| Neben der auf dieser Seite beschriebenen Funktionentheorie der Mathematik koexistiert die Funktionstheorie der Musikwissenschaften. Diese beiden Begriffe werden manchmal miteinander verwechselt.
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Die
Funktionentheorie ist ein
Teilgebiet der Mathematik.
Sie befasst sich mit den differenzierbaren
komplexwertigen Funktionen komplexer Variablen. Gebräuchlich ist auch die Bezeichnung
komplexe Analysis.
Komplexe Funktionen
Eine
komplexe Funktion ordnet einer komplexen Zahl eine weitere komplexe Zahl zu. Da jede komplexe Zahl durch zwei reelle Zahlen in der Form
geschrieben werden kann, sieht eine allgemeine Form einer komplexen Funktion so aus
- .
Hier sind und reelle Funktionen, die von zwei reellen Variablen
und abhängen. heißt der Realteil und der Imaginärteil der Funktion. Insofern unterscheidet sich eine komplexe Funktion nicht von einer
reellen Abbildung von nach (also einer Abbildung, die zwei reellen Zahlen wieder zwei reelle Zahlen zuordnet). Tatsächlich könnte man die ganze Funktionentheorie auch mit reeller Analysis behandeln. Der Unterschied zur reellen Analysis wird erst deutlicher, wenn man komplex differenzierbare Funktionen betrachtet.
Funktionen mehrerer komplexer Variablen
Es gibt auch komplexwertige Funktionen mehrerer komplexer Variablen. Das Studium dieser Funktionen ist wesentlich komplizierter als das der einfachen komplexen Funktionen und wird in diesem Artikel nicht weiter behandelt. Insbesondere gelten die meisten Ergebnisse der einfachen Funktionentheorie nur mehr mit Einschränkungen. Die Funktionentheorie mehrerer komplexer Variablen wird zum Beispiel in der
Quantenfeldtheorie benutzt.
Komplexe Differenzierbarkeit
Hauptartikel: Holomorphie
Der Differenzierbarkeitsbegriff der eindimensionalen reellen Analysis wird in der Funktionentheorie zur komplexen Differenzierbarkeit erweitert. Analog zum reellen Fall definiert man: Eine Funktion heißt komplex differenzierbar, falls der folgende Grenzwert existiert:
- .
Für eine exakte Definition muss dabei in einer Umgebung von definiert sein. Für den Grenzwert muss dabei der komplexe
Abstandsbegriff verwendet werden:
(y_1-y_2)^2} .
Damit sind für komplexwertige Funktionen einer komplexen Variablen zwei verschiedene Differenzierbarkeitsbegriffe definiert: die komplexe Differenzierbarkeit und die Differenzierbarkeit der zweidimensionalen reellen Analysis (reelle Differenzierbarkeit). Komplex differenzierbare Funktionen sind auch reell differenzierbar, die Umkehrung gilt im Allgemeinen nicht.
Cauchy-Riemann-Differentialgleichungen
Hauptartikel: Cauchy-Riemannsche Differentialgleichungen
Äquivalent zur komplexen Differenzierbarkeit sind die Forderungen an die reellen partiellen Ableitungen der Funktion:
\partial_x u(x+iy) = \partial_y v(x+iy)
\partial_y u(x+iy) = -\partial_x v(x+iy)
Cauchy-Formel
Hauptartikel: Cauchysche Integralformel
Durch Wahl eines geeigneten Integrationsweges kann man die Cauchy-Formel finden:
f(z) = \frac 1{2\pi i}\oint \frac{f(w)}{w-z}dw
Diese besagt, dass der Wert einer komplex differenzierbaren Funktion auf einem Gebiet nur
von den Funktionswerten auf dem Rand des Gebiets abhängt.
Holomorphe Funktionen
Funktionen, die in einer Umgebung eines Punktes komplex differenzierbar sind,
nennt man
holomorphe oder
analytische Funktionen. Diese haben eine Reihe hervorragender Eigenschaften, die es rechtfertigen, dass sich eine eigene Theorie hauptsächlich damit beschäftigt - eben die Funktionentheorie.
Zum Beispiel ist eine Funktion, die einmal komplex differenzierbar
ist, automatisch beliebig oft komplex differenzierbar! (Im Gegensatz zum reellen Fall).
Äquivalente Definitionen holomorpher Funktionen einer Variablen
In einer Umgebung einer komplexen Zahl
sind folgende Eigenschaften komplexer Funktionen gleichwertig:
- Eine Funktion ist einmal komplex differenzierbar
- Eine Funktion ist beliebig oft komplex differenzierbar
- Real- und Imaginärteil erfüllen die Cauchy-Riemannschen Differentialgleichungen und sind zumindest einmal reell stetig differenzierbar
- Die Funktion lässt sich in eine komplexe Potenzreihe entwickeln
- Das Wegintegral der Funktion über einen beliebigen geschlossenen zusammenziehbaren Weg verschwindet.
