Friedrich Theodor Vischer (* 30. Juni 1807 in Ludwigsburg; † 14. September 1887 in Gmunden am Traunsee) war ein deutscher Literaturwissenschaftler und Philosoph im Feld der Ästhetik, Schriftsteller und Politiker.
Nach dem ersten Examen ging Vischer in das Vikariat nach Horrheim. 1831 wurde er Repetent in Maulbronn. Nach der Promotion begab er sich auf eine Magisterreise über Göttingen, Berlin, Dresden, Prag und Wien nach München. 1834 wurde Vischer Repetent am Tübinger Stift, wozu er eine erfolgreiche Bewerbung auf eine Pfarrstelle in Herrenberg rückgängig machen musste. Bei Antritt der Repententenstelle war Vischer innerlich bereits der Universitätstheologie entfremdet.
Vom Sommer 1839 bis in den Herbst 1840 bereiste Vischer Italien und Griechenland und hielt darauf dann auch Vorlesungen zur Kunstgeschichte und Malerei, aber auch viel beachtete Kollegien zu Goethe, insbesondere zum Faust, und über Shakespeare. 1844 wurde er zum ordentlichen Professor ernannt und erhielt den neu geschaffenen Lehrstuhl für Ästhetik und deutsche Literatur. Das in der Antrittsvorlesung hervorgebrachte Bekenntnis zum Pantheismus führte zu einer zweijährige Suspendierung bei vollen Bezügen.
Kurz nach der Ästhetik folgte seine lange Zeit viel gelesene und noch heute bekannteste Veröffentlichung, der - auffällig mit seinen Texten in den Texten - formal kühne und psychologisch scharfsinnige Roman Auch Einer, in dem er u.a. den Ausdruck "Die Tücke des Objekts" prägte.
In den Jahren 1858 und 1860 unternahm Vischer weitere Studienreisen nach Italien. 1862 begab er sich zu einem Kur-Aufenthalt auf Norderney. In diesen Jahren verfasste er seine zwiespältig aufgenommene Satire auf Goethes Faust II mit dem Titel Faust. Der Tragödie dritter Teil.
1864 wurde Vischer in die Königlich Bayerische Akademie der Wissenschaften aufgenommen. 1866 wurde er erneut als ordentlicher Professor nach Tübingen berufen. 1867, 1870 und noch einmal 1881 unternahm Vischer weitere Reisen in den Norden Italiens. 1870 erfolgte eine (erfolglose) Kandidatur für den württembergischen Landtag. Im selben Jahr verlieh ihm der Württembergische König den mit dem Personaladel verbundenen Kronenorden. Anlässlich seines 80. Geburtstages erhielt Vischer von König Karl das Komturkreuz des Friedrichsordens. Vischer, der bis ins hohe Alter lehrte, verstarb auf dem Weg nach Venedig in Gmunden nach einer schweren Infektion.
Siehe Literaturverzeichnis.
Mann | Philosoph (19. Jh.) | Politiker (19. Jh.) | Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung | Autor | Literatur (19. Jh.) | Literatur (Deutsch) | Roman, Epik | Sachliteratur | Junghegelianer | Hegelianer | Deutscher | Geboren 1807 | Gestorben 1887
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