article Related Topics:
Friedhofer,_Hugo_William
 

Ein Friedhof (auch Begräbnisplatz, Gottesacker oder Kirchhof) ist ein Ort, an dem Verstorbene bestattet werden. Das Wort leitet sich ursprünglich vom althochdeutschen "frithof", der Bezeichnung für den eingefriedeten Vorhof einer Kirche ab. Der Bedeutungswandel zu einem "Hof des Friedens" oder auch einem "umfriedeten Hof" vollzog sich erst mit dem Verschwinden von "frithof" aus dem Sprachgebrauch. Friedhöfe wurden früher ausschließlich für Menschen eingerichtet, seit einigen Jahren werden allerdings auch Friedhöfe für Tiere, zum Beispiel Hunde, Katzen und Pferde eingerichtet. Deutschland ist eines von wenigen Ländern, in dem Menschen und deren Asche nur auf Friedhöfen beigesetzt werden dürfen. Man nennt dies Friedhofszwang. Eine Ausnahme hiervon bildet lediglich die Seebestattung von Urnen und Sonderregelungen für einige wenige Ausnahmefälle in einigen Bundesländern.

Nuernberg-joh-kirchhof-duerer-v-o.jpg

Allgemeines


Auf einem Friedhof werden Begräbniszeremonien abgehalten, mit Riten und Praktiken, die sich je nach Kultur und Religion voneinander unterscheiden. Auf dem Gelände sind oft Kirchen, Totenhallen oder Krematorien zur Verbrennung der Toten errichtet.

Friedhöfe sind üblicherweise Orte der Ruhe, des Friedens und des Respekts für die Verstorbenen. Städtische Friedhöfe stellen landschaftlich einen großen Kontrast zu ihrem Umfeld dar und sind neben Parkanlagen und Alleen die grünen Lungen der Städte. Die Störung der Totenruhe, auch Grabschändung genannt, wird weltweit als Straftatbestand geahndet.

Schon in der Steinzeit gingen die Menschen dazu über, ihre Toten zu begraben. Mit der Sesshaftwerdung des Menschen entstanden dann von Familien genutzte separate Familienbegräbnisplätze. Dies konnten auch Orte mit hoher symbolischer Bedeutung sein, zum Beispiel die Megalithgräber in Sardinien oder die ägyptischen Pyramiden.

Nomadenvölker sorgten schon in sehr früher Zeit für ein Familiengrab und verscharrten ihre Toten nicht irgendwo, wie die Geschichte von Abrahams Grab Machpela in 1. Mose 23 Hain Mamre zeigt.

Die durch Gründung von Städten und Dörfern entstandene Raumnot wurde in verschiedenen Kulturen unterschiedlich bewältigt. In christlich geprägten Zivilisationen glaubte man, dass die durch Gebeine von Heiligen und Reliquien geweihten Kirchen und deren Umgebung die beste Ruhe für die Verstorbenen darstellten. Deswegen entstanden die gemeinschaftlich genutzten Bestattungsplätze an diesen Orten. Christliche Friedhöfe werden geweiht.

Aktuelle Probleme deutscher Friedhofsverwaltungen


Friedhof-Wernersreuth.jpg Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts sehen sich die deutschen Friedhofsverwaltungen (i.d.R. die Kommunen, auch Kirchengemeinden) zunehmenden Problemen ausgesetzt, die sich aus einer ständig zurückgehenden Auslastung der Friedhöfe ergeben. Die Probleme bestehen in einer sich stetig verschärfenden Unterdeckung der für die Friedhofspflege aufzubringenden Kosten, bedingt durch eine ständige Verringerung der erzielten Einnahmen aus dem Bestattungsbetrieb. Die Gründe für diese Tendenz sind folgende:

  • Trend zur Urnenbestattung. Ein stetig zunehmender Anteil von Bestattungen erfolgt heute als Feuerbestattung mit anschließender Urnenbeisetzung. Hierbei sinkt der Flächenbedarf überproportional, da viele Urnen nicht mehr in einem Urnengrab beigesetzt werden, sondern in Urnengemeinschaftsanlagen, wo jede Urne in einer kleinen Nische einer Wand verschlossen wird. Gründe für den steigenden Anteil der Urnenbestattungen sind:
    • Vereinsamung der Menschen in großen Städten mit der Folge, dass keine Angehörigen für die Grabpflege verfügbar sind.
    • Weit verstreut wohnende Familienangehörige, denen die Grabpflege wegen der hierfür zurückzulegenden großen Wegstrecken nicht zuzumuten ist.
    • Wirtschaftliche Probleme. Eine nach allgemeinem Verständnis als "würdig" anzusehende Erdbestattung mit Sarg kostet durchschnittlich ca. 4000 Euro. Einen solchen Betrag können viele durch Arbeitslosigkeit oder sonstige Gründe Verarmte nicht aufbringen.

Alte Grabsteine Hauptfriedhof Frankfurt 2005.jpg In Berlin-Neukölln etwa ging die jährliche Zahl der Beerdigungen zwischen den 1970er Jahren und 2004 von ca. 3000 auf nur noch 323 zurück. In Neukölln war im Jahr 2004 bereits rund die Hälfte der verfügbaren Friedhofsfläche ungenutzt. Ein derartiger Rückgang der genutzten Fläche wird bundesweit für alle deutschen Großstädte für die Jahre 2010 bis 2020 prognostiziert.

Siehe auch


Literatur


  • Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal, Zentralinstitut und Museum für Sepulkralkultur Kassel (Hrsg.): Raum für Tote: die Geschichte der Friedhöfe von den Gräberstraßen der Römerzeit bis zur anonymen Bestattung; Braunschweig: Thalacker-Medien, 2003, ISBN 3-87815-174-8

Weblinks


Friedhof

مقبرة | Groblje | Kirkegård | Cemetery | Tombejo | Cementerio | Hautausmaa | Cimetière | בית קברות | Begraafplaats | Gravlund | Chimetyire | Cmentarz | Cemitério | Кладбище | Cemetery | Kyrkogård | 墓葬建筑

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Friedhof".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld