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Friedrich Wilhelm Harkort (* 22. Februar 1793 in Hagen-Haspe; † 8. März 1880 in Dortmund-Hombruch), der "Vater des Ruhrgebiets", war ein deutscher Unternehmer und Politiker in der Frühzeit der industriellen Revolution.
Leben
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Sein persönliches Umfeld lag im
Ruhrgebiet in der
westfälischen Stadt Hagen und in deren Umgebung. Geboren wurde er als fünftes von acht Kindern des märkischen Eisenwarenfabrikanten und Kaufmanns
Johann Caspar Harkort IV im
Haus Harkorten. Er war unter anderem Bruder des Bankiers und Eisenbahn-Pioniers
Gustav Harkort und des Bergbauingenieurs und Offiziers
Eduard Harkort. Nach der
Grundschule auf dem Quambusch besuchte er ab
1799 die
Gewerbeschule in
Hagen. Diese schloß er im Jahr
1808 ab. Anschließend machte er eine kaufmännische Lehre bei der Firma Mohl in
Barmen-
Wichlinghausen. Ab
1813 nahm er zusammen mit seinem Bruder
Gustav als
Premierleutnant an den
Befreiungskriegen teil. Bei Jumet wurde er zweimal verwundet und mit dem
Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Im Jahre
1818 heiratete er die Tochter seines früheren Principals, Auguste Mohl. Seine Tochter Luise heiratete 1856 den Wittener Industriellen
Louis Constans Berger. Harkort starb hochbetagt und wurde in der Familien-Erbgruft in
Herdecke bei
Gut Schede beerdigt.
Unternehmerisches Wirken
Das Unternehmerische Wirken Harkorts war insbesondere von technischen und sozialen Pionierleistungen geprägt. Nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg hingegen stellte sich bei seinen Unternehmungen nicht ein. Der Grund hierfür dürfte nicht zuletzt darin gelegen haben, daß Harkort grundsätzlich jedem Interessierten gestattete, die von ihm errichteten Betriebe zu besichtigen, die dort praktizierten Verfahren im Detail zu studieren und bei Bedarf beim Aufbau entsprechender Betriebe mit Rat und Tat zur Seite stand. In seinem Bestreben, der industriellen Entwicklung seiner Heimat Vorschub zu leisteten unterstützte er selbst tatkräftig die eigene Konkurrenz. Den tragischen Höhepunkt bildete dabei der Umstand, daß er just im Jahr
1847, in dem die Anbindung des
Hombruchs an die von ihm angeregte
Bergisch-Märkische Eisenbahn (s.u.) seine großen Besitzungen, die er 1827 dort erworben hatte, wirtschaftlich interessant werden ließ, er eben diese durch Pfändung und Zwangsverkauf weitestgehend verlor.
Industriepionier
Alfred Rethel 001.jpg: Die Harkortsche Fabrik auf Burg Wetter, um 1834]]
In seiner Heimat galt Friedrich Harkort als unruhiger Geist. Nach dem Tode seines Vaters
1818 gründete er zunächst auf dem väterlichen Gut
Harkorten eine
Gerberei und betrieb einen
Kupferhammer am nahegelegenen
Deilbach. Schon ein Jahr später übergab er diese beiden Unternehmungen an Verwandte und gründete zusammen mit dem
Elberfelder Kaufmann und Bankier
Heinrich Kamp auf der
Burg innerhalb der Stadt
Wetter die "Mechanische Werkstätte Harkort & Co." zur Herstellung von
Dampfmaschinen und Gasbeleuchtungsapparaten. Gemeinsam mit seinem Bruder
Gustav gründete er zudem eine Firma, die Spedition und Kommission betrieb und mit englischen Garnen handelte. Die preußischen Behörden förderten Harkorts Werk als erstes Eisenindustriewerk in Westfalen und als eine der ersten Maschinenbaufirmen im Ruhrgebiet, denn dieses profitierte von den Wasserhaltungsmaschinen für den aufstrebenden
Bergbau an der
Ruhr.
Bereits
1826 wurde in dem nach englischen Vorbildern gebauten Puddel- und
Walzwerk das
Puddelverfahren eingeführt.
