Friedrich Ludwig Weidig, (* 15. Februar 1791 in Oberkleen; † 23. Februar 1837 in Darmstadt) war ein evangelischer Theologe, Pädagoge, Publizist und Turnpionier. Er wirkte vornehmlich als Lehrer in Butzbach, kurzzeitig als Pfarrer in Obergleen. Er war im heute hessischen Raum einer der maßgeblichen Protagonisten des Vormärz und Wegbereiter der Revolution von 1848.
Nach dem Vorbild Friedrich Ludwig Jahns führte Weidig mit seinen Schülern Turn- und Exerzierübungen durch und gründete (um 1814) einen Turnplatz auf dem Schrenzer (dem Butzbacher Hausberg), einem nordöstlichen Ausläufer des Taunus. Von späteren Historikern und Biographen wurde er deshalb auch als "hessischer Turnvater" tituliert.
Seit 1818 wird Weidig von den Behörden wegen politischer Betätigung im Schulunterricht, in den Predigten und privat überwacht; aus diesem Grunde wird er nicht zum Rektor der Schule befördert, obwohl er mittlerweile faktisch diese Stelle ausfüllt. Weidig gehört zu den Liberaldemokraten, die ein vereinigtes Deutschland als demokratischen Nationstaat anstreben. Deshalb reist er 1832 nach Südwestdeutschland und hilft bei den Vorbereitungen des Hambacher Fests, an dem er aber aufgrund der behördlichen Überwachung nicht teilnehmen kann.
1833 wird Weidig zum ersten Mal inhaftiert; doch er veröffentlicht trotzdem 1834 illegal vier Ausgaben des "Leuchter und Beleuchter für Hessen (oder der Hessen Notwehr)". Im selben Jahr tritt er erstmals mit Georg Büchner zusammen, eine Begegnung, die ihm schließlich zum Verhängnis wurde. Weidig arbeitete ein von Büchner vorgelegtes Manuskript zum "Hessischen Landboten" um. Druck und Verteilung der verbotenen Flugschrift wird maßgeblich durch Weidig und seine Schüler organisiert.
Seit dem 5. April 1834 ist Weidig vom Dienst suspendiert und wird in ein kleines Dörfchen namens Obergleen, das heute zu Kirtorf gehört, im Vogelsberg strafversetzt. Als das Projekt des "Hessischen Landboten" im Sommer 1834 verraten wird, flüchtet Büchner nach Straßburg, während Weidig sich weigert, mit seiner Familie in die Schweiz zu emigrieren. Daraufhin wird er verhaftet und im Juni 1835 ins Arresthaus nach Darmstadt verlegt, wo er am 23. Februar 1837 Selbstmord begeht, nachdem er zwei Jahr lang von den Untersuchungsrichtern (insbesondere dem Alkoholiker Konrad Georgi) unmenschlich gequält und körperlich misshandelt worden war. Die Briefe, die der kranke und verzweifelte Mann aus dem Gefängnis an seine Frau geschrieben hatte, wurden noch viele Jahre nach seinem Tod "aus staatspolizeilichen Gründen" zurückgehalten. Der Grabstein, auf dem seine Freunde vermerkt hatten, dass er ein Kämpfer für die Freiheit gewesen sei, wurde auf Befehl der Regierung vermauert.
Friedrich Ludwig Weidig ist der Namenspate der Weidigschule in Butzbach und der Weidigsporthalle in Oberkleen.
Weber, Ernst: Ein antiabsolutistisches Programm in Versen. Friedrich Ludwig Weidigs Liederbüchlein aller Teutschen (1815). - In: Georg Büchner Jahrbuch 8(1990-94) *, S. 126-209
Friedrich Ludwig Weidig, 1791-1837 : neue Beiträge zur 200. Wiederkehr seines Geburtstages /hrsg. vom Magistrat der Stadt Butzbach in Verbindung mit dem Butzbacher Geschichtsverein ; [Red.: Dieter Wolf und Annette Reiter. Beiträge: Hans-Joachim Müller u.a.. - Butzbach 1991 Bibliographie des Schrifttums 1918- 1990 (S. 136-180)
Heil, Bodo: Weidigs Nachleben. (Zum 150. Todestag Dr.Friedrich Ludwig Weidigs). - In: Wetterauer Geschichtsblätter 35(1986), S. 73-126
Mayer, Thomas Michael: Büchner und Weidig - Frühkommunismus und revolutionäre Demokratie. Zur Textverteilung des Hessischen Landboten. - In: Arnold, Heinz Ludwig (Hrsg.): Georg Büchner I/II, München, 1979 (Text + Kritik. Sonderband), S. 16-298 der 2., verbesserten und um ein Register vermehrten Auflage 1982, S. 16-298 u. 463
Mayer, Thomas Michael u.a. (Bearb.): Georg Büchner. Leben, Werk, Zeit. Eine Ausstellung zum 150. Jahrestag des "Hessischen Landboten". Katalog /unter Mitwirkung von Bettina Bischoff u.a. bearb. von Thomas Michael Mayer, Marburg 1985 wesentlich verbesserte u. vermehrte Aufl. 1986 ; 3.Aufl. 1987
Mihm, Karl: Alex. Friedrich Ludwig Weidig. Ein Beitrag zur Geschichte des vormärzlichen Liberalismus. In: Archiv für Hessische Geschichte und Altertumskunde, Neue Folge 15(1928), S. 348-384 u. 574-608 selbständig erschienen: Darmstadt 1929
Mann | Deutscher | Evangelischer Geistlicher (19. Jh.) | Geboren 1791 | Gestorben 1837
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