Der Friedensnobelpreis ist eine Auszeichnung für besondere Verdienste in der Friedensarbeit. Er wurde, wie auch die anderen Nobelpreise, von dem schwedischen Erfinder und Industriellen Alfred Nobel gestiftet. Diese Auszeichnung wird seit 1901 jedes Jahr am Todestag Alfred Nobels, dem 10. Dezember, in Oslo verliehen.
Zur Vergabe des Friedensnobelpreises heißt es im Testament:
Durch diese Festlegung wurde der Friedensnobelpreis zur weltweit ersten Auszeichnung für die Arbeit in der Friedensbewegung.
Anders als bei allen anderen Nobelpreisen, die in Stockholm vergeben werden, erfolgt die Verleihung im Rathaus der norwegischen Hauptstadt Oslo. Der Preisträger des Friedensnobelpreises wird von einem fünfköpfigen Komitee, dem Norwegischen Nobelkomitee, ausgewählt. Die Mitglieder des Komitees werden von dem norwegischen Parlament, dem Storting, ernannt.
Die Ursache hierfür liegt darin, dass zu Nobels Lebzeiten Schweden und Norwegen vereinigt waren und außenpolitische Fragen nur durch das schwedische Parlament entschieden wurden. Nobel selbst hat nie erklärt, warum er den Preis nicht wie alle anderen in Schweden vergeben lassen wollte. Man geht allerdings davon aus, dass er der Meinung war, das norwegische Parlament, das nur für die Innenpolitik verantwortlich war, wäre Manipulationen durch die Regierung weniger stark ausgeliefert. Hinzu kommt, dass Alfred Nobel den norwegischen Autor Bjørnstjerne Bjørnson sehr schätzte und er sich deshalb für Norwegen als Ort für die Verleihung des Preises entschied.
Alfred Nobel hielt außerdem in seinem Willen fest:
Das Komitee ist in seiner Entscheidung vollkommen unabhängig von äußeren Einflüssen. Die Sitzungen müssen nicht protokolliert und Entscheidungen nicht gerechtfertigt werden, auch dann nicht, wenn es zu gegensätzlichen Meinungen kommt. Entsprechend nimmt das Komitee auch in den nach der Vergabe folgenden Diskussionen nie Stellung zur Entscheidung.
Bis 1936 konnten auch Mitglieder des Parlamentes zu Vertretern des Komitees gewählt werden. Dies änderte sich nach der Vergabe des Friedensnobelpreises an den deutschen Widerstandskämpfer Carl von Ossietzky. Diese Vergabe wurde von Deutschland und besonders von Adolf Hitler scharf verurteilt und als Akt aggressiver Außenpolitik Norwegens gegenüber dem Deutschen Reich gewertet. Seitdem gab es keine Abgeordnete in diesem Ausschuss. 1977 wurde die Regel insofern noch einmal verschärft, dass keine Mitglieder aus regierungsnahen Ausschüssen zugelassen werden, zeitgleich mit der Namensänderung von "Nobel-Komitee des norwegischen Parlamentes" in "Norwegisches Nobel-Komitee"
Die aktuelle Besetzung besteht seit 2003, einzelne Mitglieder werden im Jahr 2005 ausgetauscht bzw. bestätigt werden. Entsprechend bilden folgende Personen die aktuelle Kommission:
Als Direktor des Nobel-Institutes und damit Sekretär der Kommission wirkt Professor Geir Lundestad (*1945).
Im Gegensatz zu den anderen Nobelpreisen kann der Friedensnobelpreis an Personen oder Organisationen vergeben werden, die an einem Friedensprozess beteiligt sind und nicht nur für die abschließende Lösung eines Konflikts. Daher können einige Friedensnobelpreise im heutigen Licht als fraglich erachtet werden. Dies gilt besonders für die Friedensnobelpreise der Jahre 1973, als Henry Kissinger (USA) und Le Duc Tho (Vietnam) (verzichtete auf den Preis) für das Friedensabkommen von 1973 in Vietnam ausgezeichnet wurden und 1994, als neben Schimon Peres und Jitzhak Rabin auch Jassir Arafat für seine Bemühungen zur Lösung des Nahostkonfliktes ausgezeichnet wurde. Eine Aberkennung ist jedoch nicht möglich.
