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Die Internationale Friedensfahrt (tschech. „Ročnik závodu míru“, poln. „Wyścig Pokoju“, frz. und international übliche Bezeichnung: „Course de la Paix“) ist ein Radrennen in Mitteleuropa und war bis zum politischen Umbruch in den ehemaligen Ostblockstaaten 1989 das international bedeutendste Amateur-Radrennen. Im Jahr 2005 fand das Rennen aufgrund finanzieller und organisatorischer Probleme erstmals seit seiner Gründung nicht statt.

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Geschichte


Die Friedensfahrt wurde 1948 erstmals ausgetragen und fand zunächst zwischen Warschau und Prag statt. Ab 1952 wurde das Rennen auch nach Ostberlin geführt und verband danach in wechselnder Streckenführung jeweils im Mai die Hauptstädte der drei teilnehmenden Staaten Polen, Tschechoslowakei und DDR.

Die Friedensfahrt galt vor der Wende als die „Tour de France des Ostens“ und war dort ähnlich populär wie die Frankreich-Rundfahrt in Westeuropa. Allerdings war das Profil der Dreiländer-Rundfahrt nie so selektiv wie sein französisches Pendant.

Die Friedensfahrt wurde weitgehend von den Staatsamateuren der osteuropäischen Länder dominiert, da die ebenfalls teilnehmenden westeuropäischen Nationalmannschaften nur mit Nachwuchsfahrern, die keinen Profistatus hatten, starten konnten.

Einen entscheidenden Einschnitt für die Rundfahrt stellte das Jahr 1989 dar. Der Amateurstatus verlor innerhalb kürzester Zeit seine Bedeutung und wurde schließlich ganz abgeschafft. Die Friedensfahrt geriet in die Krise. Mitte der 1990er Jahre wurde sie zu einem Profi-Rennen umgestaltet und hat sich inzwischen im Kalender des Radsportweltverbands UCI als Rennen der mittleren Kategorie 2.2 etabliert. Sie führt weiterhin durch die klassischen Teilnehmerländer (Polen, Tschechien bzw. Slowakei und Deutschland), berührt die Hauptstädte jedoch nur noch selten.

Der erfolgreichste Teilnehmer ist Steffen Wesemann, der die Friedensfahrt zwischen 1992 und 2003 fünf Mal gewinnen konnte. Je vier Erfolge errungen haben Uwe Ampler (dreimal für die DDR, einmal für das polnische Team "Mroz") und der Pole Ryszard Szurkowski. Der zweimalige Gewinner Gustav-Adolf Schur, genannt „Täve“, wurde nach 1989 mit großem Abstand zum populärsten Sportler der DDR gewählt.

Aktuelles


Die Stellung der Friedensfahrt im internationalen Radsportkalender verschlechterte sich vor der Saison 2005, da sie nicht in die neu geschaffene UCI ProTour als höchste Klasse des Radsports aufgenommen wurde. Finanzielle und organisatorische Probleme - insbesondere die Trennung zwischen dem tschechischen Hauptorganisator Pawel Dolezel und seinen deutschen Marketing-Partnern und dem daraus folgenden Verlust wichtiger deutscher Sponsoren - führten im Frühjahr 2005 dazu, dass die Friedensfahrt zunächst verschoben und schließlich ganz abgesagt wurde. Eine Wiederaufnahme des Rennens für 2006 erfolgte mit insgesamt acht Etappen, welche auf den Territorien der Länder Österreich (Start), Tschechoslowakische Republik und Deutschland (Ziel) vom 13. bis 20. Mai ausgefahren wurden. Zum ersten Mal war damit Österreich Veranstalterland.

Friedensfahrt-Fanfare


Anfang der 50er Jahre suchte der DDR-Rundfunk ein geeignetes Jingle (damals gabe es den Begriff Jingle nicht, man sagte Fanfare) für die Friedensfahrt-Berichterstattung. Man fand es in der Rundfunkproduktion des Komponisten Paul Noack-Ihlenfeld. Das Jingle wurde zum Symbol der Friedensfahrt. Es wurde jeweils zum Beginn der Streckenberichte im Radio und zu allen Siegerehrungen gespielt. Später wurde es in der DDR das Symbol des Radsports allgemein. Es wurde bei Massensportbewegungen („Kleine Friedensfahrt“, „Kinder- und Jugendspartakiade“) ein integraler Bestandteil. Die Friedensfahrtfanfare wurde auch mit den Erfolgen des mehrfachen Friedensfahrtsiegers und Sportidols Täve Schur in Verbindung gebracht und war wohl das bekannteste und beliebteste Jingle der DDR.

