Milchstraße ist die Bezeichnung für die bandförmige Aufhellung am Nachthimmel, die als hervortretende Symmetrieebene des Milchstraßensystems nahezu längs eines Großkreises die Himmelskugel umspannt. Der Begriff steht gelegentlich auch als abkürzende Bezeichnung für das Milchstraßensystem selbst, auch Galaxis genannt. Das Sternensystem vom Typ einer Balkenspiralgalaxie ist die Heimat unseres Sonnensystems. Andere, extragalaktische Sterneninseln werden Galaxie genannt.
Auch die afrikanischen San fanden für die Milchstraße einen sehr poetischen Namen: „Das Rückgrat der Nacht“.
Erst 1609 konnte Galileo Galilei durch Beobachtungen mit dem Teleskop die wahre Natur der Milchstraße entdecken und sie zumindest teilweise in ihre einzelnen Sterne auflösen.
Zur ersten Vorstellung der Scheibenform gelangte bereits Wilhelm Herschel im Jahr 1785 aufgrund systematischer Sternzählungen (Stellarstatistik).
Die Gesamtmasse der Milchstraße wird auf 1,9 Billionen Sonnenmassen geschätzt, damit ist sie die mit Abstand massereichste Galaxie der lokalen Gruppe (vgl. Andromedanebel: 1,2 Billionen).
250px-Milchstrasse_Spiralarme.png Die Spiralstruktur der Galaxis konnte durch die Beobachtung der Verteilung von neutralem Wasserstoff bestätigt werden. Die entdeckten Spiralarme wurden nach den in ihrer Richtung liegenden Sternkonstellationen benannt.
Die Zeichnung rechts stellt den Aufbau der Milchstraße schematisch dar. Das Zentrum ist nicht sichtbar, es schattet auch den hinter ihm liegenden Bereich ab. Unsere Sonne (gelber Kreis) liegt zwischen den Spiralarmen Sagittarius und Perseus, auf dem lokalen Arm, auch Orionarm genannt. Vermutlich ist dieser Arm nicht vollständig, siehe braune Linie in der Abbildung. Im Verhältnis zu dieser unmittelbaren Umgebung bewegt sich die Sonne mit etwa 30 km/s in Richtung des Sternbildes Herkules. Der innerste Arm ist der Norma-Arm (auch 3 kpc-Arm), der äußerste (nicht in der Abbildung) ist der sogenannte Cygnus-Arm, welcher vermutlich die Fortsetzung des Scutum-Crux-Arms ist.
Die Entfernung zu W3OH, einem Sternentstehungsgebiet im Perseus-Arm (blaues Kreuz) konnte mittels Triangulierung und VLBA direkt gemessen werden. Sie beträgt 6357 ± 130 Lichtjahre *. Die Messung basiert auf einem VLBA mit einer Basislänge von ca. 8000 km bei einer Radiofrequenz von 12 GHz.
| Standardname | Alternativer Name | Astronomisch |
|---|---|---|
| Norma-Arm | 3-kpc-Arm (-Ring) | kein |
| Scutum-Crux-Arm | Centaurus-Arm | -II |
| Sagittarius-Arm | Sagittarius-Carina-Arm | -I |
| Orion-Arm | Lokaler Arm | 0 |
| Perseus-Arm | kein | +I |
| Cygnus-Arm | Äußerer-Arm | +II |
Welche Prozesse für die Entstehung der Spiralstruktur verantwortlich sind ist bislang noch nicht eindeutig geklärt. Jedoch ist klar, dass die zu den Spiralarmen gehörigen Sterne keine starre Struktur darstellen, die sich in Formation um das Milchstraßenzentrum dreht. Wäre dies der Fall würde sich die Spiralstruktur der Milchstraße und anderer Spiralgalaxien, aufgrund der unterschiedlichen Bahngeschwindigkeiten, innerhalb relativ kurzer Zeit aufwickeln und unkenntlich werden. Eine Erklärung bieten sogenannte Dichtewellen. Dabei stellen die Spiralarme Zonen erhöhter Materiedichte und Sternentstehung dar, die sich unabhängig von den Sternen durch die Scheibe bewegen.
Die durch die Spiralarme verursachten Störungen in den Bahnen der Sterne können zu Resonanzen führen.
Eine weitere Gruppe ist die der mittelalten Sterne (Alter bis zu fünf Milliarden Jahre). Dazu zählen die Sonne und weitere Zwergsterne der Spektraltypen G, K und M, sowie einige Unter- und Rote Riesen. Der Metallgehalt ist hier deutlich geringer mit nur etwa 50 bis 100 Prozent dessen der Sonne. Auch ist die Bahnexzentrizität der galaktischen Orbits dieser Sterne höher und sie befinden sich nicht weiter als 1500 Lichtjahre über oder unterhalb der galaktischen Ebene.
