Als Freihandel bezeichnet man den freien Handel von Gütern (Waren und Dienstleistungen) zwischen Menschen in verschiedenen Staaten. Eine daraufhin ausgerichtete Wirtschaftspolitik bezeichnet man als Freihandelspolitik, eine dem Freihandel entgegengesetzte Politik als Protektionismus.
Theoretische Begründung
Hauptartikel Außenhandelstheorie
Die meisten Außenhandelstheorien kommen zu dem Ergebnis, dass Freihandel der Wohlfahrt eines Landes mehr dient als Protektionismus. Dabei wird i. A. davon ausgegangen, dass Freihandel zwar für die Volkswirtschaft als Ganzes, nicht jedoch notwendigerweise für alle Individuen von Vorteil ist.
Geschichte
Da es in alten Zeiten um die Möglichkeiten der
Steuererhebung schlecht bestellt war, musste man sich auf die wenigen vorhandenen konzentrieren. Folglich war der
Obrigkeit der an jeder Brücke, an jedem Stadttor und Pass leicht erhebbare
Zoll meist die wichtigste staatliche Einnahmequelle. Die Konsequenz war stark eingeschränkter Handel.
18. Jahrhundert
Mit dem Aufkommen des
Merkantilismus im
18. Jahrhundert bekam der
Protektionismus einen theoretischen Unterbau.
Freihandelsperiode
Auslöser der Freihandelsperiode war der 1860 zwischen England und Frankreich geschlossene
Cobden-
Chevalier Vertrag. Dieser sah in seinem Art V die Meistbegünstigung zwischen den Vertragsparteien vor. Aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung der Vertragsparteien suchten immer mehr Staaten präferentiellen Zugang insbesondere am französischen Markt. Das Resultat war ein Netzwerk an Freihandelsverträgen, die alle auf dem Prinzip der
Meistbegünstigung aufbauten. Bis auf Russland und die USA beteiligten sich alle wichtigen Staaten an diesem Netzwerk. Das Freihandelsnetzwerk kam zwar ab 1878 durch billige Getreideimporte aus Russland und den USA unter Druck, was auch zu vereinzelten Handelskriegen führte, kam jedoch erst mit dem Ausbrechen des ersten Weltkriegs, und damit nicht primär aus wirtschaftlichen Gründen zu Fall.
Zwischenkriegszeit
Die Einführung neuer, zusätzlicher Grenzen in ehemals österreichischen, osmanischen und russischen Gebieten brachte dort auch etablierte wirtschaftliche Verflechtungen zum Erliegen.
In dem Maße, in dem die Zwischenkriegszeit durch gegenseitiges Misstrauen geprägt war, wurde auch der internationale Handel eingeschränkt. Die Weltwirtschaftskrise von 1929 (Schwarzer Freitag) schöpfte, als sie einmal ausgebrochen war, einen Teil ihrer Dynamik daraus, dass die Länder, angestachelt vom Wirtschaftlichen Kollaps, panisch ihre Grenzen für ausländische Produkte schlossen, und so mit dem Zerschlagen des zwischenstaatlichen Handels auch die Wirtschaft abermals unter Druck setzten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach dem Krieg wurde wieder stärker auf eine offene Außenhandelspolitik gesetzt. Erschüttert wurde dies zwischenzeitlich durch den Zusammenbruch des
Bretton Woods-Systems und die
Ölkrise.
Es entstanden
Freihandelszonen wie
EG,
EFTA und
ASEAN.
Mit der
UNO-Unterorganisation
GATT (heute
WTO) erhielten die Bemühungen um Freihandel eine hochrangige
Institution.
Globalisierung
Die vollständige Liberalisierung des Welthandels würde nach einer Studie der Weltbank (2005) bis zum Jahr 2015 jährlich 250 Mrd. Euro an zusätzlichen Einkommen realisieren. Die fortschreitende Freihandelspolitik war eine Grundlage der
Globalisierung. In den letzten Jahren hat sich mit den
Globalisierungskritikern eine lautstarke Gegenbewegung entwickelt, die auf die Gefahr von Ausbeutung und Zementierung bestehender Gefälle sowie die Untergrabung der
Wirtschaftspolitik der
Nationalstaaten hinweist.
Politik der EU und USA
Kritiker werfen der
EU und
USA vor,
Freihandel zu propagieren, aber häufig eine
protektionistische Außenhandelspolitik zu verfolgen. Als Beweis werden folgende Beispiele angeführt:
Siehe auch
Außenwirtschaft | Wirtschaftsliberalismus
Free trade | Libre comercio | Vapaakauppa | Libre-échange | Libre Comercio | Perdagangan bebas | Liberismo | თავისუფალი ვაჭრობა | Слободна трговија | Frihandel | การค้าเสรี | 自由貿易