Das German Space Operations Center (GSOC), inzwischen auch Deutsches Raumfahrtkontrollzentrum genannt, ist das Mission Control Center des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen bei München.
Hauptaufgabe des GSOC sind Flugkontrolle und Flugleitung bemannter oder unbemannter Raumfahrtmissionen nationaler oder internationaler Ausrichtung.
Zur Zeit sind sieben Kontrollräume in Betrieb:
Nachdem die Bundesrepublik Deutschland in den 1960er Jahren beschlossen hatte, ein nationales Raumfahrtprogramm aufzulegen und sich in internationale Raumfahrtprojekte einzubringen, wurde der Gedanke an ein eigenes Raumfahrtkontrollzentrum konkret. 1967 legte der damalige Bundesfinanzminister Franz-Josef Strauß den Grundstein für den ersten Gebäudekomplex, welcher auch wenig später eröffnet wurde. Das "Gebäude 133" entstand in drei Bauphasen.
Bis 1985 konzentrierte sich der Standort Oberpfaffenhofen der damaligen Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR) immer mehr auf Raumfahrt. Dabei erhielt die bemannte Raumfahrt ein besonderes Augenmerk. In der Tat begleitete dann das GSOC zwei bemannte Missionen: Während der Mission D-1 / STS 61-A 1985 übernahm das GSOC die (Nutzlast-)Kontrolle über das Spacelab, während die Flugkontrolle weiterhin von Lyndon B. Johnson Space Center der NASA übernommen wurde. Zum ersten Mal wurde die Nutzlastkontrolle Operation Control Centre (POCC) einer US-amerikanischen Raumfahrtmission außerhalb der NASA-Zentren geleitet. Während dieser Mission verkündete der damalige Bayerische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß am 5. November 1985 ein umfangreiches Investionsprogramm, mit dem die Rolle Oberpfaffenhofens in der europäischen Raumfahrt gesteigert werden sollte.
Doch der Fehlstart einer Ariane 3 1985 sowie die Challenger-Katastrophe 1986 bremste die Entwicklung des Standortes Oberpfaffenhofen und damit die des GSOC spürbar. Trotzdem erhielt das GSOC durch das Investionsprogramm auch einen Neubau (heute "Gebäude 140"), dessen Grundsteinlegung am 4. April 1989 erfolgte.
Mit der Mission D-2 / STS-55 begleitete das GSOC den gesamten Betrieb und hatte die volle Nutzlastkontrolle über das Spacelab. Somit gab es zum ersten Mal einen ungefilterten Zugang zu allen Daten.
Nicht nur die Challenger-Katastrophe bremste die Entwicklung des GSOC. Die permanent schwieriger werdende Haushaltslage, die sich durch die Wiedervereinigung noch erheblich verschärfte, ließ nationale Raumfahrtambitionen schwinden. Die Mission EUROMIR 95 (Sojus TM-2) war die letzte nationale Mission, wobei die Nutzlastkontrolle bereits im Auftrag der ESA erfolgte.
2003 erhielt die DLR von der ESA den Zuschlag zum Bau und für die Kontrolle des Columbus-Moduls als europäischer Beitrag für die Internationale Raumstation ISS. Hierfür wurde ein eigenes Columbus-Kontrollzentrum eingerichtet, das seit 2005 betriebsbereit ist.
Das GSOC ist eines der beiden Gallieo-Kontrollzentren (Galileo Control Center - GCC) für das geplante europäische Galileo-Satellitennavigation-System. Der Dauerbetrieb wird zusammen mit dem anderen Gallieo-Kontrollzentrum, das im italienischen Fucino angesiedelt wird, überwacht. Als erstes wurde gemeinsam mit Italien der Betrieb des Galileo-Testsateliten GIOVE-A (Galileo In-Orbit Validation Element) vorbereitet. Seit seinem Start am 28. Dezember 2005 wird der Satellit vom GSOC überwacht.
Weiterhin ist die Einrichtung des Kontrollzentrums für die deutsche Galileo Test- und Entwicklungsumgebung GATE (Galileo Test Environment) in Planung, das 2006 den entsprechenden Betrieb übernehmen soll.
