Das so genannte Ganggrab ist eine für den Nordkreis der Trichterbecherkultur derart charakteristische Form der Megalithanlage, dass ihr zunächst eine eigene Zeit zugeordnet wurde. Die Ganggrabzeit lag danach zwischen der Dolmen- und der Steinkistenzeit. Die neue Forschung sieht in ihm allerdings aufgrund der Bautrupptheorie nur eine Variante des Dolmens, die regional mehr oder weniger beherrschend (besonders in der Drenthe und im Emsland) auftritt. In Dänemark sind etwa 600 von den 2.087 erhaltenen Anlagen Ganggräber.
Das Ganggrab heißt in Dänemark Jættestue („Riesenstube“), in Schweden Gånggrifter, in Frankreich Dolmen à Couloir und in Großbritannien passage tomb. Die westeuropäischen Anlagen haben aber nur in der Übersetzung den gleichen Namen, baulich sehen sie völlig anders aus. Der Unterschied zwischen den verschiedenen Dolmentypen im Nordkreis und dem Ganggrab ist der, dass der Zugang des Ganggrabes quer zur Längsachse der Kammer (lateral) erfolgt, während er bei allen rechteckigen Dolmen axial liegt. Von dieser einheitlichen Klassifikation weicht Schweden allerdings ab, da es alle Anlagen mit längeren Gängen als Ganggräber bezeichnet. Quadratische oder runde Anlagen (im Bild rechts) werden in der Regel zu den Dolmen gerechnet. Das Breiten/Längenverhältnis der Ganggräber liegt im Allgemeinen bei 1:1,2 bis 1:6. Im Nordkreis überschreiten dieses Maß nur die langen Emsländischen Kammern mit bis zu 1:14 recht deutlich (Werlte: beinahe 30 Meter lang). In den Niederlanden existiert als Variante des Ganggrabe das Prortalgrab (nicht zu verwechseln mit dem Portal tomb der Britischen Inseln). Es besitzt keinen (nachweisbaren) lithischen Gang. sh. Dolmenzugang
Während es beim Ganggrab zunächst nur Deckenkonstruktionen gibt, die ihre Statik aus der Tragfähigkeit einer Dreipunktauflage (im Bild links) gewinnen, ist der finale architektonische Schritt die im Findlingsbau auf die Anlagen im Nordkreis beschränkt gebliebene Jochkonstruktion. Bei ihr sind drei Steine (ein Joch) trilithenartig verbaut. Weil diese Zweipunkt-Auflage aber bei unbearbeiteten Natursteinen höchst instabil ist, stützen sich die Deckensteine in Jochbauweisen seitlich aneinander ab. Die beiden Enden in einer Jochreihe müssen allerdings stets aus Dreipunktauflagen bestehen, da sie der ganzen Konstruktion ihren Halt geben.
Grundsätzlich ist zu sagen, dass im europäischen Megalithanlagengebiet alle nur theoretisch denkbaren Gestaltungsmöglichkeiten für einen aus großen Steinen gestalteten Raum an irgend einer Stelle auch zur Ausführung kamen. Selbst die einfachste Möglichkeit der Raumgestaltung durch zeltartig aufgestellte Platten, die allée couverte à dalles inclinées (die Allee der gekippten Steine) kommt in der Bretagne (Castel-Ruffel, Lesconil) vor. Auch einige hessisch-westfälischen Steinkisten und schweizer Anlagen werden als Dolmen bezeichnet, obwohl sie, wie etwa Sion-Petit-Chasseur, laterale Zugänge haben.
Siehe auch Nordische Megalitharchitektur, Bautrupptheorie und Dolmenzugang
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