Friedensfahrt-Museum


In der Bördegemeinde Kleinmühlingen bei Calbe (Saale) befindet sich das einzige Friedensfahrt-Museum. Initiator dieser Einrichtung ist der 52 jährige Horst Schäfer. Schon als kleiner Junge war er von der Friedensfahrt fasziniert. Mit strahlenden Augen erzählt er von seinen Begegnungen und Erlebnissen bei der großen Fahrt. Die Grundsteinlegung für das neue Museum wurde am 21. Mai 2005 vollzogen, denn die Räume in denen es momentan untergebracht ist, bieten nicht mehr genug Stellfläche für die vielen Exponate die von etlichen Fans, Radsportlern und Begeisterten an das Museum übergeben wurden. Der Trägerverein wird von ehemaligen Radsportgrößen, unter anderen Täve Schur, unterstützt.

Alle Friedensfahrten in der Übersicht


Jahr Route Länge Etappen Gesamtsieger
1948 WarschauPrag 1104 km 7 August Prosinek (Jug)
1948 Prag–Warschau 842 km 5 Alexander Zoric (Jug)
1949 Prag–Warschau 1259 km 8 Jan Vesely (CSR)
1950 Warschau–Prag 1539 km 9 Willi Emborg (Dän)
1951 Prag–Warschau 1544 km 9 Kay Allan Olsen (Dän)
1952 Warschau–Berlin–Prag 2135 km 12 Ian Steel (GB)
1953 Bratislava–Berlin–Warschau 2231 km 12 Christian Pedersen (Dän)
1954 Warschau–Berlin–Prag 2051 km 13 Eluf Dalgaard (Dän)
1955 Prag–Berlin–Warschau 2214 km 13 Gustav Adolf Schur (DDR)
1956 Warschau–Berlin–Prag 2212 km 12 Stanislaw Krolak (Pol)
1957 Prag–Berlin–Warschau 2220 km 12 Nentscho Christow (Bul)
1958 Warschau–Berlin–Prag 2210 km 12 Piet Damen (NL)
1959 Berlin–Prag–Warschau 2057 km 13 Gustav Adolf Schur (DDR)
1960 Prag–Warschau–Berlin 2290 km 13 Erich Hagen (DDR)
1961 Warschau–Berlin–Prag 2435 km 13 Juri Melichow (UdSSR)
1962 Berlin–Prag–Warschau 2407 km 14 Gainan Saidchushin (UdSSR)
1963 Prag–Warschau–Berlin 2568 km 15 Klaus Ampler (DDR)
1964 Warschau–Berlin–Prag 2246 km 14 Jan Smolik (ČSSR)
1965 Berlin–Prag–Warschau 2318 km 15 Gennadi Lebedjew (UdSSR)
1966 Prag–Warschau–Berlin 2340 km 15 Bernard Guyot (Fra)
1967 Warschau–Berlin–Prag 2307 km 16 Marcel Maes (Bel)
1968 Berlin–Prag–Warschau 2352 km 14 Axel Peschel (DDR)
1969 Warschau–Berlin 2036 km 15 Jean-Pierre Danguillaume (Fra)
1970 Prag–Warschau–Berlin 1976 km 15 Ryszard Szurkowski (Pol)
1971 Warschau–Berlin–Prag 1895 km 14 Ryszard Szurkowski (Pol)
1972 Berlin–Prag–Warschau 2025 km 14 Vlastimil Moravec (ČSSR)
1973 Prag–Warschau–Berlin 2076 km P, 16, E Ryszard Szurkowski (Pol)
1974 Warschau–Berlin–Prag 1806 km 14 Stanislaw Szozda (Pol)
1975 Berlin–Prag–Warschau 1915 km P, 13 Ryszard Szurkowski (Pol)
1976 Prag–Warschau–Berlin 1974 km P, 14 Hans-Joachim Hartnick (DDR)
1977 Warschau–Berlin–Prag 1648 km 13 Aavo Pikkuus (UdSSR)
1978 Berlin–Prag–Warschau 1796 km P, 12 Alexander Awerin (UdSSR)
1979 Prag–Warschau–Berlin 1942 km P, 14 Sergej Suchorutschenkow (UdSSR)
1980 Warschau–Berlin–Prag 2095 km P, 14 Juri Barinow (UdSSR)
1981 Berlin–Prag–Warschau 1887 km P, 14 Shakhid Zagretdinow (UdSSR)
1982 Prag–Warschau–Berlin 1941 km P, 12 Olaf Ludwig (DDR)
1983 Warschau–Berlin–Prag 1899 km P, 12 Falk Boden (DDR)
1984 Berlin–Prag–Warschau 1689 km P, 11 Sergej Suchorutschenkow (UdSSR)
1985 Prag–Moskau–Warschau–Berlin 1712 km P, 12 Lech Piasecki (Pol)
1986 Kiew–Warschau–Berlin–Prag 2138 km P, 15 Olaf Ludwig (DDR)
1987 Berlin–Prag–Warschau 1987 km P, 14 Uwe Ampler (DDR)
1988 Bratislava–Katowice–Berlin 2008 km P, 13 Uwe Ampler (DDR)
1989 Warschau–Berlin–Prag 1927 km 12 Uwe Ampler (DDR)
1990 Berlin–SlusoviceBielsko-Biala 1595 km P, 11 Jan Svorada (ČSSR)
1991 Prag–Warschau 1261 km P, 9 Wiktor Rjaksinski (GUS)
1992 Berlin–KarpaczMladá Boleslav 1348 km P, 9 Steffen Wesemann (D)
1993 TaborNovy Bor 1342 km P, 9 Jaroslav Bilek (Tch)
1994 Tabor–Trutnov 1354 km P, 9 Jens Voigt (D)
1995 Česke BudějoviceOberwiesenthalBrno 1379 km P, 10 Pavel Padrnos (Tch)
1996 Brno–ŻywiecLeipzig 1703 km P, 10 Steffen Wesemann (D)
1997 Potsdam–Żywiec–Brno 1629 km P, 10 Steffen Wesemann (D)
1998 PosenKarlsbadErfurt 1591 km 10 Uwe Ampler (D)
1999 ZnojmoPolkoviceMagdeburg 1613 km 10 Steffen Wesemann (D)
2000 HannoverKudowa Zdroj–Prag 1608 km 10 Piotr Wadecki (Pol)
2001 ŁódźPilsen–Potsdam 1611 km 10 Jakob Piil (Dän)
2002 České Budějovice–Chemnitz–Warschau 1470 km 10 Ondřej Sosenka (Tch)
2003 OlomoucWałbrzych–Erfurt 1552 km 9 Steffen Wesemann (D)
2004 BrüsselBreslau–Prag 1580 km 9 Michele Scarponi (I)
2006 LinzKarlovy VaryHannover 1296 km 8 Giampaolo Cheula (I)
P= Prolog, E=Epilog

