Gases im Inland absetzt, damit aber nur rund ein Drittel der Umsatzerlöse erzielt. Manche Experten halten die Inlandspreise für einzelne Verbrauchergruppen für nicht kostendeckend. Forderungen von Gazprom nach Preiserhöhungen werden von der Regierung aber regelmäßig nur teilweise genehmigt.
Im Exportgeschäft berechnet Gazprom Pressemeldungen zufolge sehr unterschiedliche Preise (jeweils für 1.000 Norm-Kubikmeter Erdgas; Stand 1. Januar 2006):
Als Begründung für den niedrigen Preis für Gas-Lieferungen an Weißrussland (46,78 US-Dollar) wird von Gazprom angegeben, dass Weißrussland im Gegenzug die Kontrolle über sein Gas-Pipeline-Netz an Gazprom abgegeben und für etwa 50 Jahre an Gazprom verpachtet hat. Der Ukraine war von Gazprom 2005 nach Unternehmensangaben ein vergleichbares Angebot gemacht worden, das sie aber ablehnte.
Für den Bezug von Erdgas aus Turkmenistan bezahlt Gazprom 65 Dollar (für 2006) *
ausführlicher Artikel siehe: Russisch-ukrainischer Gasstreit
Ende 2005 lief der Vertrag über Gaslieferungen der Gazprom an die Ukraine aus. Verhandlungen über einen neuen Vertrag führten zu keiner Einigung. Gazprom forderte eine drastische Erhöhung des sehr niedrigen Preises (50 Dollar je 1.000 Kubikmeter) auf das Niveau der Lieferungen an westeuropäische Abnehmerländer (230 Dollar). Eine Anhebung des Gaspreises entsprach nicht nur den Gewinninteressen der Gazprom-Gesellschafter, sondern auch Forderungen der Welthandelsorganisation (WTO), die wettbewerbsverzerrende Energiepreissubventionen ablehnt. Die Ukraine war lediglich zu einer schwächeren Erhöhung des Preises bereit. Gazprom stellte die Lieferung an die Ukraine daraufhin am Jahresende 2005 völlig ein.
Im weiteren Verlauf des Streits beschuldigte Gazprom den ukrainischen Gasversorger Naftohas, illegal Pipelines anzuzapfen, die durch die Ukraine führen und Erdgas nach Westeuropa transportieren. Der ungarische Gasversorger MOL stellte laut eigenen Angaben einen Rückgang der Gasmenge um 25 % fest.
Wenige Tage nach Einstellung der Lieferungen an die Ukraine kam es zu einer Einigung. Gazprom nahm die Lieferungen an die Ukraine wieder auf.
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