- bgcolor="#FFDEAD" | Mission | Jahr | Aufgaben / Anmerkungen |
|---|---|---|
| First Spacelab Payload (FSLP) | 1983 | |
| D-1 / STS 61-A | 1985 | Nutzlastkontrolle / Payload Operation Control Centre (POCC) |
| D-2 / STS-55 | 1985 | Nutzlastkontrolle / Payload Operation Control Centre (POCC) |
| MIR'92E | 1992 | Nutzlastkontrolle / Payload Operation Control Centre (POCC), Astronautenbetreuung |
| EUROMIR 95 / (Sojus TM-2) | 1995 | unterstützende Betriebsaufgaben |
- bgcolor="#FFDEAD" | Mission | Jahr | Aufgaben / Anmerkungen |
|---|---|---|
| AZUR | 1969/70 | Missionsbetrieb, Netzwerkbetrieb |
| AEROS 1 | 1972/73 | Missionsbetrieb, Steuerung, Überwachung |
| AEROS 2 | 1974/75 | Missionsbetrieb, Steuerung, Überwachung |
| HELIOS 1 | 1974-1986 | Missionsbetrieb, Steuerung, Überwachung |
| HELIOS 2 | 1976-1981 | Missionsbetrieb, Steuerung, Überwachung |
| AMPTE | 1984-1986 | Empfang, Verarbeitung und Archivierung der von GSOC empfangenen Daten |
| GALILEO | 1989-2003 | Während Mission Vorbereitung und Betrieb für die "Attitude and trajectory correction" Manöver; Analyse und Leistungsüberwachung des Retro-Propulsion Modules beim Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena. |
| ROSAT | 1990-1996 | Kontaktnahme über die Bodenstation Weilheim |
| EQUATOR-S | 1997/98 | Missionsbetrieb |
| MOMS-2P | 1997/98 | Nutzlastkontrolle / Payload Operation Control Centre (POCC) |
| CHAMP | seit 2000 | LEOP / Missionsbetrieb |
| BIRD | seit 2001 | LEOP / Missionsbetrieb |
| GRACE | seit 2002 | Missionsbetrieb |
- bgcolor="#FFDEAD" | Mission | Jahr | Aufgaben / Anmerkungen |
|---|---|---|
| SYMPHONIE A | 1974-1984 | Missionsbetrieb (abwechselnd mit dem französischen Kontrollzentrum); |
| SYMPHONIE B | 1975-1984 | Missionsbetrieb (abwechselnd mit dem französischen Kontrollzentrum); |
| TV-Sat 1 | 1989/90 | Positionierung des Kommunikationssatelliten, 1990 Übergabe an die Deutsche Bundespost Telekom; |
| TV-Sat 2 | 1989/90 | Positionierung des Kommunikationssatelliten, 1990 Übergabe an die Deutsche Bundespost Telekom; |
| DFS-Kopernikus 1 | 1989/90 | Positionierung des Kommunikationssatelliten, 1990 Übergabe an die Deutsche Bundespost Telekom; |
| DFS-Kopernikus 2 | 1990/91 | Positionierung des Kommunikationssatelliten, 1991 Übergabe an die Deutsche Bundespost Telekom; |
| DFS-Kopernikus 3 | 1992 | Positionierung des Kommunikationssatelliten, 1992 Übergabe an die Deutsche Bundespost Telekom; |
| Eutelsat II-F1 | 1990 | Positionierung des Kommunikationssatelliten, 1990, 17 Tage nach Start, Übergabe an das EUTELSAT Satellit Control Centre Paris; |
| Eutelsat II-F2 | 1991 | Positionierung des Kommunikationssatelliten, 1991, Übergabe an das EUTELSAT Satellit Control Centre Paris; |
| Eutelsat II-F3 | 1991 | Positionierung des Kommunikationssatelliten, 1991, zwei Wochen nach Start, Übergabe an das EUTELSAT Satellit Control Centre Paris; |
| Eutelsat II-F4 | 1992 | Positionierung des Kommunikationssatelliten, 1992, 11 Tage nach Start, Übergabe an das EUTELSAT Satellit Control Centre Paris; |
| Eutelsat II-F6 / Hot Bird 1 | 1995 | Positionierung des Kommunikationssatelliten, 1995, 10 Tage nach Start, Übergabe an das EUTELSAT Satellit Control Centre Paris; |
| Eutelsat W2 | 1998 | Positionierung des Kommunikationssatelliten, 19. Oktober 1998, 14 Tage nach Start, Übergabe an das EUTELSAT Satellit Control Centre Paris; |
| Eutelsat W3 | 1999 | Positionierung des Kommunikationssatelliten, 27. April 1999, 15 Tage nach Start, Übergabe an das EUTELSAT Satellit Control Centre Paris; Hot Standby" Phase bis 27. Mai 1999; |
| Eutelsat W4 | 2000 | Positionierung des Kommunikationssatelliten, 9. Juni 2000, 15 Tage nach Start, Übergabe an das EUTELSAT Satellit Control Centre Paris; Hot Standby" Phase A bis 9. Juli 2000; |
| Eutelsat W1R / EuroBird 1 | 2001 | Positionierung des Kommunikationssatelliten, 2001, 10 Tage nach Start, Übergabe an das EUTELSAT Satellit Control Centre Paris; |
| Eutelsat Hot Bird 6 | 2002 | Positionierung des Kommunikationssatelliten, 2002 Übergabe an das EUTELSAT Satellit Control Centre Paris; |
| Eutelsat W5 | 2002 | Positionierung des Kommunikationssatelliten, 2002 Übergabe an das EUTELSAT Satellit Control Centre Paris; |
| Giove-A | seit 2005 | Missionsbetrieb gemeinsam mit dem italienischen Galileo Control Center in Fucino; |
Matthias Gründer: Lexikon der bemannten Raumfahrt. Unter Mitarbeit von Karl-Heinz Ingenhaag und Horst Hoffmann. Berlin: Lexikon Imprint Verlag 2001, ISBN 3-89602-287-3
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