Das Gallische ist eine der vier belegten festlandkeltischen Sprachen. Sie ist dabei die am besten belegte dieser Sprachen – und durch die Asterix-Comics sicher auch die bekannteste.
Verbreitung und Quellen
Die Sprache wurde von verschiedenen
keltischen Völkern und Stämmen auf dem Gebiet des heutigen
Frankreichs,
Norditaliens, der
Schweiz, und möglicherweise
Südwestdeutschlands gesprochen. Von den
Römern wurden diese als
galli zusammengefasst. Die frühesten Belege der Sprache wurden auf das
4. Jahrhundert v. Chr. datiert, etwa im
3. Jahrhundert n. Chr. brechen die Belege ab. Die
keltischen Stämme selbst kannten keine
Schrift, erlernten das Schreiben jedoch von ihren Nachbarn. So sind gallische Inschriften in zwei
Alphabeten erhalten: teilweise in
griechischen und teilweise in
lateinischen Schriftzeichen.
Erhalten sind in gallischer Sprache eine Anzahl steinerner Inschriften (oft Weihinschriften und zum Teil zweisprachig: Latein und Gallisch), eine Vielzahl kurzer Graffiti auf Tonscherben (häufiges Muster: „X hat dies gemacht“), eine Anzahl bleierner Fluchtäfelchen, der Kalender von Coligny und einige weitere. Diese machten eine relative gute Rekonstruktion des Gallischen möglich, wobei die Sprache wohl immer eine Trümmersprache bleiben wird, da u. a. nur sehr wenige Verbformen, Adjektive usw. erhalten sind.
Sprachliche Merkmale
Das Gallische ist
sprachwissenschaftlich vor allem deshalb von großer Bedeutung, da es die aus dem
Indogermanischen über das
Gemeinkeltische ererbten
Endungen fast vollständig erhält. Formal hat es daher eine gewisse Ähnlichkeit mit dem
Lateinischen und anderen alten Sprachen. In der gängigen Unterscheidung der
keltischen Sprachen in
q-keltische und
p-keltische Sprachen zählt das Gallische zum P-Keltischen. Der Name einer Pferdegöttin lautet beispielsweise
Epona (vgl.
Latein equus „Pferd“, aber auch
griechisch hippos „Pferd“). Von den
inselkeltischen Sprachen steht das Gallische wie auch das
Lepontische und das
Galatische der
britannischen Gruppe nahe.
Sprachwissenschaftler wie Karl-Horst Schmidt gehen sogar von einer
gallo-britannischen Untergruppe innerhalb der
keltischen Sprachen aus. Von den
inselkeltischen Sprachen unterscheidet sich das
Festlandkeltische jedoch vor allem durch die Neigung zu
Anlautmutationen und den frühen Wegfall der ererbten
Endungen in der ersten Gruppe.
Sprachbeispiel
| Gallisch
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| Deutsch
|
| Segomaros Villoneos toutius namausatis eioru Belesamin sosin nemeton.
|
| Segomaros, Sohn des Villonos (oder Villu), Bürger von Nîmes, hat der (Göttin) Belesama dieses Heiligtum gestiftet.
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Literatur
- Xavier Delamarre: Dictionnaire de la langue gauloise . Une approche linguistique du vieux-celtique continental. Errance 2003.
- G. Devoto: Criteri linguistici e criteri archeologici nella definizione del problema gallico. in: Celtica. 3.1956, 324-331.
- G. Dottin: La langue gauloise. Paris 1920.
- Pierre-Yves Lambert: La langue gauloise. Description linguistique, commentaire d'inscriptions choisies. Paris 1994.
- Michel Lejeune (Hrsg.): Recueil des inscriptions galloises. vol. I. Textes gallo-grecs. Paris 1985.
- Leo Weisgerber: "Die Sprache der Festlandkelten." in: Berichte der römsch-germanischen Kommission. 20.1931, 147-226.
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