Friedrich Dürrenmatt (* 5. Januar 1921 in Konolfingen; † 14. Dezember 1990 in Neuenburg/Neuchâtel) war ein Schweizer Schriftsteller, Dramatiker und Maler.
Noch in Konolfingen begann er zu malen und zu zeichnen, eine Neigung, die er sein Leben lang verspüren sollte. Er illustrierte später manches seiner eigenen Werke, verfasste Skizzen, zum Teil ganze Bühnenbilder. Seine Bilder wurden 1976 und 1985 in Neuenburg, 1978 auch in Zürich ausgestellt. Trotz seiner malerischen Begabung begann er im Jahr 1941 Philosophie, Naturwissenschaften und Germanistik zu studieren, zunächst in Zürich, aber schon nach einem Semester in Bern. Dort wohnte er bei seinen Eltern an der Laubeggstrasse in einer Mansarde und stattete diese mit grossen Wandbildern aus, die später übertüncht und erst anfangs der 1990er Jahre entdeckt, freigelegt und dann restauriert wurden (siehe Dürrenmatt-Mansarde). Er hatte es mit dem Studium nicht besonders eilig und entschied sich wohl schon 1943, nicht die akademische, sondern die schriftstellerische Laufbahn einzuschlagen. Sein erstes veröffentlichtes Stück entstand 1945/46: Es steht geschrieben. 1947 fand dessen Uraufführung statt. 1947 heiratete er die Schauspielerin Lotti Geissler und beide zogen nach Ligerz am Bieler See. Dort entstand 1950 der Kriminalroman Der Richter und sein Henker (der im engeren Sinn eigentlich gar kein Kriminalroman ist) mit offenem Bezug auf angrenzende Lokalitäten (u. a. Lamboing). Dieses Werk gehört heutzutage zur Standard-Lektüre an deutschsprachigen Schulen.
Die ersten Jahre bis 1952 als freier Schriftsteller waren finanziell schwierig für Dürrenmatt und seine bald fünfköpfige Familie. Dann besserte sich die finanzielle Situation, besonders aufgrund von Aufträgen deutscher Rundfunkanstalten, weswegen einige Hörspiele entstanden. Außerdem wurde zu dieser Zeit der Verlag der Arche zu seinem Stammverlag. Des Weiteren begann er Detektivromane zu schreiben, die zum Teil als Fortsetzungsgeschichten im Schweizerischen Beobachter veröffentlicht wurden. Die Dürrenmatts bezogen 1952 ihren dauerhaften Wohnsitz in Neuenburg/Neuchâtel.
1950 entstand sein Theaterstück Die Ehe des Herrn Mississippi, mit dem er seinen ersten großen Erfolg auf den bundesdeutschen Bühnen verzeichnen konnte. Weltweiten Erfolg erzielte er mit seiner Komödie Der Besuch der alten Dame. Die Physiker, er bezeichnete dieses Werk ebenfalls als Komödie, wurde das erfolgreichste Theaterstück. Für sein Schaffen, das neben Theaterstücken, Detektivromanen, Erzählungen und Hörspielen auch Essays und Vorträge umfasst, erhielt er viele Auszeichnungen. Dazu gehörten zum Beispiel 1959 der Mannheimer Schillerpreis, 1960 der Grosse Preis der Schweizerischen Schillerstiftung und 1977 die Buber-Rosenzweig-Medaille in Frankfurt. 1969 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Temple University in Philadelphia verliehen und er erhielt Ehrenpromotionen in Jerusalem und Nizza. In den sechziger Jahren stand Dürrenmatt mit seinen Theaterwerken auf dem Höhepunkt seines Öffentlichkeitserfolges.
Dürrenmatt widmete sich teilweise sogar hauptberuflich auch der praktischen Theaterarbeit, erst an Basler Bühnen, nach einem Herzinfarkt im Oktober 1969 in der Neuen Schauspiel AG in Zürich, schließlich in Düsseldorf. Dort fanden zwei seiner Uraufführungen statt, Porträt eines Planeten und Titus Andronicus. Er inszenierte mehrere spektakuläre Wiederaufführungen seiner eigenen Stücke, zum Beispiel Der Meteor (1964/65) 1978 in Wien.
Besonders in den Achtziger Jahren folgte wieder eine Auszeichnung nach der anderen, z. B. der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur, der Georg-Büchner-Preis und der Prix Alexei Tolstoi der Association internationale des Ecrivains de Romans Policiers.
Dürrenmatt nahm als gesellschaftskritischer Autor in Essays, Vorträgen und Festreden Stellung zur internationalen Politik, Beispiele sind Amerika (1970) und der Pressetext Ich stelle mich hinter Israel (1973). 1990 hielt er zwei Reden auf Václav Havel und Michail Gorbatschow, die unter dem Titel Kants Hoffnung erschienen.
