122 Galerius.jpg Galerius (* um 250; † 311 in Serdica), mit vollem Namen Gaius Galerius Valerius Maximianus, war von 305 bis zu seinem Tod 311 Kaiser des römischen Reiches. Neben Diokletian war er einer der vier Tetrarchen.
Galerius war ursprünglich der Überlieferung zufolge ein illyrischer Hirte und stammt aus der Gegend von Serdica. Um 250 geboren, begann er seine militärische Laufbahn unter Aurelian und diente später auch unter Probus. Galerius stieg zu höchsten Ehren auf.
Um mehr Sicherheit im Reich und speziell im Kaisertum zu gewährleisten, sollte im ausgehenden 3. Jahrhundert die Verantwortung über die Provinzen unter vier gleichberechtigten Herrschern aufgeteilt werden. Das System der Tetrarchie sah vor, dass zwei älteren Augusti zwei jüngere, durch ihre Tapferkeit ausgezeichnete Caesares zur Seite gestellt werden. Diocletian, nun unter dem offiziellen Namen Gaius Aurelius Valerius Diocletianus, ernannte im Jahre 285 (286?) Aurelius Valerius Maximianus zum Augustus für den Westen und beide hatten fortan denselben Rang inne. Als Caesares wurden 293 Gaius Galerius Valerius Maximianus und Flavius Valerius Constantius I. gewählt. Des Ersten Zuständigkeitsbereich bildete fortan der Osten des Reiches, letzter bekam die Regentschaft im Westen mit Gallien und Britannien übertragen.
Am 1. März 293 wurde Galerius von Kaiser Diokletian im Zuge der Einrichtung der Tetrarchie zum Mitkaiser (Caesar) für den Osten des Reiches ernannt. Galerius verließ seine erste Frau und heiratete Valeria, die Tochter Diokletians. 294 kämpfte Galerius in Ägypten und 295 bei Ktesiphon gegen die Sassaniden. 297/298 besiegte er den Perserkönig Narseh (auch: Narses), wofür ihm in seiner Residenzstadt Thessaloniki ein Triumphbogens errichtet wurde. Nachdem der Kaiser im Jahre 305 den Platz seines ausgeschiedenen Augustus Diocletian einnahm, schien seine Macht größer denn je zu sein. Ab sofort regierte er, mit Unterstützung seines Caesars Maximinus Daia, ein ausgedehntes Reich, welches sich über den ganzen Balkan sowie Kleinasien erstreckte. Inzwischen war auch Constantius I. Chlorus im Westen zum Augustus aufgestiegenen, dessen vormaliges Amt nun durch Flavius Valerius Severus besetzt wurde. Als schließlich 306 Konstantin, der Sohn des Constantius I., und 307 Maxentius, der Spross des ehemaligen Augustus Maximian, als Usurpatoren auftraten, geriet das vormals stabile tetrarchische Herrschaftssystem aus dem Gleichgewicht. Die 308 auf der Konferenz zu Carnuntum zwar mühsam restaurierte Tetrarchie löste sich mit dem Tod des Galerius 311 auf.
Galerius gilt, zumindest dem propagandistischen Kirchenlehrer Lactantius zufolge, als Anstifter der Christenverfolgung unter Diokletian und führte diese auch nach dessen Rücktritt 305 als sein Nachfolger im Amt des Augustus neben Constantius († 306) und Konstantin I. (306–337) fort. Am 30. April 311, kurz vor seinem Tod, verfügte er jedoch das Toleranzedikt von Nikomedia. Durch den Erlaß wurde die Christenverfolgung beendet und das Christentum zur religio licita, indem er den Christen Zusammenkünfte erlaubte, soweit diese die öffentliche Ordnung nicht störten. Auch billigte, vielmehr gebot der Erlaß des totkranken Tetrarchen, die Wiederherstellung der christlichen Kirchen. Durch das Toleranzedikt wurden zum erstenmal in der Geschichte Christen in gewisser Weise gesetzlich anerkannt (Grant).
Laktanz und andere christliche Kirchenlehrer und Apologeten schildern Galerius als Bösewicht und Scheusal, das er verlässlicheren Quellen zufolge wohl gar nicht war. Zwar galt er, wohl aufgrund seiner einfachen Herkunft, gemeinhin als ungehobelt, als Mann dem es am höfischen Schliff mangelte; andererseits wurde er aber auch als wohlmeinend und gerecht beschrieben.
The-tetrarchs.jpg Die Porphyrgruppe von San Marco in Venedig zeigt die Tetrarchen miteinander vereint, denn jeweils zwei der Kaiser sind mit einer engen Umarmung zu einem Paar verbunden. Ihr äußeres Erscheinungsbild deckt sich fast exakt, wodurch eine Benennung der Personen mit Hilfe ihrer Porträts unmöglich ist. Alle Figuren sind gleich groß, tragen eine gleich ausgearbeitete Schutzpanzerung und einen schweren Mantel. Sie sind mit einem Schwert bewaffnet und ihr Haupt wird von flachen Kappen bedeckt. Die Herrscher sind ohne individuelle Züge ihrer Persönlichkeit dargestellt, ihre Bildnisse, ganz im Sinne ihrer gleichberechtigten Regentschaft, beinahe einheitlich ausgearbeitet.
