Eine Gasturbine ist eine Verbrennungskraftmaschine, die von einem permanenten Luftstrom durchflossen wird (Strömungsmaschine). Die Luft wird über Verdichterstufen komprimiert, in der Brennkammer mit Treibstoff gemischt und entzündet. Die heißen Verbrennungsgase erzeugen im Turbinenteil mechanische Energie, die zunächst dem Antrieb des Verdichters dient. Der verbleibende Nutzanteil wird beim Wellentriebwerk zum Antrieb eines Generators, eines Propellers, eines Rotors oder einer Schiffsschraube verwendet. Beim Düsentriebwerk dagegen wird die Nutzarbeit zur Beschleunigung des heißen Luftstrom eingesetzt, welcher den Schub erzeugt.
Die Gasturbine ist eine Unterordnung der thermischen Fluidenergiemaschinen und thermischen Turbomaschine (von lat. turbare=drehen). Turboprop.png
An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurde die Idee der Gasturbine von den Ingenieuren wieder aufgenommen, wobei sie sich an der parallelen Entwicklung der Dampfturbine orientierten. Die zu diesem Zeitpunkt entwickelten Gasturbinen besaßen einen mit Ventilen abgeschlossenen Verbrennungsraum, aus dem unter Druck stehenden Abgase der zuvor verbrannten Brennstoffe auf die eigentliche Turbine geleitet wurden. Diese Gleichraumturbine kam ohne einen Verdichter aus, besaß aber einen geringen Wirkungsgrad von maximal 13 %. Ab 1935 standen die ersten Gleichraumturbinen für den stationären Betrieb in Gaskraftwerken zur Verfügung; die Entwicklung dieses Turbinentypes geht auf das historische Patent von 1791 zurück und wurde von dem schweizerischen Unternehmen BBC marktreif gemacht. Diese ersten Turbinen wurden in der chemischen Industrie eingesetzt und hatten eine Leistung von 14 MW. 1939 lieferte BBC eine Gasturbine an das britische Luftfahrtministerium, die man dort zu Versuchzwecken verwendete. 1940 kam die erste Gasturbine in einem Kraftwerk im schweizerischen Neuenburg zum Einsatz. Die Maschine hatte 4 MW Leistung und lieferte positive Betriebsergebnisse, so dass eine ähnliche Turbine in eine Lokomotive eingebaut wurde. Wegen der hohen Verluste bei der Energiewandlung wurde jedoch von dieser Traktionsart Abstand genommen. Die Gasturbine wurde nach dem zweitem Weltkrieg in erster Linie im Flugzeug verwendet und ist dort zur Zeit die wichtigste Antriebsmaschine. Bei den stationären Anlagen wird sie wegen ihrer Schnellstartfähigkeit als Kraftwerksreserve vorgehalten, in den nächsten Jahren kommt ihr eine weitere Bedeutung im GuD-Kraftwerk zu.
Wellen-Gasturbinen gibt es als ein- und zweiwellige Maschinen. Bei der einwelligen Bauweise sitzen alle Verdichterstufen und alle Turbinenstufen hintereinander auf derselben Welle (mechanische Kopplung). Damit läuft die gesamte Maschine mit einer Drehzahl. Der Abtrieb kann am Verdichter- oder der Turbinen-seitigen Wellenende liegen. Bei stationären Gasturbinen liegt der Abtrieb für den Generator zumeist an dem verdichterseitigem Wellenende, da somit ein besserer Abgasdiffusor installiert werden kann, das Fluid den Generator nicht umströmen muss und die Wärmeverluste auf dem Weg zum Dampfprozess (bei GuD-Prozessen) nicht allzu groß sind. Bei der zweiwelligen Anordnung lässt sich der Turbinenteil in Gasgenerator- und Nutzturbine unterscheiden. Dabei treiben die ersten Turbinenstufen den Verdichter an und bilden mit diesem die Gasgenerator-Einheit. Im selben Gehäuse unmittelbar dahinter läuft die Nutzturbine mit ihrer eigenen Drehzahl. Der Abtrieb liegt damit immer auf der Turbinenseite. Angetrieben werden mit dieser Maschine üblicherweise Pumpen oder Verdichter z.B. an Gas- oder Ölpipelines. Eine besondere Bauart sind die sog. Aeroderivatives, bei denen als Gasgenerator eine modifizierte Flugzeugturbine zum Einsatz kommt.
Gasturbinen stellen höchste Ansprüche an die verwendeten Werkstoffe bezüglich ihrer Festigkeit und Stabilität bei hohen Temperaturen. Es kommen überwiegend Nickelbasislegierungen zum Einsatz.
Gasturbinenbaureihen, die auch mit dem problematischen Treibstoff Rohöl betrieben werden können (z.B. für Pipeline-Druckerhöhungspumpen) sterben nach und nach aus bzw. werden durch Dieselmotoren verdrängt, die hier wesentlich bessere Wirkungsgrade erreichen.
Außerdem gibt es immer wieder Versuche, Kohlenstaub direkt oder nach vorheriger Vergasung einzusetzen. An vielen Standorten in Bergbauregionen werden Gasturbinen mit Grubengas (Methan) betrieben.
Es gibt auch Versuchsturbinen die mit Festbrennstoff angetrieben werden. Dazu wird der Brennraum mit Brennstoff gefüllt und gezündet. Die Turbine läuft dann so lange bis aller Brennstoff verbraucht ist und neu nachgefüllt werden muss. Zu einer kommerziellen Verwendung ist es dabei noch nicht gekommen.
Gasturbinen zeichnen sich im Gegensatz zu Kolbenmaschinen durch einen ruhigen Lauf aus, da sie kontinuierlich arbeiten und nur drehende Teile besitzen. Der Drehmomentverlauf ist flacher als bei Kolbenmaschinen.
Eine Mischform stellt das Mantelstromtriebwerk (Turbofan) dar, bei dem ein Teil der Leistung genutzt wird, um einen Turbofan anzutreiben. Es ist Standard bei großen Verkehrsflugzeugen.
Ab und zu wird der Ausdruck "Wellentriebwerk" auch für herkömmliche Strahlturbinen gebraucht, weil sie im Gegensatz zum Staustrahltriebwerk zumindest eine Welle als bewegliches Teil hat.
Beim Antrieb von Hubschraubern und Turboprop-Flugzeugen wird die Wellenleistung der Gasturbine genutzt und über ein Getriebe an Rotor oder Propeller abgegeben.
Für den Rückstoßantrieb von Flugzeugen (Jets) werden Strahltriebwerke (Turbojets) eingesetzt, eine Sonderform der Gasturbine. Es fehlt dabei die Abtriebswelle, die die Leistung an externe Komponenten überträgt. Hinter Verdichter, Brennkammer und Turbine folgt nur noch eine Düse, durch die der heiße Abgasstrahl mit hoher Geschwindigkeit austritt. Der Turbinenteil eines Strahltriebwerks erzeugt dabei nur soviel mechanische Energie, wie für den Antrieb des Verdichters und der Nebenaggregate benötigt wird und der Vorschub entsteht nur durch die austretenden heißen Gase.
Die gewichtssparende Ausführung ist meist wesentliches Auslegungskriterium. Weiterhin spielt der Wirkungsgrad, also eine gute Ausnutzung des Brennstoffs eine Rolle, sowie geringe Schallemissionen und gute Wartbarkeit.
Siehe: Strahltriebwerk
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