Veröffentlichungen


  • Huhn, Klaus: Die Geschichte der Friedensfahrt, 2001, ISBN 3-933544-52-1
  • Kopfsteinpflaster und Asphalt; Radio-Feature des MDR, 1 CD, 1998, Pool Music und Media 4260031180232
  • Die Geschichte der Friedensfahrt, 1954, Sportverlag Berlin (DDR), Sammelband (Ltg.: Brigitte Roszak), ohne ISBN
  • Boßdorf, Hagen: Geschichte der Friedensfahrt, Video (VHS), 1997, ISBN 3-328-00770-9
  • Schur, Täve (Hrsg.): Friedensfahrt, 1995, ISBN 3-928999-47-8
  • Hönel, Manfred: 100 Highlights Friedensfahrt, 1997, ISBN 3-328-00717-2
  • Huhn, Klaus: Jedesmal im Mai, 1987, ISBN 3-328-00177-8
  • Köhler, Tilo: Der Favorit fuhr Kowalit: Täve Schur und die Friedensfahrt, 1997, ISBN 3-378-01015-0
  • Klimanschewsky, Adolf: Warschau, Berlin, Prag: ein Erlebnisbericht von der Friedensfahrt 1952, 1953, Sportverlag Berlin (DDR), ohne ISBN
  • Damals in der DDR, 3 CDs, 2001, BMG 743218855023 (u. a. mit der Friedensfahrt-Fanfare)

Weblinks


  • http://www.zavodmiru.cz/ Offizielle Homepage (seit Jahrgang 2004 nicht aktualisiert; Stand: 2. Mai 2005)
  • http://www.friedensfahrt.de/start.htm Deutsche offizielle Homepage, wird ständig aktualisiert
  • http://www.cycling4fans.de/index.php?id=301 - Geschichte der Friedensfahrt
  • http://www.friedensfahrt-info.de - Geschichte der Friedensfahrt, mit vielen Statistiken; Details zu jeder Etappe
  • http://www.floehauer.de/Friedensfahrt/ffnews.html Informationen zur aktuellen Situation auf floehauer.de
  • http://www.memoire-du-cyclisme.net/etapes/eta_paix.php Daten zu allen Friedensfahrten einschließlich aller Teilnehmer
  • http://www.friedensfahrt-museum.de/ Friedensfahrtmuseum in Kleinmühlingen
  • http://www.fred-moellendorf.de - Statistiken zur Friedensfahrt von 1948 bis in die Gegenwart

Radrennen

Peace Race | Vredeskoers | Wyścig Pokoju

 

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