Friedrich Flick (* 10. Juli 1883 in Kreuztal-Ernsdorf; † 20. Juli 1972 in Konstanz) war ein deutscher Unternehmer. Nach beiden Weltkriegen wurde er zum reichsten Deutschen.
Seine Söhne waren Rudolf, Otto-Ernst und Friedrich Karl Flick. Seinen dritten Sohn Rudolf verlor er während des Zweiten Weltkrieges.
Nach dem Verkauf der Gelsenkirchener Bergwerks-AG 1932 gründete er die Mitteldeutschen Stahlwerke. Er war Mitglied des konservativen Deutschen Herrenklubs. In der Weimarer Republik verteilte er, obwohl Mitglied der Deutschen Volkspartei, um sich in jeder Richtung abzusichern, Wahlspenden an verschiedene Parteien. Die NSDAP war dabei anfangs schlechter gestellt als die anderen Parteien, da Flick Hitler keinerlei Sympathien entgegenbrachte und er das pompöse Auftreten der Partei, welches im krassen Gegensatz zum eigenen Auftreten stand, abstoßend fand.
Nachdem die NSDAP an die Macht gelangt war, schickte Flick im April des Jahres 1933 den Aufsichtsratsvorsitzenden der Mitteldeutschen Stahlwerke Heinrich Koppenberg ins Reichsluftfahrtministerium. Dort wurden ihm größere Aufträge in Aussicht gestellt. Im Dezember war der Aufbau der Luftwaffe beschlossene Sache, und die dem Konzern gehörende Allgemeine Transportanlagen Gesellschaft erhielt die ersten Aufträge für den Bau von Flugzeugen. Es folgte im März 1934 ein Auftrag für die Herstellung von Bomben, Granaten und Munition. Am 15. März desselben Jahres besuchte Friedrich Flick den Stabschef des Heereswaffenamtes, Georg Thomas. Dort erhielt er in einem Gespräch unter vier Augen die Informationen, dass die Nationalsozialisten einen Krieg planten und dass man für diesen Fall Vorräte an Waffen und Munition für einen Zeitraum von vier bis fünf Monaten benötige.
Bei der "Arisierung" von jüdischen Betrieben konnte er seinen Reichtum weiter vergrößern. Ursache dafür, dass Flick besonders davon profitierte, waren seine guten Kontakte zu Hermann Göring. Als einziger deutscher Industrieller unterstütze er die Pläne zum Aufbau der Reichswerke Hermann Göring. Er lieferte im Gegensatz zu den Unternehmen von Rhein und Ruhr Steinkohle an die Konkurrenz aus Salzgitter. Dafür erhielt er von diesem schriftlich die Zusage, dass er bei der Arisierung begünstigt werde. Ein Beispiel dafür waren die Lübeck AG der jüdischen Familie Hahn und die Eisenhandelsfirma Rawack&Grünfeld. Bereits 1927 machte Flick diesen ein Angebot für die Übernahme der Firma, welche von diesen jedoch abgelehnt wurde. 1937 erwirkte er zusammen mit dem Heereswaffenamt, dass die Firma für den Preis von 3,4 Millionen Reichsmark übernommen werden konnte. Drei Jahre zuvor hatte der Aktienwert noch 14,3 Millionen betragen.
Zudem profitierte er von der Reprivatisierung der Vereinigte Stahlwerke AG. 1937 schloss er dann seine Unternehmen zu der Düsseldorfer Friedrich Flick KG zusammen. Gegen Ende dieses Jahres beschäftigte Flick insgesamt rund 85.000 Mitarbeiter. 1938 und 1939 kamen weitere Firma jüdischer Unternehmer in den Besitz des Konzerns. Mit der Übernahmen der Kohlegruben der jüdischen Familie Petschek hielt er schließlich rund ein Drittel der gesamten Kohlereserven Deutschlands in seiner Hand.
1937 wurde er NSDAP-Mitglied und erhielt 1938 den Titel eines Wehrwirtschaftsführers. Zudem gelangte er in einigen Großbetrieben der Kohle-, Eisen- und Stahlindustrie in die Aufsichtsräte und Verwaltungsvorstände. Während des Zweiten Weltkriegs wurden in zahlreichen Betrieben Flicks um die 50.000 Zwangsarbeiter und Häftlinge aus Konzentrationslagern zur Zwangsarbeit herangezogen. Einer von ihnen war auch Ignatz Bubis. Schätzungen gehen von über 10.000 Opfern aus, die in diesen Jahren mit Unterernährung und brutaler Behandlung zu Tode geschunden wurden. Auch in diesem Punkt hoben sich die Fabriken des Flick- Konzerns von den anderen Unternehmen ab. Die Bedingungen hier galten als äußerst schlecht und die Behandlungen als sehr brutal. Selbst die Behörden wiesen auf diese besonders unmenschlichen Bedingungen hin. So schrieb eine staatliche Untersuchungskommission im Dezember 1942 nach einer Besichtigung der Essener Steinkohle AG: "Die Ostarbeiter sind gegenwärtig in Baracken für Kriegsgefangene mit schwerstem Stacheldraht und vergitterten Fenster untergebracht. Entwesung mangelhaft. Viel Ungeziefer. Strohmatratzen mussten entfernt werden, daher Schlafen nur auf Drahtmatratzen. Zuweilen Prügel. Lohnfrage ungeklärt. Essen nicht besonders.". Die Flick-Gruppe weigerte sich bis zu seinem Tod, eine Entschädigung an die Zwangsarbeiter zu leisten, da dies in den Augen von Friedrich Flick einem Schuldeingeständnis gleich gekommen wäre. Flick konnte dank der Nazis im Laufe des Zweiten Weltkriegs die Kontrolle über beinahe die gesamte europäische Montanindustrie erlangen und beschäftigte in 132 Gesellschaften rund 120.000 Beschäftigte mit einem Jahresumsatz von 550 Millionen Reichsmark. Sein privates Vermögen wurde auf rund zwei bis drei Milliarden Reichsmark geschätzt.
1963 wurde ihm das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband verliehen.
Aufsehen erregte in den 1980er Jahren ein Artikel des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL, der von Kreuztal als der gekauften Stadt sprach. In seiner Heimatstadt Kreuztal wurde er zum Ehrenbürger ernannt. Zudem ist das dortige städtische Gymnasium nach ihm benannt ("Friedrich-Flick-Gymnasium"), welches er mit 3 Millionen DM über eine Stiftung finanzierte. In Rosenberg ist das dortige Stadion des ehemaligen Landesligavereins TuS Rosenberg, das Dr.-Friedrich-Flick-Stadion, nach ihm benannt.
Als er am 20. Juli 1972 in Konstanz starb, hinterließ er seinem Sohn und seinem Enkel Friedrich Christian Flick einen Konzern mit 330 Unternehmen, rund 300.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von circa 18 Milliarden Deutschen Mark, also rund 9,2 Mrd Euro.
Siehe auch: Flick-Prozess, Flick-Collection (die Sammlung des Flickenkels Friedrich Christian Flick).
Geboren 1883 | Gestorben 1972 | Mann | Deutscher | Unternehmer (Montanindustrie) | NSDAP-Mitglied | Freundeskreis Himmler | Kriegsverbrecher | Träger des Bundesverdienstkreuzes | Siegerland
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