- Die Funktionswerte im Inneren einer Kreisscheibe lassen sich aus den Funktionswerten am Rand mit Hilfe der Cauchyschen Integralformel ermitteln.
- Es gilt mit
Holomorphe Funktionen sind somit sehr "angenehme" Funktionen: Sie sind beliebig oft differenzierbar, können in
eine Potenzreihe (Taylor-Reihe) entwickelt werden und vieles mehr.
Fast alle Funktionen, die aus der Schulmathematik bekannt sind, sind
Real- oder Imaginärteil einer komplexen Funktion (zumindest auf einem
Teil der komplexen Ebene): Insbesondere gilt das
für Polynome, rationale Funktionen, trigonometrische Funktionen
(Sinus, Kosinus), Exponentialfunktion, Logarithmus, und Wurzelfunktionen.
Meromorphe Funktionen
Meromorphe Funktionen sind bis auf isolierte
Polstellen holomorph. Sie lassen sich in
Laurentreihen entwickeln, die aber nur endlich viele Reihenglieder besitzen, bei denen
Potenzen mit
negativen
Exponenten vorkommen.
Funktionen mit wesentlichen Singularitäten
Neben holomorphen und meromorphen Funktionen gibt es in der Funktionentheorie Funktionen mit wesentlichen
Singularitäten. Sie sind dadurch charakterisiert, dass eine Funktion in der
Umgebung einer wesentlichen Singularität jeden beliebigen
komplexen Zahlenwert mit höchstens einer Ausnahme annehmen kann (
Satz von Picard). Funktionen mit wesentlichen Singularitäten haben eine nicht abbrechende Laurententwicklung für Potenzen mit negativen Exponenten.
Funktionentheoretische Methoden in anderen mathematischen Teilgebieten
Reelle Funktionen, die sich in eine Potenzreihe entwickeln lassen, sind
auch Realteil einer holomorphen Funktion. Damit lassen sich diese
Funktionen auf die komplexe Ebene erweitern. Durch diese Erweiterung kann
man oft Zusammenhänge und Eigenschaften von Funktionen finden, die
im Reellen verborgen bleiben, zum Beispiel die
Eulersche Identität.
Hierüber erschließen sich vielfältige Anwendungsbereiche in der
Physik (beispielsweise in der
Quantenmechanik die Darstellung von
Wellenfunktionen, sowie in der
Elektrotechnik zweidimensionale
Strom-
Spannungs-
Diagramme).
Diese Identität ist auch die Basis für die komplexe Form der
Fouriertransformation. In vielen Fällen lässt sich diese einfach durch komplexe Analysis berechnen.
Für holomorphe Funktionen gilt, dass Real- und Imaginärteil
harmonische Funktionen sind, also die Laplace-Gleichung erfüllen. Dies verknüpft die Funktionentheorie mit den partiellen Differentialgleichungen, beide Gebiete haben sich regelmäßig gegenseitig beeinflusst.
Das Wegintegral einer holomorphen Funktion ist vom Weg unabhängig.
Dies war historisch das erste Beispiel einer Homotopieinvarianz.
Aus diesem Aspekt der Funktionentheorie entstanden viele Ideen der
algebraischen Topologie.
Außerdem kann man die Wegunabhängigkeit verwenden, um reelle Integrale
zu berechnen, indem man die Integration in der komplexen Ebene durchführt
(siehe Residuensatz).
Weitere wichtige Themen und Ergebnisse
Wichtige Ergebnisse sind der
Cauchysche Integralsatz, der
Residuensatz und der
Riemannsche Abbildungssatz. Ein weiteres wichtiges Ergebnis ist der
Fundamentalsatz der Algebra. Er besagt, dass sich ein
Polynom im Bereich der komplexen Zahlen vollständig in
Linearfaktoren zerlegen lässt. Für Polynome im Bereich der reellen Zahlen ist dies im Allgemeinen nicht möglich.
Weitere wichtige Forschungsschwerpunkte sind die analytische Fortsetzbarkeit von holomorphen und meromorphen Funktionen auf die Grenzen ihres Definitionsbereiches und darüber hinaus.
Siehe auch
Grundlagen
Wichtige Sätze
Ganze Funktionen
Meromorphe Funktionen
Literatur
- Eberhard Freitag, Rolf Busam: Funktionentheorie, Springer, Berlin 2000, ISBN 3-540-67641-4
Funktionentheorie
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