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Der Dom zu Unserer Lieben Frau oder kurz Frauenkirche genannte Kirchenbau in der Münchner Altstadt ist die Kathedralkirche des Erzbischofs von München und Freising und gilt als Wahrzeichen der bayerischen Landeshauptstadt.
Der dreischiffige spätgotische Backsteinbau mit umlaufendem Kapellenkranz ist 109 m lang und 40 m breit, seine Türme mit den charakteristischen Hauben sind 99 Meter hoch. Da die Stadtverwaltung im Stadtzentrum innerhalb des Mittleren Rings keine Gebäude mit einer Höhe von über 100 Metern erlaubt, und auch außerhalb dieses Rings seit November 2004 vorläufig keine höheren Gebäude im Stadtgebiet mehr gebaut werden dürfen, sind die Türme weithin sichtbar. Der Südturm kann bestiegen werden und bietet einen einmaligen Blick auf München und die nahen Alpen.
Die Kirche böte etwa 20.000 stehenden Menschen Platz, was erstaunlich ist, wenn man bedenkt, dass die Stadt zur Bauzeit im ausgehenden 15. Jahrhundert nur etwa 13.000 Einwohner hatte. Dennoch wirkt der Innenraum für seine Größe keineswegs erdrückend, weil er durch 22 zweireihig angeordnete hohe Achteckpfeiler geschickt gegliedert ist. Vom Hauptportal aus gesehen scheinen die Säulenreihen durchlichtete „Wände“ zwischen den mit Sterngewölben versehenen Schiffen aufzurichten. Zur Raumwirkung der Kirche gibt es eine Sage, die verbunden ist mit einem übergroßen Fußabdruck in einer quadratischen Bodenplatte im Eingangsbereich des Kirchenschiffs, dem sogenannten Teufelstritt.
Zur Finanzierung des Baus gewährte der Papst einen vollständigen Ablass denjenigen, die nach München pilgerten, dort ihre Sünden beichteten und einen Wochenlohn spendeten. Die so eingenommenen Gelder wurden zur Finanzierung der Baukosten eingesetzt. Die Einweihung des Gotteshauses, das als letztes Hauptwerk in der Tradition der spätgotischen bayerischen Stadtpfarrkirchen mit ihrem schlichten, verhaltenen Stil gilt, erfolgte am 14. April 1494. Die Türme wurden dann um 1525 mit dem Aufsetzen der charakteristischen Welschen Hauben, vollendet, nachdem zuvor noch während einer kriegerischen Auseinandersetzung Kanonen auf den freien Türmen aufgestellt gewesen waren.
Turmausbau_Frauenkirche.jpg in Frankfurt, mit daraufgestellter offener Laterne, von einer kleinen Kuppel überragt]]
Um die Gottesdienste angemessen feiern zu können gründete Herzog Albrecht V. 1492/95 das Kollegialstift Zu Unserer Lieben Frau durch Vereinigung der Stifte Ilmmünster und Schliersee, die auch Reliquien der neuen Nebenpatrone mitbrachten, der hl. Arsatius vom Schliersee und Sixtus aus Ilmmünster. Zum Zeitpunkt der Weihe waren auch die Fenster unter Verwendung alter Teile als Stiftung der Wittelsbacher und die wichtigsten Altarretabeln fertiggestellt. 1502 wurde das Chorgestühl durch Erasmus Grasser fertiggestellt. Im 16. Jh. kamen neue Stiftungen hinzu.
1580 kamen die Reliquien des hl. Benno von Meißen nach München und die Verehrung dieser Reliquien führte zu einer vom Hofe betriebenen Neuausstattung. In deren Zuge wurde zuerst 1604 vom Bildhauer Hans Krumper der Bennobogen geschaffen, ein Triumphbogen am Eingang zum Chor, der fünf Altäre überspannte, darunter den des hl. Benno. Ein Triumphkreuz schloss den Bogen an der Spitze ab.Inneres_Frauenkirche_1858.jpg 1620 kam der monumentale Hochaltar, der die Himmelfahrt Mariens darstellte und ein Werk Peter Candids war, hinzu. Das Kenotaph für Ludwig den Bayern aus schwarzem Marmor und Bronze, unter anderem geschmückt mit Bronzefiguren von einem nicht realisierten Grabmal für Albrecht V. von 1622 wurde in der Geschichte mehrmals versetzt und stammt von Hans Krumper. Nach und nach wurden im 17. und 18. Jh. alle Altäre mit neuen Gemälden und Retabeln ausgestattet. 1770/72 fertigte Ignaz Günther neue Türflügel und neue Reliefs fürs Chorgestühl. 1780 kam schließlich noch eine Kanzel von Anton Boos hinzu.
