Die Funkfernsteuerung (engl. radio control oder RC) ist der Einsatz von Funksignalen zur Steuerung einer technischen Vorrichtung aus der Ferne. Der Begriff wird meist verwendet, um die Steuerung von Modellautos, -booten, -flugzeugen oder -hubschraubern mit einem vom Piloten gehaltenen Steuergerät zu bezeichnen.
Nur für die ballistische V2-Rakete wurden bei 20 Flügen erstmals Fernsteuerungen in Form von Radarstrahlen angewendet. Aber auch hier war es nur möglich, 1 Bit (1 Kanal An/Aus) zu übertragen. Derartige Systeme wurden bis in die sechziger Jahre verwendet. Erst dann ermöglichte der Transistor proportionale Steuerungen.
Auch die Briten und die USA entwickelten Funksteuersysteme, um die Gefährdung der Besatzungen beim Einsatz gegen stark verteidigte Ziele zu verringern. Jedoch erwies sich keines dieser Systeme als in der Praxis verwendbar. Ein Gerät, Projekt Aphrodite, erwies sich als gefährlicher für seinen Benutzer als für das Ziel. Funksteuersysteme dieser Ära waren im allgemeinen elektromechanischer Natur. So wurde ein Radiogerät in einen Flugkörper eingebaut, das vom Steuerpult übertragene Signal wurde demoduliert und einem kleinen Lautsprecher zugeführt. Vor dem Lautsprecher waren einige kleine Metallzungen mit unterschiedlichen Resonanzfrequenzen angebracht und durch deren Schwingen wurden die Steuerimpulse für die Ruder ausgelöst.
Mit Einführung digitaler Technik hat der Funktionsumfang aktueller Fernsteuerungen drastisch zugenommen. Dabei lassen sich Funktionen frei austauschen und ihre Kennlinien verändern oder mit anderen Funktionen mischen. Weiterhin können Servos programmiert werden, um z.B. Drehrichtung, Einbauwinkel und Ruderstellungen nach dem Einbau zu justieren, was in analogen Systemen nur über Eingriffe in die Senderelektronik (Funktionsmodule) möglich ist. Bei Pulscodemodulation (SPCM, PCM) verbessert sich zusätzlich die Störanfälligkeit, da der Datenstrom digital auf Fehler geprüft werden kann. Bei Empfangsproblemen z.B. im Flug kann vom Empfänger ein definierter Ruderstand (Fail Safe, Hold) eingestellt werden. Weiterhin kann die Signalübertragung reaktionsschneller sein, da bevorzugt Kanalwerte übertragen werden, die sich geändert haben.
Bei der Pulscodemodulation, abgekürzt „PCM“, werden die Steuerfunktionen als numerische Werte in einem digitalen Datenstrom übertragen. Zusätzliche Prüfinformationen erlauben auch die Wiederherstellung stark verstümmelter Datenströme und erhöhen somit die Übertragungssicherheit. Zusätzlich erlauben zusätzliche Daten im Datenstrom Funktionen des Empfängers oder der Servos und Steller zu verändern.
Eine Funkfernsteuerung ist konzeptionell und meist auch im Aufbau in die Komponenten Sender, Empfänger und Servos oder Steller gegliedert:
Bei der Handhabung wird unterschieden zwischen Handsendern, wobei die Daumen i.a. auf den Steuerknüppeln aufliegen, und Pultsendern, die an einem Gurt getragen werden, und bei denen die Betätigung der Knüppel mit den Fingern bei aufliegendem Handballen erfolgt. Zu Steuerung von Auto- und Schiffsmodellen wird teils eine spezielle "Pistolen"-Bauform eingesetzt, wobei ein Drehring für das Ruder und ein Hebel für Gas/Motor genutzt wird.
Die Stellung der Hebel oder Regler wird intern durch Potentiometer abgenommen, in pulsweitenmodulierte Signale umgesetzt und in der HF-Stufe auf die Sendefrequenz moduliert.
In Europa sind die Frequenzbänder 27, 35, 40 und 433 MHz, in den USA auch 72 MHz für Fernsteuerungen zugelassen, wobei die genaue Frequenz am Sender durch Quarze festgelegt wird. Weiterhin sind in einigen Ländern auch Frequenzen in 41 und 75 MHz und im 2,4GHz Band zur Fernsteuerung von Modellen freigegeben.
In jedem Frequenzband sind nur wohldefinierte Frequenzkanäle verfügbar, die soweit auseinanderliegen, dass Nachbarkanalstörungen vermieden werden, was speziell bei Flugzeugmodellen fatal wäre. Insbesondere im 27-MHz-Band muss auch mit weiteren Störungen z.B. durch CB-Funk gerechnet werden, weshalb für Flugmodelle die 35- und 40 MHz-Bänder bevorzugt werden.
Programmierbare, sog. Computersender, meist mit LC-Display, ermöglichen die Einstellung der Servo-Parameter sowie Mischungen von Kanälen, die vor allem für Hubschrauber- und Flugmodelle gebraucht werden. Meist können Parameter-Sätze für eine Reihe von Modellen abgespeichert und schnell gewechselt werden. Weitere Funktionen hochwertiger Sender sind wählbare Modulationsverfahren (SPCM, PCM, PPM), austauschbare HF-Module für die unterschiedlichen Bänder oder auch eine Funktion zum Scannen freier Kanäle.
Der Empfänger benötigt ein zum Senderquarz passenden Empfängerquarz, dessen Frequenz allerdings um den Betrag der ersten Zwischenfrequenz von der Sendefrequenz abweicht, da er die Frequenz des Referenzoszillators einstellt.
Servos werden i.a. nach Gewicht (ab 4 g, Standard 40 g) und Drehmoment (z.B. 25 Ncm) klassifiziert, weitere wichtige Parameter sind Stellzeit (z.B. 0,15 Sekunden für 60 Grad) und Getriebeausführung (Kunststoff/Metall, ggf. Kugellager).
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