Friedrich List 1838.jpg Friedrich List (* 6. August 1789 in Reutlingen; † 30. November 1846 in Kufstein) war einer der bedeutendsten deutschen Wirtschaftstheoretiker. Als Kritiker der von liberalen Klassikern vertretenen Werttheorien betrachtete er nicht die kurzfristige Anhäufung von Kapital, sondern die Akkumulation menschlichen Vermögens als ausschlaggebend für die langfristige Entwicklung einer Volkswirtschaft. Er nahm damit wesentliche Elemente der viel später entstandenen Humankapital vorweg. Adam Smith warf er vor, dieser habe zwar als Ursache des Volkswohlstandes die Arbeitsproduktivität erkannt, aber versäumt, diese Produktivität ihrerseits zu erklären.
Nach List ist "die Kraft, Reichtum zu schaffen... unendlich wichtiger als der Reichtum selbst." Sein Ausspruch "wer Schweine erzieht, ist der Werttheorie ein produktives, wer Menschen erzieht, ein unproduktives Mitglied der Gesellschaft“ gewinnt heute, angesichts des demographischen Wandels und des Geburtendefizits in den Industrieländern, an Aktualität.
List gilt als Hauptvertreter der romantischen Schule der Ökonomie. Er war ein Vorkämpfer für den deutschen Zollverein und des Eisenbahnwesens.
Als Abgeordneter im Landtag von Württemberg setzte er sich für Demokratie und Freihandel ein. In seiner "Reutlinger "Petition" vom Januar 1821 übte er deutliche Kritik an der herrschenden Wirtschaftspolitik, die er in der Einleitung in diese Worte fasste: "Ein oberflächlicher Blick schon auf die inneren Verhältnisse Württembergs muß den unbefangenen Beobachter überzeugen, daß die Gesetzgebung und die Verwaltung unseres Vaterlandes an Grundgebrechen leidet, welche das Mark des Landes verzehren und die bürgerliche Freiheit vernichten."
Als Reaktion auf diese Kritik entzogen ihm die Landtagsabgeordneten unter dem Druck des Königs sein Mandat und damit die politische Immunität. Im April 1822 wurde er zu zehn Monaten Festungshaft verurteilt. Nach zunächst erfolgreicher Flucht nach Frankreich und der Schweiz kehrte List 1824 zurück, um die Haft auf dem Hohenasperg bei Ludwigsburg anzutreten.
Friedrich List.jpg Als er sich 1825 bereiterklärte, in die Vereinigten Staaten auszuwandern, wurde er nach Verbüßung von fünf der zehn Monate Haft begnadigt. In Amerika betätigte er sich erfolgreich als Farmer, Geschäftsmann, Journalist und als Initiator einer der ersten Eisenbahnlinien Durch die 1827 veröffentliche Schrift "Outlines of American Political Economy" wurde er zu einem der führenden Vertreter der amerikanischen Schutzzollbewegung, nachdem er mit den Ideen Alexander Hamiltons in Berührung gekommen war. Zwischen 1826 und 1830 betätigte er sich als Herausgeber einer deutschsprachigen Zeitung in Pennsylvania, dem "Reading Adler".
1832 kehrte er (als amerikanischer Staatsbürger und für seine Verdienste vom Präsidenten Andrew Jackson zum Generalkonsul für Baden ernannt) nach Deutschland zurück. In der Folge engagierte er sich vor allem für den Aufbau eines deutschen Eisenbahnnetzes und für die Abschaffung der Zollschranken innerhalb Deutschlands, wie es teilweise im Deutschen Zollverein (1834) schon verwirklicht worden war. Seine Ideen wurden jedoch nur sehr zögerlich aufgenommen. Letztlich scheiterte er jedoch mit dem Versuch seiner bürgerlichen Rehabilitierung, der die Festungshaft entgegenstand. Einem 1836 an Wilhelm I. von Württemberg gerichteten Gnadengesuch wurde nicht stattgegeben.
Erneuten Anfeindungen wich er 1837 nach Paris aus, wo er sich mit der ersten Fassung seines politökonomischen Systems ("Das natürliche System der Politischen Ökonomie", 1837) um den Preis der Pariser Akademie bewarb - und abgelehnt wurde. Dieser Text bildete die Grundlage für sein Hauptwerk "Das nationale System der Politischen Ökonomie", das 1841 erschien.
Finanzielle Schwierigkeiten und schwere Depressionen überschatteten seine letzten Lebensjahre. Auf einer Reise nach Tirol beging er 1846 in Kufstein Selbstmord.
Friedrich List ist ein Vorläufer und wichtiger Wegbereiter der Historischen Schule. In der Geschichte der Entwicklungstheorie nimmt er einen bedeutenden Platz ein. Er formulierte als Erster ein systematisches Strategiemodell einer "nachholenden" Entwicklung, durch das vor allem die großen "nachstrebenden" Nationen - Deutschland, Frankreich und die USA - den englischen Entwicklungsvorsprung aufholen sollten.
Mann | Deutscher | Eisenbahnpionier | Politiker (Deutsche Geschichte) | Ökonom (18. Jh.) | Ökonom (19. Jh.) | Geboren 1789 | Gestorben 1846 | Verkehrswissenschaftler
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