Im Zuge der Säkularisierung wurde das Stift aufgehoben und Teile der Ausstattung zerstört. Jedoch wurde München in der darauffolgenden Reorganisation der Kirchenverwaltung Erzbischofsitz und so kam zur Funktion als Pfarrkirche die als Bischofssitz. Plan_Ausbau_Frauenkirche.jpg Der Bennobogen wurden im 19. Jahrhundert bei einer Purifizierung wieder entfernt wie auch die andere barocke Ausstattung. Der "Restaurator" war M. Berger, doch sein Werk, nach damaligen Maßstäben zwar eine Restaurierung, ist aber aus heutiger kunstgeschichtlicher und denkmalpflegerischer Sichtweise eher ein Kahlschlag gewesen, dem wichtige Kunstwerke zum Opfer fielen. Die Ausstattung wurde nach damaligem Muster in einer überbordenden Neogotik ausgeführt, die verschiedene Varianten der Gotik vermischte. An den Säulen wurden Apostel- und Heiligenfiguren angebracht. Diese wurden in einer starren Form gearbeitet, kennzeichnend für die Imitation der Gotik durch das 19. Jahrhundert. Neue Seitenaltäre und ein neuer Hochaltar wurden angebracht, sowie eine Kanzel, die mit einem reich verzierten (wieder stark imitierenden und idealisierenden) Helm bekrönt wurde, was auch mit den Heiligenfiguren geschah. Inneres_Frauenkirche_1870.jpg1944 wurde der Dom durch Luftangriffe schwer beschädigt, das Hallengewölbe stürzte teilweise ein und die Einrichtung zerstört oder geplündert. Dem Geschmack der Nachkriegsjahre entsprechend erfolgte der Wiederaufbau der Kirche in nüchterner und schmuckloser Form, die Renovierung wurde in mehreren Etappen, zuletzt 1994, durchgeführt. Von der ursprünglichen Ausstattung sind einzig die Glasgemälde der Chorfenster und einzelne Gemälde und Skulpturen erhalten die durch andere Stücke ergänzt wurden. Die Helmstange des nördlichen Turms der Frauenkirche bildet den Nullpunkt im bayerischen Soldner Koordinatensystem, welches von 1801 bis 1927 als Grundlage für die erste bayerische Landesvermessung eingesetzt wurde.
Michael_von_Faulhaber_Memorial_in_Frauenkirche_München.jpg | Frauenkirche_Munich_Portal.jpg.]]
Weiter an der Südseite sind zahlreiche Epitaphien angebracht. Sie erinnern an den Friedhof, der die Kirche bis ins 18. Jh. umgab, dann aber aus Hygienegründen ausgelagert wurde. Die einfachen Holzkreuze der ärmeren Bevölkerung sind natürlich nicht erhalten, aber die Epitaphien der Bürger- und Patrizierfamilien, die an der Mauer angebracht sind, sind steinern und so erhalten. Sie sind teilweise figürlich geschmückt, manche Texte sind kaum oder gar nicht mehr lesbar. 1984/85 wurden sie mit Hilfe der Messerschmid-Stiftung konserviert. Einer der erhaltenen Grabsteine ist z.B. der des Cosmas Damian Asam. Die südwestliche Tür ist dem hl. Arsatius geweiht, einem Nebenpatron der Kirche und der Patron des Stifts Ilmmünster, welches seine Reliquien 1492/95 bei der Zusammenlegung des Stifts mit dem vom Schliersee mitbrachte. Arsatius erlangte allerdings nur wenig Bedeutung in München, weshalb seine Reliquien wieder an einen anderen Ort kamen. Das südöstliche Tor, das sogenannte Brautportal, hat als einziges der Kirchenportale ein reich profiliertes gotisches Gewände mit kleinteiligem Figurenschmuck entstanden, der um 1480 entstand und 1860 ergänzt wurde. In den zwei Ringen von Figuren, die die Tür umschließen sind Personen (Apostel, Propheten) aus der Bibel und Heilige zu sehen. An den Portalseiten sind besonders qualitätsvolle Darstellungen Marias mit dem Kinde und des Erlösers zu sehen. Christus hält die Arme vom Körper angewinkelt weg, damit die Wunden besser zu sehen sind. Er steht vor einem in Stein gehauenen Tuch. Die Tür ist dem hl. Donatus geweiht. Die Rippe, welche das Gewände umschließt, ist wie am Hauptportal mit Krabben besetzt, was an den anderen Portalen nicht der Fall