Als inter- oder multikulturelle Literatur bezeichnet man heute die Literatur von Autoren, die aus einer von mindestens zwei Kulturräumen geprägten Sichtweise schreiben. Sie ist auch als Literatur der Kultursynthesen beschreibbar. Interkulturelle Literaturen sind Bestandteil der Nationalliteraturen. Als solcher behandelt sie häufig Identitätsfragen nationaler oder kultureller Minderheiten innerhalb einer Mehrheitsgesellschaft.
Die Zahl der zu dieser Kategorie gehörigen Autorinnen und Autoren ist unsicher, eine vorsichtige Schätzung für das Jahr 2000 beläuft sich auf ungefähr 250 Personen (vgl. Carmine Gino Chiellino, 2000). Dass diese Zahl unsicher und veränderlich ist, liegt am außerordentlich dynamischen Charakter des Phänomens selber. Migrantenliteratur ist in Zeiten der zunehmenden globalen Mobilität der Menschen im Zunehmen begriffen und global gesehen handelt es sich um weit höhere Zahlen. Literatur der zweiten und dritten Einwanderergeneration, häufig wenig treffend auch als Migrantenliteratur bezeichnet, ist hierbei noch gar nicht mit eingerechnet.
Autoren interkultureller Literatur im deutschsprachigen Raum kommen aus allen Ländern und Kulturen, aus denen Menschen innerhalb dieses Literaturstandortes leben. Gründe hierfür, ebensowenig wie die Herkunftsländer und -sprachen der Autoren oder die Wahl ihrer Literatursprache, sind für die Betrachtung der Literatur per se von geringerer Bedeutung. Es kann sich auch um Personen handeln, die aus Gebieten stammen, in denen sie einer deutschsprachigen Minorität angehörten. Eine junge deutsch-jüdische Literatur gehört zu dem sehr weit fassenden Begriff der deutschsprachigen multikulturellen Literatur, wie auch die Werke eines deutsch-russisch-jüdischen Dichters wie Kaminer oder Vertreter der deutsch-arabischen Literatur wie Schami.
Ab den 1980er Jahren begannen an Hochschulen und Universitäten in Deutschland und in nichtdeutschsprachigen Ländern Magisterarbeiten und Dissertationen zum Thema "Multikulturelle Literatur" zu entstehen. Einige wichtige davon, die sich aus einer übergreifenden Perspektive mit dem Thema befassen, sind:
Andere Wissenschaftler haben in ihrer Forschung besonders die deutschsprachige Literatur bestimmter Migrantengruppen untersucht. Zu erwähnen sind beispielsweise:
Weiter sind auch einzelne Arbeiten entstanden, die die Identitätsthematik, die in der interkulturellen Literatur häufig gestaltet wird, fokussieren:
Die Autoren und Autorinnen der Gastarbeiterliteratur entstammten bereits zu Beginn keinesfalls nur ihren Reihen. Dieses außerliterarische Kriterium zur Beschreibung von Literatur stand auch von Anfang an unter kritischer Beobachtung. Aus den Reihen der Schriftsteller selber machten sich besonders die theoretisch führenden Mitglieder des PoLiKunstvereins, der von 1980 bis 1987 existierte, für diese Bezeichnung stark. Es waren Franco Biondi, Rafik Schami, Jusuf Naoum und Suleman Taufiq, die in einer Fußnote zu ihren Literatur der Betroffenheit. Bemerkungen zur Gastarbeiterliteratur auf die Ironie der Bezeichnung hinwiesen. Gäste ließe man normalerweise nicht arbeiten, auch blieben Gäste nicht so lange wie die Gastarbeiter, die sich in zunehmendem Maße im Lande niederließen, statt es nach einer kürzeren Zeit wieder zu verlassen, wie ursprünglich seitens der Industrie und Politik geplant.
Als Kennzeichen einer Gastarbeiterliteratur galt aus der Sicht der anfänglichen deutschen Rezeption die Tatsache, dass sie von fremdsprachigen Autoren auf Deutsch als Fremdsprache geschaffen wurde. Eine erweiterte Sicht der Dinge schließt aber auch sowohl in verschiedenen Fremdsprachen entstandene, dann ins Deutsche übersetzte Literatur von Migranten und Literatur von migrierten Autoren aus deutschsprachigen Minderheiten der verschiedensten Länder ein.
Migrantenliteratur ist einer der neueren Begriffe, die dazu benutzt werden, die Literatur zu bezeichnen, die von Autorinnen und Autoren geschaffen wird, die selbst oder zusammen mit ihren Eltern in ein zunächst fremdes Land migriert sind. Mit der Veränderung des Wohnortes geht bei diesen Autoren meist ein Sprachwechsel und/oder ein Nationalitätswechsel einher. Der Begriff ist teilweise deckungsgleich mit dem Begriff Gastarbeiterliteratur, ohne jedoch eine Zugehörigkeit der Autoren zur Schicht der Arbeiter vorauszusetzen. Einzig die Migration wird im Begriff Migrantenliteratur fokussiert. Auch dieser Begriff ist innerhalb der diesbezüglichen Literaturforschung nicht unumstritten und findet gleichzeitig mit mehreren anderen Verwendung.
Ein Sonderfall der Migrantenliteratur ist die Exilliteratur, an der nicht selten weniger Einflüsse des exilgebenden Landes auszumachen sind, sondern allein das Exil für sich unabhängig von den Aufenthaltsorten der Schriftsteller die Werke prägt. Sie kann daher in diesem Stadium nicht unter die multikulturellen Literaturen subsummiert werden.
Seit dem Jahr 2000 hat sich neben Migrationsliteratur verstärkt der Begriff inter- oder multikulturelle Literatur durchgesetzt. Verschiedene Wissenschaftler definieren die Zugehörigkeit zur einen oder anderen Kategorie jeweils unterschiedlich, wobei die unterscheidenden Nuancen oft nicht besonders deutlich sind.
Literatur (Deutsch) | Migration | Arbeiterliteratur | Migrant literature
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"Interkulturelle Literatur".
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