GAU ist ein Akronym. Die Buchstaben stehen für „Größter Anzunehmender Unfall“.
Der Ausdruck ist besonders im Umfeld der Kernenergie verbreitet, findet sich jedoch auch in der chemischen Industrie, in Raffinerien oder bei Flugzeugbauern. Es werden bei der Planung bestimmter Geräte, Anlagen oder Bauwerke oft sicherheitstechnische Überlegungen durchgeführt, bei denen auch Unfallereignisse angenommen werden. Die Beherrschung dieser Szenarien ist dann z. B. für eine Genehmigung nachzuweisen. Der schwerste der Auslegung nach noch beherrschbare Unfall wird dabei als GAU bezeichnet, weil er der größte für die Auslegung der Anlage angenommene Unfall ist. Oft wird die Abkürzung GAU synonym zum Begriff Auslegungsstörfall verwendet.
Entgegen dieser offiziellen Definition wird GAU umgangssprachlich in der Bedeutung "Maximal mögliche Katastrophe" verwendet. Meist ist damit ein Unfall gemeint, dessen negative Folgen durch die Sicherheitseinrichtungen nicht beherrscht wurden.
Bei Kernkraftwerken bezeichnet GAU den größten Unfall, den die Sicherheitssysteme noch so weit beherrschen müssen, dass daraus außerhalb der Anlage keine radioaktive Strahlenbelastung über den zulässigen Grenzwerten resultiert. Bei deutschen Kernkraftwerken mit Druckwasserreaktor ist dies beispielsweise ein Bruch der Hauptkühlmittelleitung mit massivem Kühlmittelverlust.
Da mit der Zeit neue Erkenntnisse über mögliche Unfallabläufe gewonnen werden, kann es notwendig sein, dass die Definition des GAU für ein bestimmtes Kerkraftwerk verändert wird. Der GAU ist also keine Konstante, sondern muss immer wieder neu bewertet werden. Dies kann im ungünstigsten Fall zum Entzug der Betriebsgenehmigung führen oder die Nachrüstung von zusätzlichen Sicherheitseinrichtungen erfordern.
Ein Beispiel dafür sind die Folgerungen aus dem Unfall in Three Mile Island. Dort entstand durch eine chemische Reaktion von Wasser mit dem heißen Material des geschmolzenen Reaktorkerns innerhalb weniger Stunden etwa tausend Tonnen gasförmiger Wasserstoff. Diese Gasentwicklung war in der Auslegung der Kernkraftwerke bis dahin nicht berücksichtigt worden. Einige Jahre nach dem Unfall wurden die Betreiber deutscher Kernkraftwerke verpflichtet, Vorkehrungen gegen diese Gefahr zu treffen. Dies geschah durch die Nachrüstung der Anlagen mit im Notfall zu betätigenden Ventilen (Wallmann-Ventil) und Rekombinatoren.
Im Fall einer kerntechnischen Anlage ist dies ein Unfall, bei dem Radioaktivität an die Umwelt freigesetzt wurde, die die gesetzlichen Grenzwerte überschreitet.
Vermutlich handelt es sich bei der landläufigen Begriffserklärung zum China-Syndrom um eine treffende Fehlinterpretation des englischen Wortes »china«. Der Begriff »china« wird im Englischen auch gleichbedeutend für Keramik und Porzellan verwendet und spielt auf schwer durchlässige Bodenschichten in einigen Metern Tiefe an, die eine Kernschmelze eventuell hindern könnten, weiter in Richtung Erdmittelpunkt zu wandern.
Bekannt wurde der Begriff durch den Film Das China-Syndrom, in dem er auch kurz erläutert wird.
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