Freundschaft ist umgangssprachlich eine subjektive wahrgenommene positive zwischenmenschliche Beziehung, die sich als wechselseitiges Sympathie-Gefühl manifestiert. Die an einer freundschaftlichen Beziehung beteiligten Menschen bezeichnet man als Freundin bzw. Freund. Freundschaft bezieht sich in der Regel auf Beziehungen zwischen nicht genetisch verwandten Individuen, die darüber hinaus keine sexuellen Beziehungen unterhalten. In der Freundschaft wird der Andere um seiner selbst willen geschätzt. Freundschaft beruht auf Zuneigung und gegenseitiger Wertschätzung, wobei sie in Abgrenzung zur Liebe weitgehend frei von Ausschließlichkeit ist. Außerdem basiert Freundschaft auf gegenseitigem Vertrauen. Freundschaft wird heute besonders gegen familiäre Beziehungen abgegrenzt, die zwar ebenfalls dauerhaft und emotional, aber entweder nicht frei gewählt (Verwandte) oder sexuell geprägt (Ehepartner) sind.
Im übertragenen Sinne bezeichnet "Freundschaft" auch ein gutes und oft vertraglich geregeltes Verhältnis zwischen Völkern oder Nationen (siehe Deutsch-französische Freundschaft).
Von der Liebe wird sie hauptsächlich unterschieden, weil sie die sinnliche Anziehung nicht einbegreift.
Sie ist in der Regel nicht mit der Kameradschaft des Militärs, bei der Feuerwehr und dem THW, bei den Pfadfindern oder Bergsteigern, Sportlern und in den Vereinen deckungsgleich, oft auch nicht mit der Solidarität in der Arbeiterbewegung, hier ist man meist einander nur organisatorisch und in Gesinnungen verbunden.
Allerdings kann Freundschaft auch sehr große Schnittmengen mit der Kameradschaft haben.
In der Zentralen Dienstvorschrift der Bundeswehr heißt es unter anderem, dass gegenseitiges Verständnis, guter Wille und Hilfsbereitschaft eine Kameradschaft entstehen ließen, die auch größeren Belastungen standhielte. Weiterhin heißt es in Abschnitt 10/1, Ziffer 704: „Die soldatischen Tugenden entwickeln sich in den kleinen Gemeinschaften der Truppe. Dort entsteht die Kameradschaft; sie zeigt sich im Einsatz füreinander, besonders in Mühe und Gefahr. Sie soll Vorgesetzte und Untergebene in allen Lagen fest verbinden. [sie gibt Zuversicht und Halt. Wer mehr zu leisten vermag, muss dem weniger Erfahrenen und Schwächeren helfen. Falscher Ehrgeiz, Selbstsucht und Unaufrichtigkeit zerstören die Kameradschaft.“
Der Psychologe Herb Goldberg sagt, Kameradschaft verlaufe in 4 Phasen, die vorletzte Phase zur Kameradschaft sei die Freundschaft:
Häufig wird das Wort "Freundschaft" erweitert, um andere Beziehungen positiv einzufärben. Zum Beispiel bedeutet, jemanden einen Geschäftsfreund zu nennen, dass eine geschäftliche Beziehung besteht, die auf positiven Erfahrungen beruht und über eine bloße Geschäftspartnerschaft hinausgeht (z.B. weil wechselseitige Sympathie besteht oder sie von angenehmen Kontakten geprägt ist). Siehe auch Brieffreundschaft.
Georg Simmel beschreibt in "Soziologie der Freundschaft", die Freundschaft als differenzierte Freundschaft. Im Gegensatz zu Aristoteles (siehe "Philosophie") sieht er Freundschaft als graduelles Phänomen. Freundschaft fängt für ihn in dem Moment an, in dem sich zwei Menschen bekannt sind. Sie wissen also um ihre gegenseitige Existenz. Von dieser Basis aus können die Menschen verschieden weit in die "Sphäre" des anderen eindringen. Auf der einen Seite hängt die Tiefe und der Umfang des Eindringens von dem ab, was man preisgeben will, und auf der anderen Seite ist diese Grenze in der Freundschaft auch bekannt, so dass der andere diese Grenze nicht einfach überschreiten wird. (Beispiel: Mit den Fußballkumpels spricht man über Fußball. Die Eheprobleme anzusprechen, wäre eine Grenzüberschreitung.)
Simmel bezeichnet das, was jenseits dieser Grenze liegt, als "Reserve" - das ist positiv und negativ gemeint: Auf der einen Seite gibt man etwas nicht von sich preis, auf der anderen Seite ist da noch etwas, was man der Freundschaft hinzugeben könnte. Auch wenn also im täglichen Umgang diese Grenze nicht überschritten wird, so ist dennoch die Möglichkeit gegeben, die Freundschaft auch auf andere Dinge auszuweiten und so zu vertiefen.
Einen Sonderfall der Freundschaft sieht Simmel in der Ehe: Das hängt zu einen damit zusammen, dass die Ehe ihren Charakter gewandelt hat: War bei Montaigne die Ehe noch ein Handel, so ist die Ehe in der Moderne eher von Liebe gekennzeichnet. Wenn die Ehe also eine Liebesbeziehung ist, so wirkt ein freundschaftliches Element. Simmel warnt davor, die Ehe als sofortige und umfassende Öffnung der Partner zu verstehen. Er sieht den Wert einer Ehe vielmehr in dem Prozess der fortschreitenden freiwilligen Vertiefung der Freundschaft. Wertvoll sind sowohl die geteilten Dinge, als auch die Dinge, die man dem Partner (noch) nicht mitteilen will oder kann. Dazu kommt, dass man sich selbst über viele Dinge nicht so im klaren ist, dass man sie sich selbst überhaupt mitteilen könnte oder wollte. Dieser "blinde Fleck" in der Beziehung zu sich selbst wäre potentiell enttäuschend für eine Ehe, die auf komplette Öffnung ausgelegt ist.
