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Friedrich Naumann 1886.jpg | Hh-dulsberg-fnaumann.jpg]] Friedrich Naumann (* 25. März 1860 in Störmthal, heute zu Großpösna bei Leipzig; † 24. August 1919 in Travemünde) war evangelischer Theologe und ein liberaler Politiker zur Zeit des Kaiserreichs.

Naumann besuchte die Fürstenschule in Meißen und studierte danach Theologie in Leipzig und Erlangen. Danach war er in der Inneren Mission tätig, bis er 1896 den Nationalsozialen Verein gründete. Er war Gründungsherausgeber der Zeitschrift Die Hilfe (später von Theodor Heuss herausgegeben), die einen sozialen Liberalismus propagierte.

Nach dem der Nationalsoziale Verein mit der Freisinnigen Vereinigung fusionierte, war er 1907 bis 1910 Reichstagsabgeordeneter dieser Partei. Als durch die Zusammenfassung mehrerer liberaler Gruppen die Fortschrittliche Volkspartei gebildet wurde, vertrat er diese von 1910 bis 1918 im Reichstag.

Er war Mitbegründer des Vereins Deutscher Studenten und des Deutschen Werkbunds. 1906 trat Naumann wegen des Naumann-Streits aus dem VDSt aus.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde Friedrich Naumann der erste Vorsitzende der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) und Mitglied der Weimarer Nationalversammlung. Er gehörte dort dem "Ausschuss zur Vorberatung des Entwurfs einer Verfassung für das Deutsche Reich" an.

Nach Friedrich Naumann ist die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung benannt.

Ideen


Friedrich Naumann war ohne Zweifel ein "Wilhelminer". Zeitlich fällt sein politisches Wirken weit gehend zusammen mit der Regentschaft jenes letzten deutschen Monarchen (1888-1918), der dem Zeitalter den Namen gegeben hat. Aber auch in vielen Aspekten seines politischen Denkens war Friedrich Naumann durch die Epoche Wilhelms II. geprägt. Naumann befürwortete den wilhelminischen Militarismus mit seiner Kolonial- und Flottenpolitik. Mit seinem Werk „Mitteleuropa“ (1915) setzte er sich allerdings für einen engen wirtschaftlichen und milititärischen Zusammenschluss der mitteleuropäischen Länder unter deutscher Führung ein. Er fand dafür breite Unterstützung in der Öffentlichkeit, jedoch nicht bei der militärischen Führung. Nach der Niederlage setzte Friedrich Naumann alle Hoffnungen für den deutschen Wiederaufstieg auf innere Reformen, u. a. durch politische Bildungsarbeit in der eigens dafür von ihm gegründeten Staatsbürgerschule. Naumann war der Mittelpunkt eines umfangreichen Gesinnungs- und Freundeskreises, der sich sozial gesehen vom Großbürgertum über das Bildungs- und Kleinbürgertum bis in die Arbeiterschaft erstreckte. Dieses Netzwerk war ursprünglich hervorgegangen aus den Mitschülern Naumanns in St. Afra und den so genannten "jungen Wilden" im Evangelisch-Sozialen Kongreß, die wie Naumann nicht im konservativen oder gar antisemitischen Fahrwasser von Adolf Stoecker fahren wollten. Zum "Naumann- Kreis" gehörten damals und später hochberühmte Zeitgenossen wie Max Weber und Lujo Brentano, aufsteigende Geister wie Theodor Heuss und Elly Knapp, aber auch einige, die später - wie Gustav Stresemann - politisch ganz andere Wege gehen sollten. Friedrich Naumanns politisches, publizistisches und pädagogisches Werk wurde nach 1919 von seinen Schülern und Mitarbeitern wie Theodor Heuss, M. E. Lüders, Gertrud Bäumer und Wilhelm Heile fortgesetzt.

Schriften


  • Werke. Köln/Opladen: Westdeutscher Verlag, 1964.
  • Mitteleuropa. Berlin: Reimer, 1915.
  • Gesammelte Schriften. Berlin: Reimer, 1913.
  • Im Reiche der Arbeit. Berlin: Reimer 1913.
  • Neudeutsche Wirtschaftspolitik. Berlin-Schöneberg: Fortschritt, 1911.
  • Freiheitskämpfe. Berlin: Berlin-Schöneberg: Fortschritt, 1911.
  • Geist und Glaube. Berlin-Schöneberg: Fortschritt, 1911.
  • Die politischen Parteien. Berlin-Schöneberg: Buchverl. der "Hilfe", 1910.
  • Friedrich Naumann und Theodor Barth: Die Erneuerung des Liberalismus. Berlin-Schöneberg: Hilfe, 1906.
  • Demokratie und Kaisertum: Ein Handbuch für innere Politik. Berlin-Schöneberg: 'Hilfe', 1900.
  • "Asia". Athen, Konstantiopel, Baalbek, Damaskus, Nazaret, Jerusalem, Kairo, Neapel. Berlin-Schöneberg: 'Hilfe', 1899.

Literatur


  • Theodor Heuss: Friedrich Naumann: der Mann, das Werk, die Zeit. Stuttgart/Tübingen: Wunderlich, 1949
  • Andreas Lindt: Friedrich Naumann und Max Weber: Theologie u. Soziologie im wilhelminischen Deutschland. München: Kaiser, 1973
  • Peter Theiner: Sozialer Liberalismus und deutsche Weltpolitik: Friedrich Naumann im wilhelminischen Deutschland. Baden-Baden: Nomos, 1983, ISBN 3-7890-0729-3
  • Andreas Peschel: Friedrich Naumanns und Max Webers ´Mitteleuropa´. Eine Betrachtung ihrer Konzeptionen im Kontext mit den ´Ideen von 1914´ und dem Alldeutschen Verband Dresden: TUDpress, 2005, ISBN 3-938863-00-5
  • Philippe Alexandre F.N. und Frankreich, 1899-1919. Der Gegensatz von nationalem Ethos und untersuchender Vernunft bei einem Intellektuellen und Politiker der wilhelminischen Zeit in: Deutsch-franz. Wechselwirkungen, DVA-Stiftung Hg., Stuttgart 2003 (nicht im Handel)
  • Marc Zirlewagen: Friedrich Naumann, in: Marc Zirlewagen (Hg.): 1881–2006 – 125 Jahre Vereine Deutscher Studenten, Bd. 1: Ein historischer Rückblick, Pressburg 2006, S. 233-235.

Weblinks


Mann | Geboren 1860 | Gestorben 1919 | DDP-Mitglied | Reichstagsabgeordneter | Korporierter im VVDSt

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