Der Begriff Gütekraft wurde von Martin Arnold (1990) geprägt und stellt einen Versuch dar, den Begriff der Satyagraha von Mahatma Gandhi ins Deutsche zu übertragen und den Begriff der Gewaltfreiheit zu vermeiden, der zu eng greift. "Gütekraft bedeutet mehr, als keine Gewalt auszuüben. Gütekraft ist ein mögliches Element oder ein möglicher Aspekt des Prozesses aktiver Konfliktbearbeitung." (Martin Arnold) Gütekraft beinhaltet sowohl Entwicklung und Anwendung gewaltfreier Aktionen im politischen Raum als auch immer eine Entscheidung für einen Wert (Gerechtigkeit, Freiheit usw.) sowie die Verantwortung des Einzelnen, wertbegründete Entscheidungen zu treffen und die Folgen dieser Entscheidungen zu tragen. Das erfordert Mut, "soul force", das Wirken einer Kraft.
Gütekraft wird durch eine Reihe von Eigenschaften charakterisiert, die Haltung, Lebensweise, Beziehungen, Aktionen, Handlungen und Kommunikation bestimmen: geduldig, konstruktiv, kreativ, aktiv und offensiv, verändernd, gerecht, vielfältig, wahrhaftig, nicht verletzend, prozesshaft, selbstbestimmt, freiwillig. (Birgit Berg)
Die Gütekraft-Forschung, als eine Antwort auf die allgemein angemahnte Friedensursachenforschung, beschäftigt sich mit Fragestellungen, die eine systematische Bestimmung von Gewaltfreiheit bzw. Gütekraft ermöglichen. Das Forschungsprogramm, erst in Anfängen formuliert, fragt nach individuellen Voraussetzungen, Einstellungen und Haltungen, Deutungsmustern und Handlungsstrategien, Auswirkungen, allgemeinen und situativen Faktoren, nach Veränderungsfaktoren und notwendigen Modifikationen der bekannten Konfliktlösungsmodelle.
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