article

Die Freie Stadt Frankfurt, gegründet 1813, war von 1816 bis 1866 einer von vier Stadtstaaten im Deutschen Bund.

Koalitionskriege und Wiener Kongress


Frankfurt am Main war seit 1245 eine Freie Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und aufgrund ihrer Größe (35.000 Einwohner) und Bedeutung (Handelszentrum, Messestadt, Wahl- und Krönungsstadt der Kaiser) eine der wichtigsten ihrer Art. Nach der Auflösung des Reichs 1806 fiel die Reichsstadt zunächst an das von Napoleon gegründete Fürstentum Aschaffenburg, das sich seit 1810 Großherzogtum Frankfurt nannte und Mitglied im Rheinbund war.

Nach der Niederlage Napoleons 1813 wurde das Großherzogtum aufgelöst und Frankfurt als Stadtstaat wiederhergestellt. Da es kein Reich und keinen Kaiser mehr gab, hieß die ehemalige Freie Reichsstadt nunmehr Freie Stadt und war, wie die anderen deutschen Länder, ein völkerrechtlich völlig selbständiger Staat. 1816 erhielt die Stadt eine Verfassung, die Konstitutionsergänzungsakte, die die Macht des seit dem Mittelalter regierenden Großbürgertums einschränkte, ohne den unteren Ständen wirkliche Verbesserungen zu bringen.

Frankfurt als Bundeshauptstadt


Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde die Freie Stadt Mitglied des Deutschen Bundes, der in Frankfurt seinen Sitz nahm. Frankfurt war eine wichtige, aber neutrale Stadt in der geografischen Mitte zwischen den dominierenden Teilstaaten Preußen und Österreich. Der Bundestag hatte seinen Sitz im Palais Thurn und Taxis in der Großen Eschenheimer Straße. Die Mitgliedsstaaten richteten in der Stadt Gesandtschaften ein.

Frankfurt war eines der Zentren der revolutionären Bewegung des Vormärz. 1833 erlebte die Stadtrepublik mit dem Frankfurter Wachensturm im Kleinen eine Wiederholung des Sturms der Pariser auf die Bastille 1789. Die kleine Armee der Stadt, das Linienregiment, schlägt den vor allem von Studenten getragenen Aufstand nieder. Auch bei der Märzrevolution 1848 war Frankfurt einer der wichtigen Schauplätze. Die Frankfurter Nationalversammlung, das erste frei gewählte deutsche Parlament, tagte 1848/49 in der Paulskirche. Die Frankfurter Reichsverfassung von 1849 scheiterte an der Ablehnung des als Kaiser ausersehenen preußischen Königs.

1836 wurde die Freie Stadt als letzter Staat der Region Mitglied im Deutschen Zollverein. 1839 eröffnete als erste Eisenbahnstrecke die Taunusbahn nach Wiesbaden. Der Bau gelang erst nach zähen Verhandlungen, da die 40 Kilometer lange Strecke trotz ihrer Kürze über das Gebiet von drei Staaten führte, die einander im wirtschaftlichen Wettbewerb lagen.

Obwohl die uralte Frankfurter Messe während der freistädtischen Zeit einen Tiefpunkt ihrer Geschichte erlebte, stieg Frankfurt zu einem Handels- und Finanzplatz von europäischer Bedeutung auf. Wichtigste Großbank war das in ganz Europa vertretene Haus Rothschild.

Das Ende der Freien Stadt


Auch wenn die Stadtrepublik im Deutschen Krieg 1866 neutral blieb, gelang es ihr nicht, sich aus den folgenden Verwicklungen herauszuhalten. Preußische Truppen okkupierten die Stadt, wenig später folgte die offizielle Annexion durch Preußen. Zusammen mit dem Herzogtum Nassau, dem Kurfürstentum Hessen und der Landgrafschaft Hessen-Homburg, die das gleiche Schicksal erlitten, wurde die Freie Stadt 1868 Teil der preußischen Provinz Hessen-Nassau.

Nach dem Ende von über 600 Jahren als eigenständige Stadtrepublik verblieben in Deutschland nur noch drei Stadtstaaten: Lübeck, das 1937 an Preußen fiel, sowie Bremen und Hamburg, die diese alte Tradition bis heute fortsetzen.

Territorium


Das Territorium der Freien Stadt umfasste die eigentliche Stadt Frankfurt als „Stadtbezirk“ sowie acht Dörfer im „Landbezirk“.

Der Stadtbezirk bestand aus

Der Landbezirk bestand aus den Gemeinden

Dieses Territorium bestand nach der Annexion noch bis 1885 als preußischer Stadtkreis Frankfurt fort.

Einwohnerzahlen


Die Entwicklung der Einwohnerzahlen zeigt ab Ende der 40er Jahre ein stark beschleunigtes Wachstum, sowohl in der eigentlichen Stadt als auch in den bereits damals vorstädtisch geprägten Gemeinden, während sich die Einwohnerzahlen der ländlichen Gemeinden kaum veränderten.

Jahr 1837 1840 1843 1846 1849 1852 1855 1858 1861 1864
Stadtbezirk 54.037 56.217 56.348 58.519 59.366 62.561 64.316 68.049 71.564 78.221
Vorstädtische Gemeinden 6.296 6.562 6.630 6.860 7.052 7.587 7.522 8.254 8.880 9.866
Landgemeinden 2.818 2.743 2.853 2.861 2.936 3.002 2.946 2.975 2.946 3.063
Gesamtes Staatgebiet 63.151 65.522 65.831 68.240 69.354 73.150 74.784 79.278 83.390 91.150

Quelle: Statistische Abteilung des Frankfurter Vereins für Geographie und Statistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik der Freien Stadt Frankfurt. J. D. Sauerländer, Frankfurt, 1866. Tabelle 7, Seite 18.

Siehe auch


Hessische Geschichte | Staat (historisch) | Geschichte von Frankfurt am Main

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Freie Stadt Frankfurt".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld