| Gämse | ||||||||||||
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| Rupicapra rupicapra 0.jpg | ||||||||||||
| : | Paarhufer (Artiodactyla) |
| : | Wiederkäuer (Ruminantia) |
| : | Hornträger (Bovidae) |
| : | Ziegenartige (Caprinae) |
| : | Gämsen (Rupicapra) |
| : | Gämse |
Im Sommer ist die Gämse schmutzig rotbraun, auf der Unterseite hell rotgelb, auf dem Rücken mit einem schwarzbraunen Streifen, an der Kehle fahlgelb, im Nacken weißgelblich. Die Hinterseite der Schenkel ist weiß, der Schwanz auf der Unterseite und an der Spitze schwarz. Von den Ohren verläuft über die Augen hin eine schwarze Längsbinde.
Im Winter ist die Gämse oben dunkelbraun oder braunschwarz, am Bauch weiß, an den Füßen und am Kopf gelblichweiß, auf dem Scheitel und an der Schnauze etwas dunkler. Beide Kleider gehen unmerklich ineinander über. Jäger unterscheiden das große, dunkelbraune Waldtier von dem kleineren, rotbraunen Grattier.
Das Tier hält sich am liebsten im oberen Waldgürtel auf, steigt im Sommer aber häufig weiter ins Gebirge empor. Wenn die Gämse weiter unten zu sehr gestört wird, geht sie selbst in die unzugänglichsten Gebiete, von wo aus sie dann mit Anbruch des Tages die Grasplätze zwischen den Felsen besucht. Gegen den Winter rückt sie weiter in die Wälder herab.
Weibchen und Jungtiere leben in Herden zu 15 bis 30 Tieren. Die soziale Bande ändert sich mit den Jahreszeiten. Im Sommer ist sie sehr intensiv; ein Tier der Herde ist zu dieser Zeit stets als Wächter abgestellt und warnt die anderen bei Gefahr durch einen Pfiff. Zum Winter hin wird der Herdenzusammenhalt lockerer, und manche Herden vermischen sich oder lösen sich auf. Böcke leben einzelgängerisch und suchen erst im Spätsommer eine Herde auf. Sie vertreiben die männlichen Jungtiere, wenn sie alt genug sind, und behaupten sich in Kämpfen gegen Geschlechtsgenossen. In der zweiten Novemberhälfte erfolgt dann die Paarung.
Ende Mai oder Anfang Juni wirft die Gämse ein, selten zwei oder drei Junge, die bald der Mutter folgen und drei Monate gesäugt werden. Im dritten Jahr ist das Junge ausgewachsen. Die Gamsböcke erreichen ein Alter von 15 Jahren, die Weibchen werden bis zu 20 Jahren alt.
Ihre Nahrung besteht aus jungen Trieben der Alpensträucher (Alpenrose, Erle, Weide, Wacholder, Kiefer) sowie aus Kräutern, Blätter und Gräsern, im Winter auch aus Moos und Flechten.
Die Jagd auf Gämsen findet meist im Hochgebirge statt, da durch die Bewirtschaftung von hochgelegenen Almflächen und Wäldern die Gamsrudel oft über die Baumgrenze ausweichen müssen, um mehr oder weniger ungestört leben zu können. Da Gämsen keinen steilen Grat und keine felsigen Gegenden scheuen, ist die Jagd mühsam und oft gefährlich. Der tatsächlich bejagbare Bestand ist oft sehr gering, da durch die widrigen Umweltbedingungen insbesondere im hochalpinen Winter viele Jungtiere nicht überleben. Auch sind Seuchen wie Räude und parasitäre und infektiöse Erkrankungen für eine hohe Todesrate mitverantwortlich.
Das Fleisch der Gämsen ist wohlschmeckend und wird hoch geschätzt; das Fell gibt schönes Leder, das vor allem zu Beinkleidern und Handschuhen verarbeitet wird. Die Hörner werden zu Stockgriffen und die Haare auf dem Widerrist als Hutschmuck (Gamsbart) verarbeitet. Im Magen der Gämsen findet man zuweilen die sogenannten Gämskugeln oder den deutschen Bezoar. Dieselben wurden wegen vermeintlicher arzneilicher Wirksamkeit ebenso wie das Gamsblut früher teuer bezahlt, sind aber ohne Wert.
Jung eingefangen, lassen sie sich mit Ziegenmilch ernähren und werden sehr zahm, bisweilen pflanzen sie sich in der Gefangenschaft fort. Auf den Alpen sollen Ziegen von Gämsböcken beschlagen werden und Bastarde zeugen, die sich schwer aufziehen lassen.
Für gewöhnlich werden, die Pyrenäen-Gämse nicht mitgerechnet, sieben Unterarten gezählt:
Insgesamt gibt es etwa 400.000 Gämsen. Darüberhinaus gibt es eine eingeführte Gämsenpopulation auf der Südinsel Neuseelands.
Die Gämsen Spaniens und Mittelitaliens werden heute als eigene Art angesehen: die Pyrenäen-Gämse (Rupicapra pyrenaica). Sie ist rötlicher gefärbt und hat größere weiße Bereiche an Hals und Flanken. Insgesamt sind die äußerlichen Unterschiede zwischen beiden Gämsen-Arten jedoch marginal. Trotz des Namens lebt die Pyrenäen-Gämse nicht nur in den Pyrenäen, sondern auch in anderen bergigen Gegenden des nördlichen Spanien. Die Population wird auf 35.000 Tiere geschätzt.
Als bedroht gilt ihre Unterart, die Abruzzengämse (R. p. ornata). Sie lebt nur im Abruzzen-Nationalpark in Mittelitalien. Die dortige Population umfasst zwar nur etwa 300 Tiere, gilt aber als relativ stabil. Darüberhinaus gibt es einige Tiere als Reserve in Zoologischen Gärten, etwa im Tierpark Hellabrunn in München.
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