Als Gangschaltung bezeichnet man die Möglichkeiten zur Änderung des Übersetzungsverhältnisses zwischen den Pedalen und dem Hinterrad beim Fahrrad. Dadurch können Geschwindigkeit und/oder Kraftaufwand besser an die eigene Kondition und die Geländegegebenheiten angepasst werden. In Deutschland sind Gangschaltungen bei allen Fahrradtypen üblich. Neben Kindern gibt es jedoch auch erwachsene Fahrradliebhaber, die mit Fahrrädern ohne Gangschaltung, sogenannten Eingangrädern fahren.
Die Schaltung wird in der Regel durch geeignete Schalthebel an Lenker oder vorderem Rahmen über Bowdenzüge betätigt. Neben den üblichen Schalthebeln sind auch Drehgriffe und Zweihebelgriffe (Triggergriffe, je ein Hebel für Aufwärts und Abwärts) produziert worden.
Technik
Unterschieden werden dabei:
- Kettenschaltung, bei der mehrere Zahnräder (Ritzel) am Hinterrad oder zusätzlich mehrere Kettenblätter vorne vorhanden sind und die Kette mittels eines Schaltwerks (hinten) oder Umwerfers (vorne) auf die verschiedenen Zahnräder gelegt werden kann. Eine Ausnahme bildet hier das Retrodirect (s.u.), bei dem die Schaltung über zwei Freilaufnaben realisiert ist und durch die Umkehrung der Tretrichtung geschaltet wird.
- Nabenschaltung, bei der mit einem Planetengetriebe die verschiedenen Übersetzungsverhältnisse eingestellt werden können.
sowie (seltener):
- kombinierten Ketten- und Nabenschaltungen mit wesentlich erhöhter Ganganzahl.
- elektrische (Elektronische) Schaltung: Reguläre Schaltung mit Betätigung des Schaltwerks durch eine elektrische Schaltung statt Bowdenzug. In einem Einzelfall statt vorderem Umwerfer eine Art Zahnkranzweiche.
- Tretlagerschaltung, bei der mit einem Getriebe das Übersetzungsverhältnis im Tretlager, zwischen Kurbel und Kettenblatt, geändert werden kann. Diese können als Planetengetriebe oder als zweiachsiges Zugstiftgetriebe realisiert werden.
- Retrodirect (um 1920): Mischung aus zwei Freilaufnaben und doppeltem Kettenumlauf hinten. Zwei Gänge, durch Vorwärts- bzw. Rückwärtstreten geschalten.
- Kettenschaltung mit starrem Umwerfer und quer bewegendem Ritzelpacket auf der Achse: "Ultra-Shift"
- elektrisch betätigte Kettenschaltung mit im vorderen Kettenblatt eingebauten "Weichen".
- stufenlose und teils automatische Schaltungen durch variablen Durchmesser des vorderen Kettenblattes. Verschiedenen Bauarten, etwa der sog. "Deal-Drive", Experiment bzw. ohne weite Verbreitung beim Fahrrad.
begriffliche Abgrenzung
Der Begriff wird auch im Zusammenhang mit der Veränderung von
Getriebeübersetzungen von
Maschinen und
Automobilen verwendet. Damit ist umgangssprachlich die Möglichkeit bzw. der entsprechende Hebel der Einrichtung zur Änderung der
Getriebeübersetzung gemeint.
Gangschaltung | Getriebelehre | Bicycle gearing