Full Metal Jacket aus dem Jahr 1987 ist ein Antikriegsfilm und eines der letzten Werke von Stanley Kubrick. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass der gesamte Film, der unter anderem in einem Armee-Ausbildungslager und in Vietnam spielt, in London auf einer Themseinsel gedreht wurde. Zur Ergänzung wurden lediglich Archivmaterial und eine Luftaufnahme eingearbeitet.
Der Name Full Metal Jacket bezieht sich auf die englischsprachige Bezeichnung für Vollmantelgeschosse (full metal jacket bullet).
Aufgrund der Verwendung zahlreicher rassistischer und sexistischer Schimpfwörter und Bemerkungen blieb dem Film in den USA und dem Vereinigten Königreich eine Jugendfreigabe verwehrt.
Joker und seine Kameraden werden nach der Ausbildung auf unterschiedliche Einheiten verteilt und nach Vietnam entsandt. Joker wird Kriegsberichterstatter für die US-Armee-Zeitung Stars ’n’ Stripes und bekommt die Grausamkeiten und Schrecken des Vietnam-Krieges zu Gesicht. Im Laufe des Films verschwimmen die realen Geschehnisse im Gefechtsfeuer und man wird von den Eindrücken, die auf der Leinwand geboten werden, förmlich umgeworfen. Joker trifft während eines Auftrags wieder auf einige seiner Kameraden, und erlebt den Krieg nun nicht mehr nur als Beobachter, sondern muss während der gerade stattfindenden Tet-Offensive aktiv daran teilnehmen. Dabei erlebt er, wie die Mitglieder der Einheit nacheinander von Heckenschützen, Minen und Sprengfallen getötet werden.
Joker und seine Kameraden machen am Ende des Films eine Scharfschützin in einer Ruine ausfindig und verletzen sie mit einem Schuss. Man sieht die Frau am Boden liegen; sie spricht mit letzter Kraft ein Gebet und in einem gebrochenen Englisch die Worte "(er-)schieß mich!". Die US-Marines diskutieren darüber, was mit ihr geschehen soll. Schließlich gibt Joker ihr den Gnadenschuss. In seinem Kopf hallen die Sprüche aus dem Ausbildungslager wider: „Du bist stark!“. Am Ende des Films leben nur noch einige wenige von Jokers Freunden.
Der Film basiert auf zwei Veröffentlichungen von Kriegsberichterstattern. Große Teile der Geschichte und viele der Figuren entnahm Kubrick dem Buch The Short Timers von Gustav Hasford. In diesem 1979 erschienenen Werk verarbeitete Hasford seine Erlebnisse als Sergeant im Marine Corps. Ausgebildet auf Paris Island in South Carolina von einem Drill Instructor namens Gerheim, diente er in Vietnam erst bei der Soldatenzeitung Stars 'n' Stripes und später in einer Kampfeinheit. Sein Kampfname lautete wie der der Hauptfigur im Film Joker. Kubrick und Hasford sollen sich nur einmal getroffen haben und konnten laut Aussage des zweiten beteiligten Autors Michael Herr, nicht viel miteinander anfangen. Herr war ebenfalls Kriegsberichterstatter in Vietnam, allerdings als Zivilist und für das Magazin Esquire. Seinem 1977 erschienenen Buch Dispatches sind nur einige kurze Passagen und Dialoge entnommen. Er half jedoch Kubrick als Berater bei der Umsetzung seines Projektes und schrieb große Teile des Scriptes.
Auch eine weitere Figur der Crew hatte einschlägige Erfahrungen. Der im Film als Gunnery Sergeant Hartman zu sehende Drill Instructor war eigentlich nur als Berater engagiert worden. R. Lee Ermey, so sein richtiger Name, diente einst selbst als Ausbilder im Marine Corps und sollte die entsprechenden Szenen überwachen. Als Demonstration seiner Fähigkeiten ließ er sich dabei filmen, wie er 15 Minuten lang ununterbrochen Öbszönitäten und Beleidigungen brüllte, ohne sich dabei zu wiederholen oder auch nur zu zögern, obwohl er die ganze Zeit über mit Tennisbällen und Orangen beworfen wurde. Stanley Kubrick war von dieser Vorstellung beeindruckt. Doch Ermey tat noch mehr, um die Rolle zu bekommen. Er fragte Kubrick selbst, ob er den Drill Instructor spielen könne. Als dieser verneinte, brüllte Ermey dem Regisseur den Befehl zu, aufzustehen und Haltung anzunehmen, wenn er angesprochen werde. Kubrick sprang instinktiv auf. Und gab Ermey anschließend die Rolle. Für diesen war sie der Beginn einer langen Filmkarriere, in der er vor allem Soldaten spielte.
Joker, Schneewittchen, Cowboy und Paula heißen im englischsprachigen Original Joker, Snowball, Cowboy und Gomer Pyle. Gomer Pyle war eine Sitcom des amerikanischen Fernsehens, die in den 60er Jahren ausgestrahlt wurde und einen einfachen Soldaten namens Gomer Pyle und seinen Ausbilder als Hauptfiguren hatte. Der Name wurde später als Synonym für Mannschaften übernommen. Kubrick hat ihn wohl als zynischen Kommentar eingearbeitet. Snowball ist der Name des Anführers in George Orwell's "Animal Farm".
Hauptdarsteller Matthew Modine veröffentlichte 2005 ein Buch über seine Erlebnisse während der Dreharbeiten. In "Full Metal Jackett Diary" beschreibt er unter anderem die Detailversessenheit Kubricks, wegen derer die Darsteller unter anderem 20 Jahre alte Original-Lebensmittelrationen aus dem Vietnamkrieg essen mussten.
Im gesamten Film werden immer wieder Passagen durch Jokers Gedanken, die dem Zuschauer mitgeteilt werden, untermalt und es baut sich eine depressive und antikriegerische Atmosphäre auf. Unterstrichen wird die depressive Stimmung noch durch ein metallisches, disharmonisches Industrial-Stück, das unregelmäßig wiederkehrt.
Der Film beobachtet das Geschehen kommentarlos, die teilnahmslose Kamerabegleitung der Soldaten und die Wiedergabe eines Dialogs, der größtenteils nur aus technischen oder belanglosen Äußerungen besteht, stellen den Krieg, losgelöst vom politischen Hintergrund, als Alltag dar. Diese Sichtweise hat dem Film bei seiner Veröffentlichung negative Rezensionen beigebracht. Kubrick verschafft seiner fiktiven Handlung dabei einen dokumentarischen Charakter.
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