Freizeitreiten und Freizeitreiter sind einerseits Sammelbegriffe für das Reiten in der freien Natur (als Gegenpol zum Dressur- oder Springreiten), andererseits bezeichnet Freizeitreiten eine ganz spezifische Haltung dem Pferd gegenüber und einen entsprechenden Umgang mit dem Pferd.
Werthaltung
Charakteristisch für das Freizeitreiten ist der Anspruch der Reiter,
- pferdegerecht zu reiten
- die Pferde artgerecht zu halten und zu versorgen
Reiten wird als Freizeitbeschäftigung betrachtet, die nicht nur dem Menschen gefallen, sondern auch dem Pferd gerecht werden soll. Die Beziehung zwischen Mensch und Pferd, und die Achtung der Natur haben dabei eine besondere Bedeutung.
Turniere und Erfolge sind eher unwichtig. Es gibt aber durchaus Freizeitreiter die hohe Leistungen erbringen z.B. beim Distanzreiten, Tölt-Turnier mit Islandpferde, Westernturnier, extremen Wanderritten, in der Freiheitsdressur oder in der Zucht.
Reitstil
Freizeitreiten vereinigt unter obiger Haltung unterschiedliche
Reitweisen. Starke Einflüsse kommen aus dem
Westernreiten, der
iberischen Reitweise und dem
Leichten Reiten (
Ursula Bruns), die meist in angepasster Kombination und Spielarten, selten in Reinkultur, angewandt werden. Der Ausbildungsstand ist sowohl bei Reitern als auch bei den Pferden von "exzellent gymnastiziert" bis "einfach draufsitzen" höchst unterschiedlich. Freizeitpferde werden in der Regel im Gelände geritten (
Wanderreiten). Einen wichtigen Stellenwert nehmen die Beschäftigung mit dem Pferd und die Bodenarbeit ein.
Pferdehaltung
Freizeitpferde werden möglichst
artgerecht –
robust in der Herde, im
Offenstall, oder zumindest mit viel Auslauf auf der Weide – gehalten und wenn möglich täglich im Gelände bewegt.
Geschichte
Als Vorläufer des heutigen "Freizeitreiters" kann man wohl den "Herrenreiter" (unabhängig vom Geschlecht) bezeichnen. Im Gegensatz zu Berufsreitern, wie Cowboys oder Vaqueros, Kavalleristen, Meldereitern etc. ging es ihm lediglich um das mit der Reiterei verbundene Vergnügen. Turniere waren damals den Offizieren vorbehalten. Erst mit dem allgemeinen Wohlstand nach dem II. Weltkrieg und der Freigabe von Turnieren für Privatleute konnte eine Reitszene entstehen, die die Grundlage sowohl für den heutigen Turniersport als auch für das heutige Freizeitreiten legte.
Freizeitreiten als Bewegung derer, die sich ausserhalb des Turniersports mit einem natürlichen Umgang und der artgerechten Haltung befassen, ist in den 1960er Jahren entstanden. Einen wesentlichen Beitrag leistete dabei die seit 1969 von Ursula Bruns herausgegebene "Freizeit im Sattel", eine der ersten Pferdezeitschriften Deutschlands.
Organisation
Obwohl die Freizeitreiter eine grosse und stetig wachsende Gruppe der Reiter repräsentieren, sind sie eher wenig organisiert. Einige sind in der
Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland (VFD) organisiert, aber viele lehnen eine Mitgliedschaft in der
FEI ausdrücklich ab.
Die VFD vertritt seit 1973 die Interessen aller Freizeitreiter und -fahrer. Sie nimmt als Verband auch wesentlich Einfluss auf den Gesetzgeber zur Sicherung der Reitrechte in Wald und Flur.
Weblinks
Pferdesport