Zwischen maximal 2500 Lichtjahren ober- und unterhalb der Hauptebene erstreckt sich die "Thick Disk". Dort befinden sich rote K und M Zwerge, weiße Zwerge, sowie einige Unter- und Rote Riesen, aber auch langperiodische Veränderliche. Ihr Alter erreicht bis zu zehn Milliarden Jahre und sie sind vergleichsweise metallarm (etwa ein Viertel der Sonnenmetallizität). Diese Population ähnelt auch vielen Sternen im Bulge.
Die galaktische Scheibe ist nicht vollkommen gerade, durch gravitative Wechselwirkung mit den Magellanschen Wolken ist sie leicht in deren Richtung nach unten gebogen.
Das Zentrum der Milchstraße liegt im Sternbild Schütze und ist hinter dunklen Gaswolken verborgen, so dass es im sichtbaren Licht nicht direkt beobachtet werden kann. Beginnend in den 1950er Jahren ist es gelungen, im Radiowellenbereich sowie mit Infrarotstrahlung und Röntgenstrahlung zunehmend detailreichere Bilder aus der nahen Umgebung des galaktischen Zentrums zu gewinnen. Man hat dort eine starke Radioquelle entdeckt, bezeichnet als Sagittarius A* (Sgr A*), die aus einem sehr kleinen Gebiet strahlt. Innerhalb dieser Region befindet sich, konzentriert auf ein Gebiet von 15,4 Millionen km Durchmesser, eine Masse von geschätzten 2,6 bis 4 Millionen Sonnenmassen. Es wird im allgemeinen davon ausgegangen, dass es sich dabei um ein supermassives Schwarzes Loch handelt. Diese Massenkonzentration wird von einer Gruppe von Sternen in einem Radius von weniger als einem halben Lichtjahr mit einer Umlaufzeit von etwa 100 Jahren, sowie einem schwarzen Loch mit 1300 Sonnenmassen in drei Lichtjahren Entfernung umkreist. Der dem zentralen schwarzen Loch am nächsten liegende Stern S2, umläuft das galaktische Zentrum in einer Entfernung von etwa 17 Lichtstunden in einem Zeitraum von nur 15,2 Jahren bei immenser Geschwindigkeit. Im Januar 2005 wurden durch das Chandra-Röntgenteleskop Helligkeitsausbrüche in der Nähe von Sgr A* beobachtet, die darauf schließen lassen, dass sich im Umkreis von ca. 70 Lichtjahren um Sgr A* 10.000 bis 20.000 schwarze Löcher befinden, die das supermassive zentrale Schwarze Loch in Sgr A* umkreisen.
Die Lokale Gruppe ist Bestandteil des Virgo-Superhaufens, der nach dem Virgohaufen in seinem Zentrum benannt ist. Auf diesen bewegt sich die Lokale Gruppe zu. Der lokale Superhaufen strebt mit anderen Großstrukturen dem Großen Attraktor entgegen.
Canisgalaxy 2mass big.jpg Die dem Milchstraßensystem am nächsten gelegene Galaxie ist der Canis-Major-Zwerg, mit einer Entfernung von nur 42.000 Lichtjahren vom Milchstraßenzentrum und 25.000 Lichtjahren von unserem Sonnensystem. Die Zwerggalaxie wird zur Zeit von den Gezeitenkräften der Milchstraße auseinandergerissen und hinterlässt dabei ein Filament aus Sternen, das sich um die Milchstraße windet, den sogenannten Monoceros-Ring. Ob es sich dabei allerdings tatsächlich um die Überreste einer Zwerggalaxie oder um eine zufällige, projektionsbedingte Häufung handelt ist derzeit noch nicht sicher. Andernfalls wäre die 50.000 Lichtjahre vom galaktischen Zentrum entfernte Sagittarius-Zwerggalaxie die nächste Galaxie, die ebenfalls gerade durch die Milchstraße einverleibt wird.
Laut allgemein anerkannten Computersimulationen bewegen sich die Andromeda-Galaxie und die Milchstraße auf Kollisionskurs. Sie nähern sich mit einer Geschwindigkeit von 120 bis 300 km/s und werden in circa zwei bis sechs Milliarden Jahren einander durchdringen und zu einem entsprechend größeren Sternsystem verschmelzen. Derzeit bewegt sich die Milchstraße noch in einem Abstand von rund 2,5 Millionen Lichtjahren um den Andromedanebel. Die Angaben im Einzelnen weichen noch sehr voneinander ab.
Individuelle Galaxie | Milchstraße
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