ist.Donatusportal_Gewände.jpg Die reiche Verzierung des Portals lässt sich damit erklären, dass es in früheren Jahrhunderten häufiger als die anderen Portale frequentiert wurde, da sich in der Nähe der Schrannen(Getreide)markt befand. Im Laufe des Tages kamen von dort die meisten Menschen. Deshalb wurde das Tor auch Schrannentor genannt und man Trug dieser Frequentierung Rechnung und schmückte das Tor besonders. Rechts des Portals befindet sich eine Tafel mit der Grundsteinlegungsinschrift von 1468. Über dem Text kann man ein Relief sehen. Dies zeigt links das Wappen Herzog Sigmunds (*1439-†1501)und ihn selbst kniend in der Mitte, Maria, die sich rechts von ihm befindet, anbetend. Sigmund hatte sich 1467 aus den Herrschaftsgeschäften zurückgezogen. Die Regierung übernahm Albrecht IV., genannt der Weise. Sigmund hingegen vergnügte sich nun auf seinem Sitz, der Blutenburg, was von Blütenburg kommt. Er behielt sich jedoch das Patronat über die Frauenkirche vor, weshalb auch er auf der Grundsteininschrift porträtiert ist. Über dem Portal ist eine aufgemalte Sonnenuhr auf der Mauerfläche, welche dort leicht hervortritt. Deshalb ist das Fenster über dem Portal sehr kurz, da es erst über der Sonnenuhr anfängt. Weiter, um den Kirchenchor herum, an dem wiederum Epitaphien angebracht sind, gelangt man vorbei an der Schatzkammer, der ehemaligen Sakristei aus der Gotik, welche heute ein Raum ausschließlich zum Gebet darstellt (Sakramentskapelle) und der heutigen, barocken Bennosakristei, an der ebenfalls Epitaphien zu sehen sind, gelangt man zur Nordseite. Direkt an die Sakristei schließt das Bennoportal an, geweiht dem Stadt- und Landespatron Benno von Meißen, dessen Reliquien im Zuge der Gegenreformation nach München kamen. Nun zum letzten Portal, dem des hl. Sixtus, Papst und Märtyrer und Patron des Stifts Schliersee und seit der Gründung des Stifts unserer lieben Frau Nebenpatron der Kirche. Links neben dem Portal befindet sich ein interessantes Detail. Ein Asylzeichen (wie am Hauptportal), dass Verfolgten Schutz signalisierte. Diese Praxis geriet lange Zeit in Vergessenheit, ist aber durch Aufnahme von Personen durch die Kirche, welche Abgeschoben werden sollten wieder präsent geworden. Gegenüber des Portales steht das Bennobrünnlein, ein Werk Prof. Josef Henselmanns von 1972, das den alten, im Krieg zerstörten Brunnen ersetzte.
In der Raummitte befindet sich der "Teufelstritt". Die Stelle des Tritts markiert den Punkt, von dem aus 1620-1858 kein Fenster zu sehen war (das Chorfenster, welches man heute von dort sieht, wurde durch den gewaltigen Renaissance-Hochaltar verdeckt). In dieser Zeit entstand die Legende, dass der Teufel nach Fertigstellung der Kirche sich in selbige schlich. Als er nun an besagtem Ort stand und kein Fenster sah, stampfte er vor Lachen auf, doch als er noch einen Schritt nach vorne trat, sah er die vielen Fenster und dass er zum Narren gehalten worden war. Da verwandelte er sich in einen wütenden Sturm und versuchte, die Kirche einzureißen. Noch heute lässt sich oft einer seiner Gesellen blicken, um das Werk seines Meisters zu Ende zu führen. Deshalb ist es um den Dom immer so windig. Eine andere Version besagt, dass Jörg von Halsbach einen Pakt mit dem Teufel schloss, um diese schneller fertigstellen zu können. Die einzige Bedingung des Teufels war, dass das Gebäude keine Fenster haben durfte. Nach der Fertigstellung kam der Teufel zur Inspektion auf dem Wind geritten, band diesen an den Türmen an und betrat das Kircheninnere. Erst dachte er, seine Bedingung sei erfüllt worden, doch dann bemerkte er betrogen worden war. Wütend stampfte er auf und fuhr zurück zur Hölle. Vor lauter Zorn vergaß er den Wind, weswegen dieser noch heute um den Dom streift.
Das Gitter am Übergang zum Kirchenraum ist 2000 gefertigt worden. An ihm steht das Motto Friedrich Wetters Pax Vobis. Die anderen Kapellengitter wurden 1993 gefertigt (einige auch schon 1985).
Die heutige Orgel- und Sängerempore ist 1993 von Carl Theodor Horn gefertigt worden. Die Orgel selbst ist zweiteilig. Eine kleinere Nebenorgel über dem Südostportal kann mit der Hauptorgel zusammengeschaltet werden. Das Orgelwerk umfasst 95 Register und wurde 1994 von Georg Jann realisiert. Das Prospekt stammt von Wolgang Gsaenger.
Der Radleuchter ist eine Kopie nach einem spätgotischem Original.
Unter dem Scheidbogen zum nördlichen Seitenschiff kann man an der Nordseite die Epitaphien des Kammerherren Joh. P. Bianchi, gest. 1615 und darunter das des Chorherren Franz Tichtl, gest. 1520, sehen. Gegenüber hängt das Altarbild "der Auferstandene" aus einer früheren Retabel der Tulbeckkapelle, welches dessen Benefiziat, der Chorherr Henry Anslew, um 1600 errichten ließ und das Epitaph des Chorherren Joh. P. Pronner, gest. 1618.
Im Chorraum befinden sich einige Büsten und Figuren des in seiner Gesamtheit verlorenen gotischen Chorgestühls. Die Apostel- und Heiligenfiguren wurden 1502 von Erasmus Grasser, dem Schöpfer der berühmten Moriskentänzer im Alten Rathaus vollendet.
In der letzten Kapelle vor dem Chor sind drei Skulpturen der Anna Selbdritt, des Heiligen Georg und des Heiligen Rasso zu sehen. Sie stammen aus dem Umfeld Hans Leinbergers um 1520 und markieren bereits den stilgeschichtlichen Übergang von der Gotik zur Renaissance.
Die zweite Kapelle von Osten im südlichen Seitenschiff bewahrt Reliquien des Heiligen Benno, des Schutzpatrons der Stadt. Das Reliquienkästchen mit der Silberbüste des Heiligen ist ein Werk Münchener Goldschmiede um 1600.
Über dem Eingang zur Sakristei im nördlichen Seitenschiff hängt heute das barocke ehemalige Hochaltarbild mit der Darstellung der Aufnahme Mariens in den Himmel von Peter Candid
Unter dem Chor in der Krypta befinden sich die ältesten Gräber der Wittelsbacher in München. Einzigartig ist das Grabmonument für Kaiser Ludwig den Bayern, dessen figürliche Darstellungen nicht nur Bezug auf das Leben des Kaisers sondern auch auf die Geschichte des Hauses Wittelsbach insgesamt nehmen. Die Bronzefiguren von Wilhelm IV. und Albrecht V. auf dem Gehäuse aus schwarzem Marmor wurden zwischen 1619 und 1622 von Hans Krumper geschaffen.
Entfernt wurde ebenfalls 2004 die 1958 in Erding gegossene Piusglocke, die mit ihrem Schlagton nicht genau zu den übrigen Glocken passte.
- | Glocke | Schlagton | Gießer, Gussjahr | Gewicht (kg) | Durchmesser (cm) Erzbistum München und Freising: Über die Glocken. 7. April 2004 | Turm | - | Susanna (Salveglocke) | a° | Hans Ernst, 1490 | 8000* | 206 | Nordturm | - | Frauenglocke | c' | Bartholomäus Wengle, 1617 | 3000 | 166,5 | Nordturm | - | Winklerin | es' | Meister Paulus, 1451 | 3000 | 142 | Nordturm | - | Bennoglocke | d' | B. Wengle, 1617 | 2100 | 147,5 | Südturm | - | Präsenzglocke | e' | Ulrich v. Rosen, 1492 | 1600 | 132 | Südturm | - | Cantabona | g' | Rudolf Perner, 2003 | 850 | 108 | Südturm | - | Frühmessglocke | a' | M. Paulus, 1442 | 800 | 105 | Südturm | - | Speciosa | h' | R. Perner, 2003 | 540 | 89 | Südturm | - | Michaelisglocke | c" | R. Perner, 2003 | 440 | 84 | Südturm | - | Klingl | es" | unbekannt, 14. Jh. | 350 | 74 | Südturm |
Sonntägliche große Führung durch die Kirche (14.00 h)
Wahrzeichen | Kirchengebäude in Bayern | Kirchengebäude in München | Gotisches Bauwerk
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