Die Kaiserpaare sind so angeordnet, dass jeweils ein bärtiger einem unbärtigen Mann gegenübersteht. Gesichtszüge, welche die Tetrarchen auszeichnen, sind ihr massiger, blockhafter Kopf, die großen leeren Augen, ihre kurze Nase, die leicht herabgezogenen Mundwinkel sowie die Rahmung des Gesichtes durch eine scharf verlaufende Haarlinie. Das Haar ist schematisch durch eingemeißelte Punkte oder Striche angegeben. Ein markantes Merkmal sind ihre stark zusammengezogenen Augenbrauen, wodurch den Bildnissen ein drohender Ausdruck eignet, wie dies fallweise auch bei den Soldatenkaisern der Fall ist. Stark ausgeprägte Stirnfalten (trux frons), die sich bis zu den Brauen fortsetzen, sind für Galerius kennzeichnend. Kraft und ein Furcht erregender Eindruck, dem eine apotropäische Wirkung zugeschrieben wurde, sollte durch das Kaiserbildnis vermittelt werden.
Anfangs neigte man dazu, in jedem Paar einen Augustus und einen Caesar zu sehen, mittlerweile gilt jedoch als erwiesen, dass jeweils zwei Augusti und zwei Caesares gemeinsam dargestellt sind. Rollt man die Eckgruppe in eine Gerade auf, so stellen die beiden Kaiser auf der linken Seite die Caesares, die rechts die Augusti dar. Grundsätzlich stimmen alle vier Bildnisse in ihren Gesichtsformen überein, eine Abweichung bildet lediglich die Angabe eines Bartes bei zweien sowie die besonders strenge Miene des links stehenden Caesars. Aufgrund dieser ausgeprägten Stirnzeichnung wird angenommen, dass es sich bei dieser Figur um Galerius handelt, der auch in anderen Porträts in diesem Typus erscheint. Seine Mitregenten wären demnach an sein individuelles Bildnis angepasst worden. Die Benennung der Tetrarchen der Porphyrgruppe von links nach rechts wäre somit folgende: die Caesares Galerius und Constantius, sodann die Augusti Diocletianus und Maximianus.
Als weitere Denkmäler, auf denen Tetrarchen erscheinen, seien die Porphyrgruppe im Vatikan, der Galeriusbogen von Thessaloniki und der Konstantinsbogen zu nennen.
Verkörperte Galerius in jungen Jahren einen ansehnlichen Mann von kräftigem Körperbau, so nahm seine Gestalt mit der Zeit an Fülle zu. Dies kann bei der Unterscheidung der Bildnisse des Galerius als Caesar von späteren als Augustus hilfreich sein. Gekennzeichnet ist sein Porträt durch die grobe Bearbeitung, seinen starken Hals und die bereits genannten charakteristischen Stirnfalten. In den meisten Fällen trägt Galerius einen Bart. Bei Bildnissen ohne einen solchen wird vermutet, dies sei auf seine – allerdings erst kurz vor seinem Tod erfolgte – Tolerierung des Christentums zurückzuführen. Die strikte, gleichmäßige Abgrenzung des Haares, die gerade Nase, weit aufgerissene Augen mit stark angehobenen Brauen, teilweise Ansätze eines leichten Doppelkinns ebenso wie die gerade verlaufende Haarlinie sind für das Porträt des Kaisers charakteristisch. Insgesamt herrscht in seinem Bildnis Harmonie in der Komposition vor, sein Gesichtsausdruck vermittelt einen angespannten, misstrauisch prüfenden Blick. Das Bildnis des Galerius erscheint nicht nur auf rundplastischen Denkmälern, sondern auch auf Münzen. Sinnesträger wie Augen und Ohren sind stark betont, das Haar wird durch parallel verlaufende Linien angedeutet, sein Hals weist einen enormen Umfang auf und das typische Stirnmotiv ist selbst auf diesen kleinen Bildträgern gut zu erkennen. Aufgrund dieser Charakteristika war es für die antike Bevölkerung möglich, ihren Kaiser zu identifizieren, wenngleich sein Name freilich in der Umschrift der Münze angegeben ist. Münzen, die wichtige Informationsträger waren und sind, ermöglichten den Herrschern eine Darstellung ihrer selbst. Durch die rasche Verbreitung der Zahlungsmittel wusste innerhalb kurzer Zeit jeder römische Bürger über das Aussehen des amtierenden Kaisers und dessen laufende Programme Bescheid, und so war die Münze als propagandistisches Mittel gut geeignet.
Die Vereinfachung der Strukturen, wie sie beim Porträt des Galerius anzutreffen ist, begegnet ebenso bei Bildnissen unbekannter Personen jener Zeit.
Eine wichtige antike Quelle für Galerius ist das Geschichtswerk des Zonaras. Michael DiMaio hat in seinem Buch Zonaras’ Account of the Neo-Flavian Emperors (1977) auf S. 98f. die Quellenlage zu Galerius unter besonderer Berücksichtigung des Zonaras zusammengefasst.
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