Die Freie Stadt Frankfurt, gegründet 1813, war von 1816 bis 1866 einer von vier Stadtstaaten im Deutschen Bund.
Nach der Niederlage Napoleons 1813 wurde das Großherzogtum aufgelöst und Frankfurt als Stadtstaat wiederhergestellt. Da es kein Reich und keinen Kaiser mehr gab, hieß die ehemalige Freie Reichsstadt nunmehr Freie Stadt und war, wie die anderen deutschen Länder, ein völkerrechtlich völlig selbständiger Staat. 1816 erhielt die Stadt eine Verfassung, die Konstitutionsergänzungsakte, die die Macht des seit dem Mittelalter regierenden Großbürgertums einschränkte, ohne den unteren Ständen wirkliche Verbesserungen zu bringen.
Frankfurt war eines der Zentren der revolutionären Bewegung des Vormärz. 1833 erlebte die Stadtrepublik mit dem Frankfurter Wachensturm im Kleinen eine Wiederholung des Sturms der Pariser auf die Bastille 1789. Die kleine Armee der Stadt, das Linienregiment, schlägt den vor allem von Studenten getragenen Aufstand nieder. Auch bei der Märzrevolution 1848 war Frankfurt einer der wichtigen Schauplätze. Die Frankfurter Nationalversammlung, das erste frei gewählte deutsche Parlament, tagte 1848/49 in der Paulskirche. Die Frankfurter Reichsverfassung von 1849 scheiterte an der Ablehnung des als Kaiser ausersehenen preußischen Königs.
1836 wurde die Freie Stadt als letzter Staat der Region Mitglied im Deutschen Zollverein. 1839 eröffnete als erste Eisenbahnstrecke die Taunusbahn nach Wiesbaden. Der Bau gelang erst nach zähen Verhandlungen, da die 40 Kilometer lange Strecke trotz ihrer Kürze über das Gebiet von drei Staaten führte, die einander im wirtschaftlichen Wettbewerb lagen.
Obwohl die uralte Frankfurter Messe während der freistädtischen Zeit einen Tiefpunkt ihrer Geschichte erlebte, stieg Frankfurt zu einem Handels- und Finanzplatz von europäischer Bedeutung auf. Wichtigste Großbank war das in ganz Europa vertretene Haus Rothschild.
Nach dem Ende von über 600 Jahren als eigenständige Stadtrepublik verblieben in Deutschland nur noch drei Stadtstaaten: Lübeck, das 1937 an Preußen fiel, sowie Bremen und Hamburg, die diese alte Tradition bis heute fortsetzen.
Der Stadtbezirk bestand aus
Der Landbezirk bestand aus den Gemeinden
Dieses Territorium bestand nach der Annexion noch bis 1885 als preußischer Stadtkreis Frankfurt fort.
| Jahr | 1837 | 1840 | 1843 | 1846 | 1849 | 1852 | 1855 | 1858 | 1861 | 1864 |
| Stadtbezirk | 54.037 | 56.217 | 56.348 | 58.519 | 59.366 | 62.561 | 64.316 | 68.049 | 71.564 | 78.221 |
| Vorstädtische Gemeinden | 6.296 | 6.562 | 6.630 | 6.860 | 7.052 | 7.587 | 7.522 | 8.254 | 8.880 | 9.866 |
| Landgemeinden | 2.818 | 2.743 | 2.853 | 2.861 | 2.936 | 3.002 | 2.946 | 2.975 | 2.946 | 3.063 |
| Gesamtes Staatgebiet | 63.151 | 65.522 | 65.831 | 68.240 | 69.354 | 73.150 | 74.784 | 79.278 | 83.390 | 91.150 |
Quelle: Statistische Abteilung des Frankfurter Vereins für Geographie und Statistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik der Freien Stadt Frankfurt. J. D. Sauerländer, Frankfurt, 1866. Tabelle 7, Seite 18.
Hessische Geschichte | Staat (historisch) | Geschichte von Frankfurt am Main
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