Guertelschnalle fcm.jpgGuertel.jpg stellen Gürtel für Männer wie Frauen einen wichtigen Teil der traditionellen Kleidung dar. Hier handgeknüpfte Gürtel ohne Schnalle in San Cristobal de las Casas]]
Ein Gürtel (Cingulum) ist ein um die Körpermitte getragenes Band, Geflecht etc., das zum Zusammenhalt und besseren Sitz der Kleidung dient oder auch lediglich als Schmuck betrachtet wird.
In vielen Kulturen war ein Gürtel auch ein Zeichen für Jungfräulichkeit, nach der griechischen Mythologie verlieh ihr Gürtel der Göttin Aphrodite ihren Liebreiz.
Da die Männer den Gürtel um die Lenden trugen, so heißt noch jetzt "die Lenden gürten" soviel wie sich zur Reise anschicken.
Geschichte
Aus der
Bronzezeit stammend sind häufig in Gräbern Gürtel aus Metallgliedern und Kettenschnüren gefunden worden.
Im Mittelalter war der Gürtel ein
Symbol für Kraft, Herrschaft, eheliche Treue und
Keuschheit. Die Hose des Mannes und der Rock der Frau wurden von einem Gürtel gehalten. Bei Adligen diente der Gürtel auch als Wehrgehänge zur Aufnahme des
Schwerts. Die Prunkgürtel der Männer und Frauen waren aus
Leder,
Brokat,
Samt,
Seide und anderen kostbaren Stoffen und mit
Goldschmuck,
Edelsteinen, Glasflüssen,
Stickereien etc. geziert. Im
12. Jahrhundert waren die Gürtel so lang, dass sie zweimal um den Leib gewickelt wurden. Im
13. bis
15. Jahrhundert wurden von Männern wie Frauen am Gürtel die
Almosentasche, im 15. Jahrhundert Glöckchen und bis zum Anfang des
17. Jahrhunderts an einer separaten Schnur oder Gürtelkette Beutel,
Zahnstocher, Schere, Essutensilien und Messer getragen.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde der so ausgestattete Gürtel meistens unter dem obersten Rock getragen. Im 17. und 18. Jahrhundert verlor er an Bedeutung, da er die Kleidung nicht mehr zusammenhalten musste. Stattdessen waren Schärpen für Männer und Frauen in Mode. Etwa 1835 legten Damen den Gürtel ganz ab, um ihn erst vor 1900 wieder in die Garderobe aufzunehmen. Um 1890 wurde der Gürtel für Männer als Ersatz für die Hosenträger in den USA populär.
Gürtelarten
Heutzutage gibt es Gürtel für die Beinkleider (
Hose für Mann und Frau,
Rock für die Frau) aus mehr praktischen (Halt) als dekorativen Gründen. Fast jedes Beinkleid hat
Gürtelschlaufen, um Gürtel einzuführen. Während Männer den Gürtel links einschlaufen, ist es bei Frauen umgekehrt. Dementsprechend sind auch die
Gürtelschnallen seitenverkehrt. Breite Gürtel sind oft rundgeschnitten, um eine bessere Anpassung an die Körperform zu erreichen.
Verschlüsse
Zum Verschluss von Gürteln dienen Schnallen, Koppelschlösser und Haken; Gürtel ohne spezielles Schließteil können, falls sie aus hierfür geeignetem Material bestehen, durch Knoten geschlossen werden (sog. "Bindegürtel").
Verschiedene Gürtel
- Schutzgürtel sollen bei manchen Sportarten (z. B. Gewichtheben, Kraftdreikampf) die Muskulatur schützen.
- Einsatzgürtel (hier auch zum Teil: Leibriemen) werden auch verwendet, um Gegenstände daran zu befestigen:
- Nietengürtel sind typische Gürtel in der Rock-, Metal-, Punk- und Gothic - Szene. Sie kommen in verschiedenster Art und Weise vor, manche mit Pyramidennieten, andere mit den sog. Killernieten. Killernieten sind in der Regel zwischen 0,5 cm und 5,5 cm lang. Die Gürtel haben unterschiedliche Mengen an Nieten. Es gibt auch Nietengürtel mit Lochnieten. Diese Gürtel haben viele Löcher die am Rand mit Metall versehen sind.
- Kampfgürtel. Im Kampfsport dient der (Texil-)Gürtel (Obi) auch zur Anzeige des Fortschrittsgrades eines Kämpfers.
- Leibgurt ist eine altertümliche Bezeichnung für einen Gürtel, der auch als kleine Tasche dient. Im Mittelalter diente ein Leibgurt häufig als Aufbewahrungsort von Geldmünzen, die in eingenähten Taschen auf der Gürtel-Innenseite verstaut wurden.
Literatur
Art. „Gürtel“, in:
HOOPS - Reallexikon der germanischen Altertumskunde, Band 13, Berlin / New York 1999
Siehe auch
Weblinks
Kleidung | Mittelalter
Belt (clothing) | ベルト