Auch wenn die heute von Wüste umgebenen Pyramiden und Tempelanlagen heute nicht mehr den Eindruck erwecken, waren sie einst von großen Gärten umgeben. Die Gartenkunst im Alten Ägypten hatte vor allem aufgrund des religiösen Kultus sehr früh eine große Rolle gespielt: aufgrund von Ausgrabungen, Tempelinschriften und Wandgemälden ist diese Gartenkultur besser dokumentiert als für andere Reiche des Altertums.
Da der kultische Ritus auch Blumen-, Speise- und Trankopfer vorsah, umgab man den Göttern und den Verstorbenen zu Ehren die Tempel und Pyramiden mit großen Gartenanlagen. Aus der Zeit von Ramses III. (1193-1162 v.Chr.) existieren Listen, auf denen 513 Tempelgärten verzeichnet sind. Sie waren notwendig, um die Blumen, Nahrungsmittel und Getränke zu erzeugen, die für die kultischen Handlungen notwendig waren. Für alle diese Tempelgärten - von der vordynastischen Zeit bis zum Neuen Reich - gilt, dass sie regelmäßig angelegt waren und Wasser eine zentrale Rolle spielte. Jeder altägyptische Garten - auch die der wohlhabenden Beamten und erst recht die der Pharaonen - war mit mindestens einem rechteckigen, mit Treppen versehenen Wasserbassin ausgestattet. Diese künstlichen Teiche dienten der rituellen Reinigung und manche dieser Bassins waren so groß, dass sogar Barken darauf fahren konnten. Von Amenophis III. wissen wir, dass er in Theben ein 1,5 km langes und mehr als 300 m breites Wasserbassin anlegen ließ. Zur zwölften Jahresfeier der Krönung wurde es mit Wasser gefüllt und war Mittelpunkt der Feierlichkeiten, während derer der Pharao unter anderem in prächtiger Königsbarke dieses Bassin befuhr.
Aufgrund von Wandmalereien wissen auch wir, wie die Gartenanlagen des Mittleren und Neuen Ägyptischen Reiches um solche künstlich geschaffenen Wasseranlagen herum angelegt waren. Streng symmetrisch gliederten sich Weingärten, Gemüsegärten, Blumenbeete, weitere Teiche, offene Gartenpavillons und Baumalleen an, die in einem Vierecklagen, das von hohen Mauern begrenzt wurde. Häufig durchzogen Wasserkanäle das Areal. Für die Gartenkulturen der vordynastischen Zeit und des Alten Reiches gibt es dagegen keine bildlichen Quellen, die Informationen über den genauen Aufbau der Gärten zu dieser Zeit geben können.
Nicht nur die Tempel und Paläste waren von Gartenanlagen umgeben. Jedem Ägypter lag daran, sein Haus mit schattenspendenden Bäumen zu umgeben, um sich in ihrem Schatten zu ergötzen und am Dufte der Blumen zu erfreuen. Wie wichtig auch diese Privatgärten im Totenkult waren, zeigen die sehr häufigen Darstellungen, die auf besondere Totenfeiern im Zentrum des Gartens hinweisen. Noch einmal wird die Mumie oder die Statue des Toten über den im Leben angelegten Teich gerudert und dorthin gebracht, wo der Verstorbene am liebsten weilte. Im Garten versammelt sich das Trauergeleit und übergibt die Opfergaben. In der Vorstellungswelt der Alten Ägypter wird sich die Seele jederzeit dieses Besitztums bedienen können, wie folgende Grabinschrift betont: ... "dass ich mich dann ergehen kann jeden Tag ohne Aufhören am Ufer meines Teiches, dass meine Seele sich ausruhe auf den Zweigen der Bäume, die ich gepflanzt habe, und mich erfrische im Schatten unter meiner Sykomore."
In der Säulenhalle, die die Gärten abschließen, lässt die Pharaonin von ihren Taten in Inschriften und Bildern erzählen: Gott Amon habe sie beauftragt, in seinem Hause (d.h. Tempel) einen Garten anzulegen. Seinem Wunsch folgend, rüstet sie eine Schiffsexpedition nach Punt (nach heutigen Vermutung Somalia) aus, um aus diesem Land der Götter Weihrauchbäume zu holen. Bilder des Tempels zeigen, wie die Expedition in Punt erfolgreich Kostbarkeiten aller Art sammeln, darunter 32 Weihrauchbäume für den Garten des Gottes. In Kübeln werden sie nach Ägypten gebracht und sie erfolgreich im Tempelgarten angepflanzt werden und so gedeihen, dass die Kühe unter ihnen grasen konnten.
Auch Ramses III. rühmt sich, zu Ehren des Gottes Amon fremdländische Gewächse heimisch gemacht zu haben. Auf dem Papyrus Harris heißt es bezüglich einer Tempelschenkung: "Ich schenke dir große Gärten, versehen mit ihren Baumstücken und Reben im Tempel des Atum, ich schenke dir Landstrecken mit Olivenbäumen in seiner Stadt On. Ich versah sie mit Gärtnern und zahlreichen Leuten, um reines Öl von Ägypten zu bereiten, um anzuzünden die Lampen in deinem prächtigen Tempel. Ich schenke dir Baumplätze und Gehölz mit Dattelpalmen, Weiher, versehen mit Lotosblumen, Binsen, Gräsern und Blumen jedes Landes für dein schönes Antlitz".
Den Höhepunkt erreichte die altägyptische Gartenbaukunst während der Zeit des Neuen Reiches zwischen 1550 und 1080 v. Chr., eine Phase, in der so berühmte Herrscher wie Thutmosis III., Echnaton, Ramses II. und Tutanchamun regierten.
Ich bin deine erste Schwester,
Ich bin für dich wie der Garten,
den ich gepflanzt habe mit Blumen
und allen süßduftenden Kräutern.
Schön ist der Kanal in ihm,
den deine Hand gegraben hat,
wenn der Nordwind kühl weht.
Der schöne Ort, wo wir uns ergehen,
wenn deine Hand auf meiner liegt,
und mein Herz wird satt von Freude,
weil wir zusammengehen.
Ein Rauschtrunk ist es, daß ich deine Stimme höre,
und ich lebe, weil ich sie höre.
Wenn immer ich dich sehe,
ist es mir besser als Essen und Trinken.
Darüber hinaus wurden in den Gräbern der Pyramiden Samen und Reste von einer Reihe von Gartenpflanzen gefunden. Besonders im Grab des Tutanchamun hat man viele Pflanzenreste gefunden. Zu den nachweisbaren Pflanzen zählen u.a.:
Akazien (Acacia nilotica), Lauch (Allium porrum), Balsamodendron, Ralamtes aegyptiaca, Zichorien (Cichorium Intybus), Dill, Sellerie, Echter Koriander (Coriandrum sativum), Bockshornklee, Citrullus edulis, Gurke (Cucumis sativus), Erdmandel (Cyperus esculentus), Echte Feige (Ficus carica), Hyphaene thebaica, Juniperus phoenicea, Mimusops ummeligella sativa, Granatapfel (Punica granatum), Ricinus communis, Rettich (Raphanus sativus), Sapindus, Weinrebe (Vitis vinifera).
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Gartenkunst im Alten Ägypten".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world