Fritz Kortner (* 12. Mai 1892 in Wien; † 22. Juli 1970 in Berlin; eigentlich Fritz Nathan Kohn) war ein österreichischer Schauspieler, Film- und Theaterregisseur. Er war ein virtuoser Charakterdarsteller jener Schauspielkunst, die heute ihresgleichen sucht.
1914 wird Kortner bei Kriegsausbruch zum Wehrdienst einberufen, wird jedoch frontuntauglich geschrieben. Während des Krieges hat er erste Filmarbeiten in Wien: Frauenehre (1918), Der Sonnwendhof (1918) und Der Märtyrer seines Herzens (1918). Sesshaft wird er allerdings nicht, doch die Rollen an den Theatern werden bedeutender.
1919 hat er seinen Durchbruch in Berlin. Er spielt am Staatlichen Schauspielhaus den Mortimer in Maria Stuart von Friedrich Schiller und den Geßler in Wilhelm Tell unter der Regie von Leopold Jessner.
In den 1920er Jahren wird er zu einem der großen Theaterstars, die sich nach dem Ersten Weltkrieg einer neuen Theaterform verschrieben haben: dem Expressionismus. Seine größten Erfolge hat er mit folgenden Rollen: Hamlet, Othello, Danton. Doch über allem steht der Shylock im Der Kaufmann von Venedig von William Shakespeare. Sie wird für ihn zur Lebensrolle. Neben den Theaterarbeiten verstärkt er seine Aktivitäten beim Film. Auch hier hat er überwältigenden Erfolg. 1924 heiratet er die Schauspielerin Johanna Hofer. Sie begleitet ihn bis an sein Lebensende.
Die unruhigen Zeiten zu Beginn der 1930er Jahre veranlassen Kortner, seinen Wohnsitz bereits im Frühjahr 1932 nach Ascona zu verlegen. Als Adolf Hitler an die Macht kommt, befindet er sich auf einer Tournee durch Skandinavien und Osteuropa. Aus der Ferne trifft er die Entscheidung, nicht mehr nach Deutschland zurückzukehren. Über die Tschechoslowakei, dann über Wien - wo er am Theater in der Josefstadt von Max Reinhardt auftritt - und Paris emigriert die Familie Kortner nach England. Es folgen Filmarbeiten in England.
1937 geht Kortner nach New York, holt 1938 seine Familie nach, und es geht weiter nach Hollywood. Hier arbeitet er an Drehbüchern. Bis zu seiner Rückkehr nach Europa 1947 spielt er in neun Filmen mit, die künstlerisch allerdings nicht überzeugen.
Seit 1947 wieder zurück in Deutschland wird er in den 1950er Jahren zur Regie-Ikone des Theaters der Bundesrepublik Deutschland, obwohl Kortner nie Intendant eines Theaters war. Seine künstlerische Heimat werden die Münchener Kammerspiele unter Intendant Hans Schweikart und das Berliner Schillertheater unter Intendant Boleslaw Barlog. An den Kammerspielen inszeniert er bis 1967 siebzehn Stücke.
In den 1960er Jahren inszeniert Kortner erstmals am Burgtheater in seiner Heimatstadt Wien. Am 29. April 1970 kommt drei Monate vor seinem Tod am Wiener Theater in der Josefstadt Kortners letzte Regiearbeit heraus: Emilia Galotti (mit Klaus Maria Brandauer, Marianne Nentwich u.a.).
Der Kortner-Stil in Interpretation und Probenarbeit prägte eine neue Regie-Generation. Peter Stein und Jürgen Flimm sind als ehemalige Regie-Assistenten Kortners hier besonders hervorzuheben.
Am 22. Juli 1970 stirbt er nach langer Krebserkrankung in München.
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