Die Nominierungen müssen beim Komitee bis zum 1. Februar des betreffenden Jahres eingegangen sein, spätere Nominierungen werden für das laufende Jahr nicht angenommen und gehen in die Entscheidung zum nächsten Jahr ein. Dabei bekam die Kommission in einigen Jahren deutlich mehr als 140 Vorschläge für Personen pro Jahr, aus denen sie maximal drei Personen auswählen darf. Im Auftrag des Sekretärs des Komitees werden sowohl permanente als auch spezielle Beobachter mit dem Bericht über die Kandidaten beauftragt. Diese Berichte sollen in die Entscheidung durch die Kommissionsmitglieder erleichtern und unterstützen, sie dürfen jedoch keine Bewertungen oder Empfehlungen der Nominierten beinhalten.
Für die Benennung der Preisträger gibt es kein festes Datum, meistens handelt es sich jedoch um einen Freitag um die Mitte des Monats Oktober. Die Bekanntmachung findet offiziell im Gebäude des Nobel-Institutes statt. Die Vergabe erfolgt erst am 10. Dezember des Jahres, dem Todestag von Alfred Nobel. Anders als bei den anderen Nobelpreisen wird der Preis und die dazugehörige Medaille und Urkunde vom Kommissionsleiter vergeben und nicht vom König, dieser ist jedoch ebenso wie verschiedene Mitglieder der norwegischen Regierung bei der Zeremonie eingeladen und anwesend. Nach der Verleihung des Preises erfolgt im Regelfall die "Nobel Lecture", eine Vorlesung oder Ansprache der Preisträger. Diese wird veröffentlicht in der jährlich erscheinenden Buchserie "Les Prix Nobel", außerdem auf den Websites des Nobel e-museum und des norwegischen Nobelinstitutes. Am gleichen Abend findet außerdem ein Bankett in kleinerer Runde statt.
Seit 1960 wird der Friedensnobelpreis auch für den Einsatz für die Menschenrechte, seit 2004 auch für die Arbeit für die Umwelt und eine nachhaltige Entwicklung vergeben.
Eine wichtige Entwicklung betrifft die Erstellung der Dossiers für die Kommissionsmitglieder. Diese wurden in den Anfangstagen allein vom Sekretär des Komitees, Christian Lous Lange, geschrieben und weiter gegeben. Mit der Gründung des norwegischen Nobel-Institutes 1904 bekam der Sekretär Unterstützung durch permanente Berater. Dies waren bis in die 1980er Jahre hinein drei Personen, die Experten für internationales Recht, Geschichte und Weltwirtschaft waren. Mittlerweile gibt es vier dauerhafte Berater, außerdem können zu speziellen Kandidaten weitere Berater zugezogen werden.
Obwohl die Vergabe des Preises durch ein norwegisches Komitee bereits von Beginn an kritisiert wurde, kann bei einer Analyse der bisherigen Preisträger keine überdurchschnittliche Bevorzugung von Norwegern oder Skandinaviern gefunden werden. Bislang ging der Preis an acht Skandinavier, davon waren fünf Schweden, einer ein Däne und zwei Norweger.
Auch wurden viele Personen nicht mit dem Friedensnobelpreis gewürdigt, die ihn in der öffentlichen Wahrnehmung verdient hätten. Ein besonders prominentes Beispiel ist dabei Mahatma Gandhi, der für die friedliche Unabhängigkeitsbestrebung Indiens eintrat. Auch die Päpste Benedikt XV. und Johannes Paul II. haben den Nobelpreis nie bekommen, obwohl sie mehrfach nominiert waren.
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