Aus Harkorts Unternehmen ging später die Demag in Wetter an der Ruhr hervor. Zu seinen Frühtaten auf sozialem Gebiet gehörte innerhalb seinens Unternehmens die Schaffung einer Betriebskrankenkasse nach dem Vorbild der Berggewerkschaftskassen des damaligen Bergbaus. Harkort gilt als früher Pionier der industriellen Revolution.
Bahnpionier
Privatfriedhof Ardeygebirge02.jpg
Im Jahre
1825 veröffentlichte Harkort in der Nummer 26 der Zeitschrift
"Hermann" den Aufruf, zwischen
Köln am
Rhein und
Minden an der
Weser eine
Eisenbahn zu bauen. Zu dieser Zeit begann man in Deutschland das Thema zu beachten und Harkort handelte wie ein Unternehmer, als er seinen Artikel unter der Maßgabe einer gewissen
Marktstrategie veröffentlichte. Sein Aufsatz begann mit den Worten:
"Durch die rasche und wohlfeile Fortschaffung der Güter wird der Wohlstand eines Landes bedeutend vermehrt."
Als im Jahre 1824 der Engländer Henry Palmer ein Bahnsystem vorstellte, bei der hängende Transportbehälter von Pferden gezogen wurden, ließ Harkort durch seine Fabrik 1826 probehalber in Elberfeld eine solche Bahn aufstellen. Gemeinsam mit dem Bergrat Heintzmann versuchte er die Öffentlichkeit für diesen Vorläufer zu interessieren, was sich aber erst 75 Jahre später mit dem Bau der Wuppertaler Schwebebahn niederschlug.
Harkorts Überlegungen als Unternehmer galten aber vor allem dem Fernverkehr, denn für den einheimischen Bergbau besaß Harkort und sein Unternehmen im Jahre 1829 bereits eine Produktionskapazität von einer Million Pfund Schienen.
1828 gründete Friedrich Harkort gemeinsam mit Nikolaus Egen, seinem Schwager Ludwig Mohl (der den Kupferhammer im Deilbachtal betrieb), dem promovierten Mediziner Voß aus Steele (heute Stadtteil von Essen) und den Langenberger Kaufleuten Reichmann und Meyberg, die erste Eisenbahn-Aktiengesellschaft auf deutschem Boden. Ihr Zweck war der Bau der Deilthaler Eisenbahn (Deilthaler Eisenbahn Aktiengesellschaft), welche am 20. September 1831 eröffnet wurde und den Namen Prinz-Wilhelm-Eisenbahn erhielt.
Im Jahre 1832 wurde unter seinem maßgeblichem Einfluss auch die seit 1829 im Bau befindliche Silscheder Kohlenbahn eröffnet. Zur gleichen Zeit wurde Harkort in den westfälischen Provinziallandtag gewählt. Dort wiederholte er 1831 seinen Vorschlag. 1833 veröffentlichte Harkort nochmals seinen Aufruf: "Die Eisenbahnen von Minden nach Cöln". Das Resultat war eine Aktiengesellschaft, die sich um das notwendige Kapital für den Bau der Strecke bemühte, denn der preussische Staat war nicht Willens oder in der Lage, die Strecke zu bauen.
Auf Grund widriger Umstände konnte das Unternehmen einige Zeit später nicht mehr fortgeführt werden. Erst 1847 war die Strecke vollständig befahrbar und zwar von der Köln-Mindener Eisenbahn. 1844-1848 wurde nach von Harkort entwickelten Plänen die Bergisch-Märkische Eisenbahn gebaut.
Politisches Wirken
Bildungspolitik
Friedrich Harkort war maßgeblich an der
Bildungspolitik der deutschen Nation im 19. Jahrhundert beteiligt. Er gründete den "
Verein für die deutsche Volksschule und für Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse", kurz:
Volkshochschulverein. Der Verein zählte binnen kürzester Zeit 2500 Mitglieder aus dem gehobenen Bürgertum. Unter diesen fanden sich viele Befürworter einer neuen Schulform, welche es den Volksschullehrern ermöglichen sollte, ihren niedrigen Stand zu verlassen. Dies war ein heikles Thema, da weder Staat noch Kirche daran interessiert waren, "mündige Lehrer" mit dem Bildungsauftrag zu versehen. Vielmehr entsprach das gewohnte Bild des "Katecheten" nach wie vor den Vorstellungen der Obrigkeit.
Harkort erkannte die entstehenden Missstände bedingt durch die fortschreitende Industrialisierung einerseits und durch unzulänglichen Ausbau der Bildungsmöglichkeiten für das Proletariat andererseits und verfasste eine 1844 veröffentlichte Anklageschrift mit dem Titel "Bemerkungen über die Hindernisse der Zivilisation und Emanzipation der unteren Klassen", aus welcher folgende Zitate stammen:
- "100.000 Fibeln, die 3000 Taler kosten, haben einen größeren Wert für die Erziehung der Menschheit als 100.000 Bewaffnete, die jährlich 9 Millionen verschlingen"
und
- "8000 Menschen, die auf einer Quadratmeile leben, bedürfen, um bestehen zu können, eines höheren Grades von Bildung und Kenntnissen, als einige Hirten, die auf wüster Fläche schweifen"
Mit dem Verständnis für Missstand und Ungerechtigkeit setzte Harkort sich über 20 Jahre in der Verfassunggebenden Nationalversammlung Preußens für die Aufhebung der Regulative und für die Verabschiedung des Unterrichtsgesetzes ein.
- Quelle für den Abschnitt "Bildungspolitik":
- Dr. Karl Bungardt: Die Odyssee der Lehrerschaft-Sozialgeschichte eines Standes (ein Versuch). 1961. S. 39 ff
Sozialpolitik
Harkort war Kreistagsabgeordneter, Mitglied des Westfälischen Provinziallandtags, des Norddeutschen
Reichstags, Abgeordneter der konstituierenden preußischen Nationalversammlung und von
1871 bis
1874 Mitglied des
Deutschen Reichstages. Dort galt er als fortschrittlich-liberaler Politiker. Außer für bildungs- und sozialpolitische Belange engagierte er sich auch für Verkehrs- und Wirtschaftspolitik.
Als Reichstags-Abgeordneter forderte Harkort für die Arbeiter feste Anstellungen und feste Löhne. Auch schlug er eine "Gewinnbeteiligung der Arbeiter" vor und forderte ein "Verbot aller Kinderarbeit". Ab 1856 wurden nach seinen Forderungen Unterstützungskassen für Arbeiter und Handwerker eingerichtet. Bekannt ist heute noch seine Schrift "Über die soziale Frage".
Die Ereignisse der 48er Revolution veranlassten ihn, einen offenen Brief ("Bienenkorbbrief" wegen eines Holzschnittes auf dem Titelblatt, der einen Bienenkorb zeigt) an seine Arbeiter zu schreiben. Inhalt dieses Briefes war die Auseinandersetzung Harkorts mit den durch die fortschreitende Industrialisierung hervorgerufenen sozialen Veränderungen.
Harkort charakterisiert in seinem Brief den Unternehmer als fleißig, der das Investitionsrisiko trägt, der zum Wohlstand verhilft, die Barbarei abwendet und dem Leistungsprinzip unterliegt. Den Arbeiter klassifiziert er als den "braven Arbeiter" oder den Proletarier. Ersteren hat Gott mit gesundem Menschenverstand und der Kraft seiner Hände gesegnet. Daher muß jener auch durch soziale Einrichtungen unterstützt werden.
Der Proletarier hingegen sei verwahrlost, bringt seinesgleichen zur Welt, hat sein Handwerk nicht erlernt, beraubt andere und bildet den Krebsschaden der Kommune.
Sonstiges
1861 erhielt Harkort den preußischen
Roter-Adler-Orden 3. Klasse. Nach Friedrich Harkort wurde unter anderem der
Harkortsee benannt.
Werke
- Bürger- und Bauernbrief. Nationalverein, München 1912
Literatur
- Berger, Louis: Der alte Harkort: ein westfälisches Lebens- und Zeitbild. Baedeker, Leipzig 1890.
- Killing, Anke: Friedrich Harkort. Landesbildstelle Westfalen, Münster 1993.
- Römer, Curt: Bahnbrecher der Industrie. Lühe, Leipzig 1939.
- Strothmann, Karl-Heinz: Friedrich Harkort. Selbstverlag, Dortmund-Barop 1980
- Friedrich Harkort, Schriften und Reden zu Volksschule und Volksbildung, besorgt von K.-E. Jeismann, Paderborn, 1969, S. 101ff.
Weblinks
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