Aristoteles hält Freundschaft nicht für ein graduelles Phänomen, bei dem einem der eine Mensch mehr freund ist als der andere, sondern er kategorisiert die verschiedenen Freundschaften. Als erstes teilt er sie in die "Freundschaft unter Gleichen" und die "Freundschaft unter Ungleichen" und schließt gleichzeitig die Freundschaft zu unbeseelten Dingen aus. Aristoteles bezieht sich mit dieser Philia-Systematik auf Platons Dialog Lysis, in dem kategorial souverän und künstlerisch spielend das Problem der selbstlosen Freundschaft entfaltet wird.
Die Freundschaft unter Gleichen gilt für gleichgestellte Bürger. Man ist einander ebenbürtig. Diese Freundschaft unterteilt er weiter in Nutzen-, Lust- und Tugendfreundschaft. Die Nutzenfreundschaft bringt die Menschen zu einem Zweck zusammen. Fällt dieser Zweck weg, ist die Freundschaft gefährdet. Ähnliches gilt für die Lustfreundschaft, die rein affektiv begründet ist. Diese beiden Arten sind akzidentiell und labil. Stabil dagegen ist die Tugend- oder Charakterfreundschaft. Sie ist die Freundschaft um des Freundes willen. Hier kommt Aristoteles' Mesothes-Lehre ins Spiel, deren Maxime zufolge das Maßhalten der Weg zu einem tugendhaften und erfüllten Leben ist. Sind sich zwei Personen in ihrer Tugendhaftigkeit ähnlich, so ist das die Voraussetzung für die vollkommene Freundschaft. Wie für jegliche Tugend gilt auch für die Freundschaft bei Aristoteles, dass sie durch wiederholtes Handeln zur Gewohnheit werden muss. Man übt die Freundschaft nur im alltäglichen Umgang. Die Teilhabe am Leben des Freundes und damit die räumliche Nähe sind nach Aristoteles für eine Freundschaft unerlässlich .
Die Freundschaft unter Ungleichen bei Aristoteles würde man heute vermutlich eher als Ehrerbietung bezeichnen. Sie beschreibt nicht nur das Verhältnis zwischen den Generationen (Vater/Sohn, alt/jung, Frau/Mann), sondern auch das Verhältnis des Menschen zum Staat. So muss nach Aristoteles die Asymmetrie der Hierarchie durch ein Mehraufwand von "philia" durch den Unterlegenen ausgeglichen werden. Der Sohn muss dem Vater mehr Respekt entgegenbringen als umgekehrt, so wie der Bürger mehr in den Staat investiert, als er unmittelbar zurückbekommt.
Siehe auch: Plotin, Augustinus
Des Weiteren hält Montaigne Frauen nicht der Freundschaft fähig - ihnen fehlten die geistigen Fähigkeiten, um mit dem Mann mitzuhalten. Er räumt allerdings ein, dass die Freundschaft zu einer Frau - so sie denn doch über die geistigen Fähigkeiten verfügt - noch stärker sein könne, weil sie Geist, Seele und Körper umfasse. Die Lustfreundschaft zwischen Männern, die bei Aristoteles noch eine starke Rolle spielte, lehnt Montaigne schlichtweg ab.
Die Grundlagen für unterschiedliche Freundschafts-Konzepte liegen u. a. in literarischen Traditionen und in den realen Lebensbedingungen, die sich von Kultur zu Kultur oft stark unterscheiden. So ist der "Freundschafts"-Begriff in Deutschland und Frankreich z. B. vom literarischen Freundschaftskult des 18. Jahrhunderts (z. B. dem Göttinger Hain) geprägt, der den Übergang von der Zwangsbindung ans Geburtsmilieu zur freien Wahl des sozialen Umfelds (Freunde, Sexualpartner) nach dem Prinzip der "Seelenverwandtschaft" markiert. Bei Personen, die räumlich voneinander getrennt leben mussten, war hier das wechselseitige Schreiben von Briefen ein wichtiges Mittel zur Pflege von Freundschaft. In Nordamerika, wo ein solches Konzept der Freundschaft kulturgeschichtlich weniger verwurzelt ist, spielt die extrem hohe räumliche und soziale Mobilität der Bevölkerung - v. a. in den höheren sozialen Schichten - eine Rolle. Die Fähigkeit, in einer neuen Umgebung schnell Kontakte zu schließen und Anschluss zu finden, wird hier als sehr viel wichtiger erachtet als die Pflege "tiefer" Beziehungen, die in Einwanderungsländern wie den USA weitaus stärker als in Europa der Familie vorbehalten ist.
Literarisch ist die Freundschaft über die Jahrhunderte immer wieder thematisiert worden. Ein Motiv, das seit den Anfängen der Literaturgeschichte besonders traditionsbildend gewirkt hat, ist der Freundschaftsbeweis. Einige klassische Werke zum Thema "Freundschaft" und "Freundschaftsbeweis":
Psychologische und Ratgeberliteratur
Literaturwissenschaft
Freundschaft | Ethisches Gut | Tugend
Friendship | Amikeco | Amistad | Ystävyys | Amitié | Persahabatan | Amicizia | Draugystė | Vriendschap | Przyjaźń (uczucie) | Amizade | Дружба | Friend | 友情
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