Für die 29-bändige Werkausgabe, die 1980 im Arche Verlag (gebunden) und im Verlag (als Taschenbuch) herausgegeben worden ist, stellte Dürrenmatt von den meisten seiner Werke Neufassungen her. Dürrenmatt empfand seine schriftstellerischen Werke nie als abgeschlossen. Während der Vorbereitung zur umfassenden Werkausgabe 1980, setzte sich Dürrenmatt intensiv mit seiner eigenen Arbeitsweise, seinen von ihm erschaffenen, in ihm lebenden Figuren und Orten auseinander. Diese Beschäftigung mündete in dem neunteiligen Prosa-Werk „Geschichte meiner Schriftstellerei“ bzw. „Stoffe“, das in zwei Bänden, „Labyrinth. Stoffe I-III“ 1981 und „Turmbau. Stoffe IV-IX“ 1990 veröffentlicht worden ist. Aus Typoskripten wird unter dem Titel „Gedankenfuge“ 1992 eine Fortsetzung der „Stoffe“ posthum veröffentlicht.
„Aber die Stoffe sind die Resultate meines Denkens, die Spiegel, in denen, je nach ihrem Schliff, mein Denken und damit auch mein Leben reflektiert werden.“ (F. D.: Labyrinth. Diogenes, Zürich 1981. S. 11.)
Im Jahr 1983 starb seine Frau Lotti. Dürrenmatt heiratete 1984 die Schauspielerin, Filmemacherin, Journalistin und Ferrari-Fahrerin Charlotte Kerr. Zusammen brachten sie den Film Porträt eines Planeten und das Theaterstück Rollenspiele heraus. Am 14. Dezember 1990 starb Friedrich Dürrenmatt in Neuchâtel im Alter von 69 Jahren. Charlotte Kerr hat ihre Erinnerungen an die gemeinsame Zeit mit Friedrich Dürrenmatt in einem Buch verarbeitet. Es trägt den Titel: Die Frau im roten Mantel
Dazu bevorzugte Dürrenmatt das Stilmittel der Verfremdung, d. h. allgemein Anerkanntes wird hinterfragt, die Widersprüchlichkeit gesellschaftlicher Strukturen wird offenbart. Ebenso charakteristisch sind tragisch-groteske Elemente, also eine Verbindung von scheinbar Unvereinbarem. Im Gegensatz zu Brecht präsentierte Dürrenmatt aber keine Weltanschauung (bei Brecht: Marxismus).
Dürrenmatt schuf so seinen eigenen Typus der Tragikomödie, einer Mischform aus Tragödie und Komödie, seiner Meinung nach „die einzig mögliche dramatische Form, heute das Tragische auszusagen". Denn die Tragödie setzt, wie Dürrenmatt in seinem Text "Theaterprobleme" von 1955 sagt, "Schuld, Not, Mass, Übersicht, Verantwortung" voraus, um ihr Ziel, die Läuterung des einzelnen, zu erreichen. In der Unübersichtlichkeit der modernen Welt, so Dürrenmatt, werde Schuld verwischt und abgeschoben, der Moderne komme nur die Groteske bei.
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Für Freunde des Schweizer Schriftstellers und Dramatikers ist das Centre Dürrenmatt in Neuenburg/Neuchâtel äusserst sehenswert. Friedrich Dürrenmatt bezog im Jahr 1952 sein Haus oberhalb der Stadt, wo er bis zu seinem Tod am 14. Dezember 1990 lebte und arbeitete. In einigen seiner Werke hatte er dieses Leben in der West-Schweiz knapp an der deutsch-französischen Sprachgrenze sogar thematisiert - insbesondere die Tatsache, dass er ab 1952 im französischsprachigen Teil lebte, aber seine Werke in seiner Muttersprache Deutsch verfasste. Nach seinem Ableben wurde sein vormaliges Haus baulich adaptiert und erweitert, sodass darin ein Museum eingerichtet werden konnte, das im September 2000 offiziell eröffnet wurde. Dieses Museum - das "Centre Dürenmatt" - widmet sich auf mehreren Etagen seinem literarischen, malerischen sowie auch seinem sonstigen künstlerischen Schaffen. Es bietet neben zahlreichen interessanten Exponaten (u.a. handschriftliche Skizzen zu seinen Stücken sowie viele seiner Bilder) und regelmäßigen Veranstaltungen auch einen atemberaubenden Blick über den Neuenburger See.
Autor | Literatur (Schweiz) | Literatur (20. Jh.) | Literatur (Deutsch) | Drama | Roman, Epik | Hörspielautor | Reformierter | Mann | Geboren 1921 | Gestorben 1990
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